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Aspekte der Analyse und Interpretation

Text in Strophenform und andere Formaspekte

ICh habe offt vor vielen Jahren (Nr. 63)


FAChbereich Deutsch
Glossar
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Venus-gärtlein (1656)
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Das Lied im Venus-Gärtlein (1456), das mit der Verszeile ICh habe offt vor vielen Jahren beginnt, trägt die Überschrift Der kan kein Weib bekommen. und verweist darunter auf die bekannte Melodie, nach deren Ton es gesungen werden soll (Im Thon: Ach Junfraw ich vermeine. In der Wiedergabe der Fassung des Gedichts von Waldberg (1890, S. 92-96) wird es im Fließtext dargestellt. Die Auflösung der typographisch hervorgehobenen Strophenform wird dabei wohl darauf zurückzuführen sein, dass der Raumbedarf der Fließtextdarstellung sehr viel geringer als die Vers- und Strophendarstellung ist und das Liederbuch – Papier war ohnehin kein billiges Gut – weder übermäßig aufgebläht und damit auch unhandlich werden konnte. Schließlich wären damit auch die Druckkosten erheblich gestiegen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass das Venus-Gärtlein in Format und Aufmachung nicht vergleichbar ist mit den aufwändig gestalteten ▪ Liederbüchern in den Niederlanden Anfang des 17. Jahrhunderts,  wie z. B. die immer wieder nachgedruckte und neu aufgelegte niederländische Liedsammlung ▪ Den Bloem-Hof Van de Nederlantsche Ieught« (1608) oder der ▪"Friesche Lusthof" von »Jan Jansz. Starter (1593-1626). Auf der anderen Seite war die Reim- und Strophenform nicht nur beim Lesen der alternierenden, am natürlichen Sprachgebrauch orientierten Versfüße (Betonungen), dem Klang der auf weibliche und männliche Kadenzen endenden Verse sowie der Tatsache, dass dem Gedicht eine bestimmte den Leserinnen und Lesern und Sängerinnen und Sängern bekannte Melodie unterlegt wurde, leicht zu rekonstruieren.

Bei der unterrichtlichen Behandlung des Liedes kann man, wenn der ▪ Text in der Fließtextfassung präsentiert wird, durch Copy-and-Paste und eine entsprechende Bearbeitung die nachfolgende Strophenfassung hergestellt werden. Alternativ könnte man auch Virgel (/) zwischen die Verse setzen, um die Verse optisch sichtbarer zu machen. Ansonsten sollten eher inhaltliche Gesichtspunkte bei der Analyse des Textes im Vordergrund stehen.

In der Vers- und Strophenanordnung wird die Gebundenheit der Sprache mit ihren Versen, Reimen und ihren 6-zeiligen Strophen der Liedcharakter des 30-strophigen Liedes klarer.

1.

ICh habe offt vor vielen Jahren,
wol gehöret vnd erfahren,
daß schlim muß ein Kerl seyn,
der ein Weib nicht könte kriegen
,
aber sollte das nicht triegen,
kan ich mir nicht bilden ein.

2.

Denn ich bins wol inne worden,
der ich an so manchen Orten,
Haken angeschlagen habe,
kan doch nie darzu gelangen.
meinen Hut daran zu hangen,
ich bin über all Schabab1,

3.

Ich bin in der Lehr gewesen,
vnd gelernet schreiben, lesen,
bin auf hohen Schulen auch,
so gehöbelt vnd geschliffen,
daß ich nun zum theil begrieffen,
was zu thun vnd lassen tauch
.

4.

Frembde Länder hab ich zimlich durchgereiset,
vnd mich rühmlich, da verhalten,
daß ich weiß,
mich auff Parma Boiß2 zu schicken,
bin so Fix in meinen Stücken,
daß mir jeder giebet preiß.

5.

