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 ACh ich armes Mägdlein klage (Nr.64)

Text

Venus-Gärtlein (1656) - Textauswahl


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Venus-gärtlein (1656)
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Dieses Lied ist offenbar, auch in unterschiedlichen Varianten, in verschiedenen Liederbüchern, z. B. dem "Poetischen Lust-Gärtlein" (1645), das "schöne anmuthige Gedichten, lustige Lieder, zur Anleitung guter Tugend und hofflichen Sitten" (Waldberg 1896, S.VI) enthielt, und in anderen verlorengegangen Liederbüchern der Zeit enthalten gewesen. Seinen besonderen Reiz entfaltet es, wenn man es mit dem Lied ▪ ICh habe offt vor vielen Jahren (Nr. 63) vergleicht, das die Thematik aus der Sicht eines Mannes, der keine Frau findet, darstellt.

ACh ich armes Mägdlein klage
[Die kan keinen Mann bekommen]

1.

ACh ich armes Mägdlein klage, daß nun meine besten Tage, leider sind geflossen hin, vnnd ich ohne Mann noch bin.

2.

Meine Mutter in der Tugend, weiß mich an zu aller Tugend, daß ich lernte Höffligkeit, wie in Franckreich thun die Leut.

3.

Was hilfft michs, daß ich mich schmücke, Auff All Mofisch neig vnd bücke, Speculiere Tag vnd Nacht, wie ich höfflich sprechen mag.

4.

Was hilfftsdas der thewre Schneider, mir auch macht viel thewre Kleider, hier zersetzt vndd dort zerlapt, mich so wunderlich verkapt-.

5.

Daß ich auch die thewren Kragen, siebenfach bespritzt muß tragen, daß ich kräuse meine Haar, trag die Brüste offenbahr.

6.

Wenn ich vor dem Spiegel stehe, mich von Haupt zu Fuß besehe. so ist gleichwol mein Gesicht, so gar Ungerstalt noch nicht.

7.

Was in einem Ort kan feilen, kan das andre dem mittheilen, ich seh an andern daß, jhnen auch wohl mangelt was.

8.

So die Haare einen zieren, können mein auch wol passieren, ist die Stirne rund und glat, mein ist auch nicht scheff noch plat.

9.

Hat ein andre schöne Augen, weiß ich auch daß meine taugen, ist der andern Nase fein, mein ist nicht zu groß noch klein.

10.

Hat ein andre schöne Wangen, so kan ich damit auch prangen, hat sie schönen Mund und Zähn, hierin kan ich auch bestehn.

11.

Ich kan meinen Mund so halten, dicht in Schrauben vnd in Falten, meinen Halß gerad vnd steiff, als wie eine Orgelpfeiff.

12.

Ist ein andre schmahl von Leibe, ich bins auch so lang ichs bleibe, hat ein andre zarte Hand, mein finds auch auff ein End.

13.

Summa was an Leib vnd Leben, einer andern ist gegeben, hab ich so gesund vnd frisch, als im Wasser ist ein Fisch.

14.

Doch sind alle diese Dinge, GOTT erbarm es, zu geringe, weil ich noch an keinen Mann, kommen vnd gelangen kan.

15.

In die Kirche ich fleissig gehe, vnd mich über all vmbsehe, ob mich etwann ein Gesell, sitzen sieht an meiner Stell.

16.

Steht der Liebste aber droben, So ist mein Andacht erhoben, bißweiln seh ich nach dem Chor, ob er einmahl guckt hervor.

17.

Ich fahr auch offt spatzieren, steh am Fenster vor der Thüren, auch mir ein Gewerbe mach, hilfft doch alles nicht der Sach,

18.

Bitte jemand mich zu Ehren, ich kom allzeit ohn beschweren, Gastgebot vnd Hochzeittag, ich nicht gern verseumen mag.

19.

Mancher sich wol vor mir neiget, Reverentz, mir Ehr erzeiget, scharret kratzet, als ein Hahn, weiter wil er nicht daran.

20.

