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 ACh schoen Jungfraw halt mir zu gut (Nr. 51)

Text

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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ACh schoen Jungfraw halt mir zu gut

Cavallier.

ACh schön Jungfraw halt mir zu gut, warumb ich euch thu fragen, mit fragen man nicht irren thut, ich bitt jhr wolt mirs recht zusagen, ob jhr wolt seyn die Liebste mein, mein Weiblein in mein Kämmerlein, ob jhrs mit mir wolt wagen.

Jungfraw.

Ewer Frag hab ich vernommen wol, kan drauff kein Antwort geben, daß ich sie euch abschlagen sol, ist mir wahrlich nicht eben, ich wil fragen die Mutter mein, vnnd wil sie nicht so muß es seyn, einen Mann muß sie mir geben.

Tochter.

Ach Mutter Liebste Mutter mein, gute Zeitung1 thu ich euch bringen, es hat ein wacker Knäbelein, thun in der Lieb gewinnen, er hat mir auch gesprochen an, ob ich jhn wolte haben, zu einem Mann, auch Mutter raht zu den Dingen.

Mutter.

Ach Tochter ich gläub du seyst bethort, mit einem Mann zu nehmen, hab ich doch all mein Tage nicht gehört, ins Hertz solst du dich schämen, daß du so gerne hättest einen Mann, ja warlich den hättest du lang solt han, für GOTT ja meinen HErren.

Tochter.

Ach liebe Mutter sagts mir recht, wie könt ihr solches wehren, so groß als ewr, ist meine Mütz2, darauff kan ich wol schweren, vnd sind auch noch viel Jungfräulein, die als meine, viel kleiner seyn, und thun doch Männer nehmen.

Mutter.

Ey habe die Pocken vnd auch die Gicht, mit einem Manne zu walten, bistu kein fünffzehn Jahr noch nicht, wilst solche Schantz3 außhalten, wenn du nu wehrst die achzehn Jahr, so sag ich hiermit füwar, nicht länger auffzuhalten.

Tochter.

Ach achzehn Jahr ist gar zu lang, ach Mutter thut jhrs bedencken, jhr macht doch so Angst und Bang, vnd thut mein Hertze kräncken, wahret jhr doch noch nicht vierzehn Jahr, erstmahl das ewre Hochzeit wahr, ach Mutter last euch lencken.

Mutter.

Ihr jungen Schnappen4 jhr wißt gar wol, wenn jhr es nur wolt sagen, ich gläub jhr seyd gar Mannes voll, euch gehört darnach zu fragen, daß ich so jung nam einen Mann, dasselbig wolt mein Vater han, ich durfft es jhm nicht versagen.

Tochter.

Dieweil es denn auch wol bekommen ist, in ewren jungen Jahren, so saget mir doch zu dieser frist, warumb solt ich den sparen, ich erkenne meine Zeit! vnd ist nicht weit, einen Mann zu nehmen, vnd das ist Zeit, an mir ist nichts zu spahren.

Mutter.

Ach Tochter, lieber erwarte nur, vermelte5 achzehn Jahr, alsdann so frey du immer zu, vnd kein halb Jahr mehr warte, denn du noch nicht kanst kündig seyn, was dir wol mag gebühren, hinein, in eine große Haushaltung.

Tochter.

Ach Mutter es sey euch abgeschlagen, achzehn Jahr die haben Sanct6 selten, ich wil nehmen wer mir wil han, will nicht achten ewr schelten, sterb ich denn ein Jungfräwlein rein, gibt es doch nicht die gelegenheit mein, Flederwisch7 wollen nicht mehr gelten.

(Quelle: Venus-Gärtlein. Ein Liederbuch des XVII: Jahrhunderts. Nach dem Drucke von 1656, herausgegeben von Max Freiherrn von Waldberg, Halle a. S.: Max Niemeyer 1890, S. 66-67) - pd - gemeinfrei)

Worterläuterungen:

1 Zeitung: Nachricht, Neuigkeit
2 Mütz: Frauenhaube
3 Schantz: Blendung, Blendwerk, Mummenschanz
4 Schnappen: hier i. S. von frühreifen Mädchen; mit  Schnappen wird  der  eigentümlichen Klang bezeichnet, wenn der Auerhahn seinen Balzruf anschlägt;
5 vermelte: h. i. S. von die besagten bzw. die schon erwähnten (achtzehn Jahre)
6 Sanct: die Heiligen alle; ein aus dem Lat. sanctus entlehntes, und im gemeinen Leben übliches Wort, welches nur den Namen der Heiligen ausspricht und ein unveränderliches Beiwort  benutzt wird;
7 Flederwisch: das erste Glied eines Gänseflügels mit den daran befindlichen Federn, das zum Staubwischen im Haushalt benutzt wurde; der Ausdruck dient aber auch dazu, eine junge Frau, die in Bezug auf das andere Geschlecht sehr zurückhaltend oder stolz war, zu kennzeichnen, indem man von ihr sagte, sie habe nur Flederwische anzubieten. Sie würde nämlich jedem Freier mit einem Flederwisch nachkehren. Am Ende jedoch müsse sie, da sie ohne einen Ehemann verarme, ihre Flederwische auf dem Markt verkaufen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.03.2022

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts knapp zusammen.
  2. Welche Argumente tauschen Tochter und Mutter miteinander aus?
  3. Worin sehen Sie die Aussage des gesamten Gedichts?
  4. Nehmen Sie Stellung zu der folgenden These: Das Lied thematisiert die Ängste eines jungen Mädchens dieser Zeit, als eine sogenannte "alte Jungfer" zu enden, wenn es Heiratsangebote ausschlägt.
 
 
 

 
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