Anders ist mein Haar geputzet,
Parla Frantz3 der Bart gestutzet,
Kragen, Kleider, vnd was mehr,
Steht mir als Modo zierlich,
Gleich als wenn ich recht natürlich,
ein Frantzos gebohren wehr.

6.

Frawen=Zimmer recht zu grüssen,
höfflich jhre Hände küssen.
sprach zu halten wie man sol,
zu bedienen, vorzuschneiden,
was sie gerne sehn und leyden,
weiß ich mehr als allzuwol.

7.

An Gesichte, Leib und Lenden,
Füssen vnd an allen Enden, hinden,
forn und überall,
an der Manneskläng vnd dicke,
bin ich paßlich von Geschick,
nicht zu rauch vnd nicht zu kahl.

8.

Ich kan mich wol lustig machen,
Tantzen, Singen, Spielen Lachen,
einen guten Rausch zur Noth,
kan mein Magen wol vertragen,
ich laß mich nicht gerne schlagen,
leyd auch ungern Schimpff und Spot.

9.

Hundert Kerles wird man sehen,
die zwar wol jhr Ding verstehen,
keinen ich auch nicht veracht,
aber ich kan (wie zu spühren)
als trotz jenem wol passiren,
wenn ichs nehme recht in acht.

10.

Leb ich länger denn auf Erden,
kan ein Mann denn aus mir werden,
der dem Lande nützen kan,
Bin ich was Dumm in der Jugend,
der Verstand Kunst sampt der Tugend,
kompt wol mit dem Alter an.

11.

Daß auch alle Leute sprechen,
daß mir nichtes thu gebrechen,
als nur eine hübsche Fraw,
das ist wahr, doch ich beklage,
daß ich leyder Jahr und Tage,
darnach lauff vnd mich vmbschaw
.

12.

Wüst auch welche es seyn solte,
wenn der Poß4 angehen wolte,
aber sie verachtet mich,
vnd die so mich gerne nehme,
vor5 derselben ich mich scheme,
also bin veriret ich.

13.

Wenn ich eine hab verlassen,
die nichts thate als mich hassen,
vnd mich zu der andern mach,
Ist dieselbe noch wol schlimmer,
denn sie mich Verlachtet immer,
Unnd sticht mir den Gecken nach6.

14.

Such ich dann darnach die dritte,
Sie umb GOtteswillen bitte,
wart jhr auff als wie ein Knecht,
läßt sie mich doch kaum geniessen,
Ihre Hand einmahl zu küssen,
vnd das geht noch ab gar schlecht.

15.

Überall ich jhr nachgehe,
in dem Schnee vnd Regen stehe,
krieg ich offt Schläge von der Wacht,
vor dem Fenster vor den Thüren,
laß ich jhr offt eins hofieren,
aber sie fragt nicht darnach.

16.

Daß sie meiner sol gedencken,
pfleg ich Sie offt zu beschencken,
mit Gold, Perlen, Edel=Stein,
Grosses Glück mir wiederfähret,
wenn sie mir ein Band verehret,
nur von ihrem Haar allein.

17.

Ich muß manches Spott=wort hören,
vnd daran mich doch nichts kehren,
ich muß immer dummer Teuffel seyn,
komm ich (wenn es ist) gegangen,
sprich sie mich so zu empfangen,
zetter7 seht der Narr kompt rein.

18.

Ich hab Abschied offt genommen,
wen ich solte zu jhr kommen,
da sprach denn die Magd zu mir,
mein Herr lasts euch nucht verdriessen,
forne darff ich nicht auffschliessen,
klopffet vor der der hindern Thür.

19.

Solche vnd mehr andre Possen,
haben schrecklich mich verdrossen,
endlich ließ ich von jhr ab,
suchte wo ich kunte Damen,
wo sie mir zu handen kamen
,
vnd bey vielen mich angab.8

20.

Muß noch heutigs Tages wandern,
von der einen zu andern
,
Geld und Zeit geht mit dahin,
wo ich meine Lieb hinwende,
seh ich schmertzlich daß am Ende,
ich dennoch betrogen bin
.

