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GErrn gesellt sich gleich und gleich ... (Nr.14)

Aspekte der Analyse und Interpretation

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Das Lied mit dem Eingangsvers ▪ GErrn gesellt sich gleich und gleich (Nr.14) hat der Sammler des ▪ Venus-Gärtleins (1656) wohl aus »Johann Kristoff Görings (1624-1684) »"... von wenigen Sömmern auf Tühringen Liebes-Meyen-Blühmlein oder Venus-Rosen-Kräntzlein Liebes - Meyen - Blühmlein" Nr . 23, Hamburg: Guht ; Hamburg: Pfeiffer, 1651 S.67 entnommen, ohne diese Quelle, wie bei allen anderen Liedern der Sammlung auch, anzugeben. Dort erscheint es unter dem Titel: "Eine Jungfraw klaget über ihren Alten und kalten Mann."

Das Titelkupfer der Liedersammlung Görings zeigt typische Motive der Zeit.


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Das Lied im ▪ Venus-Gärtlein (1456), das mit der Verszeile GErrn gesellt sich gleich und gleich beginnt, trägt den Titel Eine Jungfraw klaget über ihren Alten und kalten Mann. mit dem Hinweis, dass es auf die Melodie des vorigen Liedes gesungen werden solle. Und dieser "Thon", Noten enthält das Liederbuch keine, lautet Als ich einmahl Lust bekam (Nr.72) (Waldberg (1890, S. 109-111), eine offenbar sehr bekannte Melodie der Zeit, auf die, wie in dieser Zeit, aber auch heute bei modernen Cover-Versionen bekannter Songs üblich, etliche Volkslieder gedichtet bzw. umgedichtet worden sind.

In der Wiedergabe der Fassung des Gedichts von Waldberg (1890, S.19-21) wird es im Fließtext dargestellt. Die Auflösung der typographisch hervorgehobenen Strophenform wird dabei wohl darauf zurückzuführen sein, dass der Raumbedarf der Fließtextdarstellung sehr viel geringer als die Vers- und Strophendarstellung ist und das Liederbuch – Papier war ohnehin kein billiges Gut – weder übermäßig aufgebläht und damit auch unhandlich werden konnte. Schließlich wären damit auch die Druckkosten erheblich gestiegen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass das Venus-Gärtlein in Format und Aufmachung nicht vergleichbar ist mit den aufwändig gestalteten ▪ Liederbüchern in den Niederlanden Anfang des 17. Jahrhunderts,  wie z. B. die immer wieder nachgedruckte und neu aufgelegte niederländische Liedsammlung ▪ Den Bloem-Hof Van de Nederlantsche Ieught« (1608) oder der ▪"Friesche Lusthof" von »Jan Jansz. Starter (1593-1626).

Auf der anderen Seite war die Reim- und Strophenform nicht nur beim Lesen der alternierenden, am natürlichen Sprachgebrauch orientierten Versfüße (Betonungen), dem Klang der auf weibliche und männliche Kadenzen endenden Verse mit ihrem sowie der Tatsache, dass dem Gedicht eine bestimmte den Leserinnen und Lesern und Sängerinnen und Sängern bekannte Melodie unterlegt wurde, leicht zu rekonstruieren.

Der Tod des Alten als erklärter Schlüssel zum Glück

Die ersten drei Strophen des Gedichts befassen sich allgemein mit der Ehe und dem persönlichen und sozialen Status der jeweiligen Eheleute. Sie kann, so stellt das lyrische Ich dar, darauf beruhen, dass die Ähnlichkeiten, die zwischen den jeweiligen Partnern bestehen sehr groß sind: So kann es sein, dass beide vor der Ehe arm oder reich sind, beide jung und gutaussehend, beide schon in fortgeschrittenem Alter und beide untadelig sind. Dort wo diese Gemeinsamkeiten nicht bestehen, wenn der bzw. die eine reich, der bzw. die andere eher ärmlichen Verhältnissen entstammt, können auch andere Gemeinsamkeiten, die fehlen, kompensiert werden. Vor allem, diejenigen, die keine äußerliche und körperliche Attraktivität haben, können diesen Makel mit Geld ausgleichen. Allerdings ist einer solchen Verbindung kein dauerhaftes Eheglück beschieden.