Man pflegt meiner nicht zu schonen, tantzen springen, Pantilionen, macht mir müde Füß vnd Leib, aber vngfreyt ich bleib.

21.

Man sagt mir von Liebes Sachen, aber nicht von Hochzeit machen, sprechen wenn es klappen sol, Jungfraw gestern war ich wol.

22.

Ob sich mancher schon erbarmet, vnd zum Possen mich vmb Armet, küsset mich auch auff den Mund, gehts doch nicht von Hertzen=grund.

23.

Wenns in Ehren kan geschehen, vnd die Leut es nur nicht sehen, sonst auch anders nicht seyn wil, halt ich als ein Lämgen still.

24.

Ob man nach vollbrachtem Schmause, mich mit Music bringt ui Hause, oder macht ein Ständelein, daß es scheint ein Ernst zu seyn.

25.

Ist es endlich so beschaffen, daß ich muß alleine schlaffen, alte Weiber die ich brauch, können mir nicht helffen auch.

26.

Man macht Kundschafft mit mir immer, vnbesuchet bin ich nimmer, jeder wil mein Diener seyn, nur umb Zeitvertreib allein.

27.

Aber mich einmahl zu nehmen, wl kein Schlingel sich bequemen, geben viel des Abends vor, morgen suchen sie das Thor.

28.

Nun bin ich so arm nicht eben, ich hab gnug für mich zu leben, ist es schon nicht Land vnd Sand, hab ich doch gut Bett Gewand.

29.

Vorhang, Kammertuch vnd Küssen, was die Jungfern haben müssen, Schleyer, Seiden, Flachs und Woll, hab ich ganze laden vol.

30.

Hausraht, Kreuse, Kesel, Kannen, Schüsseln, Grapen, Becken, Pfannen, Decken, Bankpfühl vnd was mehr, man bedarff zur Noth vnnd Ehr.

31.

Ohne das was ich sonst habe, welches Kleinod, Pfand vnd Gabe, meine Mutter mir erspahrt, vnd ich auch mit Müh verwahrt.

32.

Sol so lang auch bleiben liegen, biß ich einen werde kriegen, dem wil ichs zum Liebe Pfand, trewlich lieffern in die Hand.

33.

Also darff ich mich nicht schemen, möcht ich heut nur einen nehmen, eh mein Leinen Zeug verfliegt, Schimmel oder Würmer kriegt.

34.

Eh ich möchte gar veralten, eh mein Angesicht kriegf Falten, eh mir alles schrumpelt ein vnd vergeht das Marck im Bein.

35.

Eh die Braut Kist wil zerspalten, weil das Schloß noch was kan halten, eh es mir gar frist der Rost, welches mir doch viel gekost.

(Quelle: Venus-Gärtlein. Ein Liederbuch des XVII: Jahrhunderts. Nach dem Drucke von 1656, herausgegeben von Max Freiherrn von Waldberg, Halle a. S.: Max Niemeyer 1890, S. 96-100 - pd - gemeinfrei)

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.03.2022

     
 

  
Arbeitsanregungen:

  1. Fassen Sie den Inhalt des Liedes in Form einer knappen Inhaltsangabe zusammen.
  2. Gliedern Sie das Lied nach inhaltlichen Gesichtspunkten.
  3. Inwiefern spiegeln sich in diesem Lied sozialgeschichtliche und mentalitätsgeschichtliche Phänomene der Zeit? Welche Unterschiede zu unserer heutigen Zeit können Sie feststellen?
  4. Können Sie in dem vom weiblichen Rollen-Ich ausgedrückten Selbstverständnis Parallelen zu zeitgenössischen Frauenbildern und dem zeitgenössischen Selbstverständnis von Frauen herstellen? Denken Sie dabei auch an die in sozialen Netzwerken weit verbreitete Selbstpräsentationskultur.
  5. Vergleichen Sie das Lied mit dem Lied ▪„ICh habe offt vor vielen Jahren (Nr. 63)“, das die Thematik aus der Sicht eines Mannes, der keine Frau findet, darstellt.
 
 
 

 
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