21.

Ihr eins theils sind so verschlagen,
vnd zum Schein mich nur vertragen,
lassen mit sich schertzen auch,
nehmen alles auff in guten,
wehr ich jhnen auch anmuhten,
einen Kuß nach liebes brauch.

22.

Pflegen sich fein zu bequemen,
aber keine wil mich nehmen,
heben mich zwar hoch empor,
aber tieff mich fallen lassen,
vnd bey der Nassen fassen,
ziehn mir endlich andre vor.

23.

Pfleg ich drüber denn zu klagen,
können sie fein spöttisch sagen,
Eiffert euch nicht so geschwind,
Denn wir auff kein andre Knaben,
Als auf Euch ein Auge haben,
Aber darauff sind Sie blind.

24.

Nun ich kan GOTT lob mir Ehren,
gar wol eine Damm ernehren,
meine Sachen stehen wol,
Ich behuffe nicht zu borgen,
Darff auch noch zur Zeit nicht sorgen,
daß mich jemand mahnen sol.

25.

Newlich in der Kisten drunden,
hab ich einen Beutel funden,
einen langen Riemen dran,
vnd wo ich mich kan besinnen,
war mein Paten Geld darinnen,
daß mein Vater drein gethan
.

26.

Das ist gnug zu einer Frawen,
solte manche nur beschauen,

solchen Vorrath vnd mein Gut,
vielleicht möchte sie wol lachen,
vnnd jhr so die Rechnung machen,
Sie kriegt so Ihr nöhtig thut.

27.

Degen, Büchsen, Pulverflaschen,
Knebelspieß und Rattel=Taschen,
steiffe Böcke, kurtz Gewehr,
Hund vnd Winde, Pferd vnd Wagen,
Ochsen, Küh, was sol ich sagen,
ich wol des Zeuges mehr
.

28.

Die ich nun gern haben wolte,
hat auch (wie ich hoffen solte)
wol ein ehrliches9 vor sich,
sie wird gegen mein Vermögen,
mir kein Poppenzeug vorlegen,
dessen ich versichre mich.

29.

Wenn wir den ins HErren Rahmen,
brächten vnser Gut zusammen,
was solt vns wohl feilen10 mehr,
keinen Fleiß wir würden spahren,
wie dasselb von Jahr zu Jahren
möchte seyn vermehret sehr.

30.

Aber aller Praß11 bleibt liegen,
weil ich keine Fraw kan kriegen,
Summa12 bin ich übel drann,
wann das alles manche wuste,
Rasend toll sie wol seyn müste
,
die mich nehme nicht zum Mann.

(Quelle: Venus-Gärtlein. Ein Liederbuch des XVII: Jahrhunderts. Nach dem Drucke von 1656, herausgegeben von Max Freiherrn von Waldberg, Halle a. S.: Max Niemeyer 1890, S. 92-96) - pd - gemeinfrei)

Worterläuterungen:

1 Schabab: imperativische Bildung von abschaben; hier zur Bezeichnung einer Person, die man nicht haben will bzw. gering achtet (DWDS)
2 Parma Boiß: möglicherweise ein Hinweis darauf, dass er geschäftlich auf einer Messe im italienischen Parma gewesen ist
3 Parla Frantz: h: im Sinne von "tiptop"
4 Poß: lustiges Ding, Spaß
5 vor: für, wegen
6 sticht mir den Gecken nach: schickt ihm noch hinterher, was für ein alter, verliebt tuender Narr er ist
7 zetter: im Sinne von zetern, h: geht gleich das Geschrei los
8 vnd bey vielen mich angab: sich angeben hier im Sinne sich ergeben, sich in die Hände begeben
9 ein ehrliches:  h. i. Sinne von ehrliche Absichten
10 feilen: fehlen
11 Praß: Luxus, Pracht
12 summa: h: kurz und gut, unterm Strich betrachtet

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 18.03.2022

 
 

 
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