Das lyrische Ich, das wird in der dritten Strophe deutlich spricht aus Erfahrung und gibt sich als Frau erkennen, die davon zeugen will, dass sie, hätte sie gewusst, was ihr mit einem erheblich älteren Ehemann mit seiner "kalten Lust" widerfahren würde, sich nie auf ein solches Liebesabenteuer eingelassen hätte, indem sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Die Klage, die sie über ihre Lage erhebt, ist aber nicht, dass sie, wie dies in der Zeit ja allgemein üblich, von ihren eigenen Eltern mit dem alten Mann verheiratet worden ist, sondern sie richtet sich gegen die Täuschung, der sie selbst offenbar erlegen ist. Deren Konsequenzen malt sie sich in dramatischen Bildern aus.

Alles, was sie als Frau attraktiv macht, ihre Schönheit werde sie an der Seite des alten Mannes verlieren, werde Falten bekommen, hässlich, krank und am Ende ebenso leidenschaftslos wie ihr Mann werden. Jetzt, da ihr klar wird, worauf sie sich eingelassen hat, kann sie nur noch weinen, weil sie weiß, dass sie der Ehe mit ihrem Mann nur wegen seines Geldes eingegangen ist. Ihr Kalkül, ihr erheblich älterer Mann, würde bald das Zeitliche segnen, hat sich jedenfalls bisher nicht erfüllt. Dabei hat sie sich die Zeit nach dessen Tod schon in rosa Farben ausgemalt. Als begüterte Witwe werde sie sich dann einen jungen Mann angeln können, der ihr zu Diensten sein werde. Aber noch ist es nicht soweit: Argwöhnisch beobachtet ihr Mann alles, was die Frau tut, und wacht offenbar eifersüchtig darüber, ob die seine junge Frau, wenn sie sich schön macht und ausgeht, nicht auf Abwege gerät. Doch danach, so rechtfertigt sich das Ich, stehe ihr, solange ihr Mann noch lebe, nicht der Sinn. Wenn er aber gestorben sei, werde sie einen jungen Verehrer suchen. In jedem Fall hat sie ihr derzeitiges Leben mit dem Alten satt und kann es, trotz gegenteiliger Beteuerung kaum erwarten, dass er stirbt und begraben sein wird. Sein zeitlich möglichst naher Tod ist ihr erklärter Schlüssel zum Glück - je schneller umso besser.

Nur ihr eigener Tod - und zwar noch vor dem absehbaren Tod des Ehemanns - könnte, den unaufhörlichen Lauf der Dinge aber auf den Kopf stellen. Damit gibt sich "natürlich die Ironie des ganzen Liedes endgültig zu erkennen (...). Seine Thematik passt aber genau in den gerade in der Frühneuzeit heftig durchgeführten Diskurs über das Alter, wenngleich hier ganz bewusst diejenigen Frauen verspottet werden, die einen alten Mann nur wegen seines Geldes heiraten und dann eine bittere Enttäuschung erleben, weil sie neben ihm versauern und keiner ihrer Träume in Erfüllung geht." (Classsen 2009, S.299f.)

Im Venus-Gärtlein gibt es weitere Lieder, die sich mit dem Thema des "Buhlens" älterer Männer um junge Frauen befassen. Dies zeigt, wie präsent dieses Thema in dieser Zeit war und wie sehr es die Menschen beschäftigt hat.

In der teachSam-Auswahl von Liedern des Venus-Gärtleins sind dies außer dem hier vorgestellten Lied:

Auch in der Bildenden Kunst der frühen Neuzeit wird Problematik ▪ altersungleicher Paare immer wieder thematisiert, wie z.B. in dem folgenden Kupferstich aus Jacob van der Heydens (1573-1645), »Pugillus facetiarum ... (1618 ) =Allerhand kurtzweilige Stücklein, allen Studenten furnemblich zu lieb auss ihren eigenen Stammbüchern zusamen gelesen und in dise Form gebracht zu Strasburg 1618".


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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 25.03.2022

 
 

 
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