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GErrn gesellt sich gleich und gleich (Nr.14)

Text

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Venus-gärtlein (1656)
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Das Lied mit dem Eingangsvers ▪ GErrn gesellt sich gleich und gleich (Nr.14) hat der Sammler des ▪ Venus-Gärtleins (1656) wohl aus »Johann Kristoff Görings (1624-1684) »"... von wenigen Sömmern auf Tühringen Liebes-Meyen-Blühmlein oder Venus-Rosen-Kräntzlein Liebes - Meyen - Blühmlein" Nr . 23, Hamburg: Guht ; Hamburg: Pfeiffer, 1651 S.67 entnommen, ohne diese Quelle, wie bei allen anderen Liedern der Sammlung auch, anzugeben. Dort erscheint es unter dem Titel: "Eine Jungfraw klaget über ihren Alten und kalten Mann."

GErrn gesellt sich gleich und gleich
[Eine Jungfraw klaget über ihren Alten
und kalten Mann.]

auf vorige Melodey.

1.

GErrn gesellt sich gleich und gleich, Arm und Arme, Reich und Reich, Jung und Jung zusammen, schön und schöne, fein und fein, Alt und Alte, Rein vnd Rein, durch die Liebes=Flammen.

2.

Arm und Reiche werden zwar, offtermahl ein Liebespaar, auch die Ungestalten, kriegen offt was schön vnd fein, ja ein junges Mägdlein, freyt offt einen Alten.

3.

Eine kleine Weile nur, schlägt doch diese Liebes=Uhr, die, wie Flut verschwimmet, wie ein Schaum der erstlich göscht 1 und ein Füncklein bald verlöscht, ob es gleich erst glimmet.

4.

Hätt' ich doch zuvor gewust, was für eine kalte Lust, alter Männer hätten: Wär', ich wol all mein Lebenlang, bracht in keines Alten Zwang, durch Cupdidons2 Kätten3.

5.

Leider doch ist es geschehn, vunnd ich muß sehr trawrig sehn, meinen alten Jecken4, Schand vnnd Jammer ist es doch, daß ich mich an solchem Joch, bey dem Alten stecken.

6.

Bey dem Alten werd ich alt, runzlicht, häßlich, kranck vunnd kalt, meine Rosen=Wangen, werden bleich und sind wie todt, meiner Lippen Purpurroht, ist auch fast vergangen.

7.

Denn ich weine Tag und Nacht, daß ich so ein Kreutz gemacht5, meines jungen Lebens, nur vmb schnödes Gelt vnnd Gut, welches doch bey Liebes=Glut, alles ist vergebens.

8.

Zwar ich dacht': ein alter Mann, ja nicht lange leben kan; Ey! er muß doch bald schnappen, nach dem letzten Athem ja, den so kan ich völlig da, Geld und Gut ertappen6.

9.

Komm' alsdann ein Junges=Blut, so sey mir der Reichthumb gut, seine Gunst zu kriegen; Dem aus Liebe, Trew und Fleiß ich mich jhm, vnd er sich weiß, mir fein zu zufügen7.

10.

Was ich mache, doch gar nicht, meinem Alten recht geschicht: Bald bin ich geschmücket, gahr zu schöne, bald zu schlecht, bald ist diß, bald das nicht recht, vnd sich übel schicket.

11.

Zih' ich schöne Kleider an, dänkt er, daß die neben=Bahn8, ich wol möcht außspähen: Geh' ich aus, so schawet er, ob vielleicht auch mein Begehr, andern nach zu gehen.

12.

Doch bey seinem Leben nun, darff vnnd wil ich das nicht thun: Würd' er aber sterben, deß ich warte mit Gedult, wolt ich eines Jungen Huld, Lieb vnd Gunst erwerben.

13.

Denn ich bin des Lebens satt, vnd vom Trauern Kranck und Matt: Ach! wie kan ich haben, Freud, eh mich das Glücke tröst, vnd vom Alten micht erlöst, daß er wird begraben.

14.

Meinethalben mag er zwar, lieber noch wol dieses Jahr, auch mit seinen Geldern, immer balde wandern hin, weil ich wohl zu frieden bin, zun Elysern9 Feldern.

15.

Doch wenn jhn der Todt begehrt, lieber nicht, als ich jhn wehrt10, schätze in meinem Hertzen; So komm ich in Tellus=Schoß11, eher als sein Todt mich loß, macht von Pein und Schmerzen.

(Quelle: Venus-Gärtlein. Ein Liederbuch des XVII: Jahrhunderts. Nach dem Drucke von 1656, herausgegeben von Max Freiherrn von Waldberg, Halle a. S.: Max Niemeyer 1890, S. 19-21) - pd - gemeinfrei)

Worterläuterungen:

1 göscht: gischt
2 Cupido: »Cupido Amor, oft auch Cupido genannt; in der römischen Mythologie der Gott und die Personifikation der Liebe (genauer: des Sichverliebens); wird meist als halbwüchsiger Knabe mit einer gewissen schalkhaften Bosheit aufgefasst, der mit seinen Pfeilen ins Herz trifft und dadurch die Liebe erweckt.
3 Kätten = Ketten
4 Jeck = einfältiger Narr
5 ein Kreutz gemacht: redensartlich wohl im Sinne von "Jeder hat sein Kreuz zu tragen", sein Schicksal tragen müssen; hier auch denkbar als Unterschrift unter einen Ehevertrag
6 ertappen: erhaschen, erwischen
7 mir fein zu zufügen: hier im Sinne von: mir alles recht machen, mich so behandeln, wie ich will
8 neben=Bahn: auf Abwege geraten
9 Elysern: »Elysium, in der griechischen Mythologie "Insel der Seligen"
10  als ich jhn werth: als ich ihn (den Tode) erleiden werde
11 Tellus=Schoß: ital. Gottheit der Erde, die das Saatkorn in ihrem Schoß sich entwickeln lässt, später als Terra Mater (Mutter Erde) der griech. Gäa (s. d.) gleichgestellt, hier im Sinne von: unter der Erde sein, begraben sein

Das Thema in Gemälden der frühen Neuzeit

Das nachfolgende Gemälde aus der Werkstatt von Lukas Cranach d. J. (1515-1596) ist nicht im Venusgärtlein (1656) enthalten, das nur Fließtext und keine Illustrationen beinhaltet. Es ist eines von etlichen ▪ Gemälden und Darstellungen aus der frühen Neuzeit, die sich das ▪ Thema der ungleichen Paare zur Darstellung gebracht haben.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.03.2022

 

  
Arbeitsanregungen:

  1. Fassen Sie den Inhalt des Liedes in Form einer knappen Inhaltsangabe zusammen.
  2. Gliedern Sie das Lied nach inhaltlichen Gesichtspunkten.
  3. Wie deuten Sie die Aussage des Liedes?
  4. Inwiefern spiegeln sich in diesem Lied sozialgeschichtliche und mentalitätsgeschichtliche Phänomene der Zeit? Welche Unterschiede zu unserer heutigen Zeit können Sie feststellen?
  5. Vergleichen Sie dieses Lied mit ▪ Ein alter Mann mit einer Jungfrauen (Nr.144).
  6. Beschreiben Sie das Gemälde von Lukas Cranach d. J. - Können Sie Bezüge zwischen dem Lied und dem Bild herstellen?
  7. Ungewöhnliche Paarbeziehungen sind auch heute noch immer wieder Thema in den Medien.
    • Welche Paare erscheinen Ihnen heute noch ungewöhnlich? Aus welchem Grund?
    • Woraus erklärt sich das Medieninteresse an solchen Paarbeziehungen?
 
 
 

 
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