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Baustein: teachSam-Quiz Bevölkerungsentwicklung 1 (docx-Download
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Nach der durch die vielfältigen Krisen des 17. Jahrhunderts bedingten •
demographischen
Schrumpfungsphase im 17. Jahrhundert kam es in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts europaweit
zu einem Anwachsen der Bevölkerung,
das in
unterschiedlichen Regionen aber sehr unterschiedlich ausfiel.
Am
stärksten wuchs die Bevölkerung in Ost- und Ostmitteleuropa, weniger
stark in Italien und im Gebiet des »Heiligen Römischen Reichs
bzw. des Alten Reichs, wo die großen •
Bevölkerungsverluste
im Dreißigjährigen Krieg
(1618-1648)
erst allmählich ausgeglichen werden konnten. In
Deutschland dauerte es wohl drei bis vier Generationen bis etwa zu Beginn der
1740er Jahre der Bevölkerungsstand von 1618 wieder erreicht wurde. (vgl. Schmidt 2009,
S.23)
Die Gründe für das Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert
sind vielfältig. Auf der
einen Seite nahm die durchschnittliche Lebenserwartung zu, auf der
anderen Seite stieg die Geburtenrate an. In Kriegen kamen nicht mehr so
viele Menschen um wie im 17. Jahrhundert. Die letzten großen »Pestwellen
entvölkerten nur noch in den ersten Jahrzehnten größere Teile Europas.
In der »Großen
Pest von 1708-1714 während des »Großen
Nordischen Kriegs in Nord- und Osteuropa kamen etwa 1 Million
Menschen um. Auch der Pestausbruch in Südfrankreich, der vor allem in »Marseille
und der »Provence
tobte (1720), forderte unzählige Todesopfer. Danach aber verlor diese neben den
»Pocken schlimmste Geißel der Menschheit, die in
ihren schlimmsten Zeiten fast die Hälfte der Menschen in Europa getötet
hatte, ihren Schrecken, da moderne medizinische und hygienische
Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung eingeführt wurden. (Stollberg-Rielinger
200/62023, S.45). Allerdings wüteten Krankheiten wie die
»Pocken,
»Typhus,
»Ruhr und
»Malaria
weiter unter den Menschen. Vor allem die Pocken waren
es, die alle drei bis fünf Jahre massiv ausbrachen und vor allem Kleinkinder
hinrafften. Noch 1804 erkrankten daran 800.000 Menschen, wovon 75.000
starben. (vgl.
Demel 2005,
S.81)
Trotzdem: die
Sterblichkeit der älteren Kinder ging vielerorts zurück, was auch in bestimmten Regionen dazu führte,
dass das Heiratsalter der Frauen, im allgemeinen wohl immer noch zwischen
dem 25 und 27 Jahren, deutlich sank. Die Säuglingssterblichkeit blieb
dagegen hoch und veränderte sich noch kaum. (vgl.
ebd., S.82)
Da die landwirtschaftliche Produktion im gleichen Zeitraum ebenfalls
erhöht werden konnte, zudem noch die Verkehrsverbindungen besser wurden,
konnten auch Missernten mit ihrem drastischen Geburtenrückgang als Folge,
wie 1770/72 geschehen, nicht mehr jene Hungersnöte auslösen, denen in
den langen Jahren zuvor immer wieder Hunderttausende zum Opfer gefallen
sind.
Hinzukommen aber auch andere
• strukturelle Faktoren wie z. B.
das •
Heiratsalter und die Bedingungen für Eheschließung und Familiengründung
sowie die Art und Weise, wie die •
Partnerwahl
vonstatten gegangen ist.
Angaben über die Bevölkerungsentwicklung in der frühen Neuzeit
sind Schätzungen und dies trifft auch noch für das 18. Jahrhundert
zu. Sie stehen auf der Grundlage von
Einzelzählungen, Steuer- oder Bürgerverzeichnissen, die hochgerechnet
werden. (vgl.
ebd., vgl.
Möller 1994,
S.66) Zudem kommt hinzu, dass die Zahlen sich oft auf unterschiedliche
Gebiete beziehen. So gesehen tut man wohl gut daran, zu betonen, dass
Abweichungen von einem Viertel oder sogar mehr möglich sind.
In Europa insgesamt stieg die Bevölkerung von ca. 80 bis 85 Millionen um
1500 herum, über 100 bis 110 Millionen um 1600 auf über 175
Millionen bis 1800. (vgl.
Vogler 2003,
S.263, vgl.
Schorn-Schütte
2009, S.27) Das machte den Kontinent neben China und Indien zu den
damals am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. (vgl.
Schorn-Schütte
2009, S.27)
Die
Bevölkerungsentwicklung in "Deutschland" könnte sich vom Spätmittelalter bis zur Mitte
des 18. Jahrhunderts wie folgt entwickelt haben.
|
Spätmittelalter |
12 bis 13
Mio. |
um 1700 |
15 Mio. |
|
um 1600 |
15 Mio. |
um 1750 |
16-18 Mio. |
|
um 1650 |
10 Mio. |
|
|
(nach W. Buchholz, Raum und Bevölkerung in der
Weltgeschichte, Bd. 3, Würzburg:
Ploetz-Verlag 1966, S.46)
In Deutschland in den Grenzen von 1871 könnten bei aller Vorsicht zu
Beginn des 18. Jahrhunderts etwa 15 Millionen Menschen gelebt haben und
damit immer noch etwa 2 Millionen weniger als die einer anderen als der
obigen Schätzung zufolge 17 Millionen vor dem •
Dreißigjährigen Krieg
(1618-1648). (vgl.
Schmidt 2009,
S.23)
Das
nachfolgende
•
Einfache Liniendiagramm
veranschaulicht angesichts der geschilderten Problematik der
Datengrundlage die Grundzüge der Bevölkerungsentwicklung in dem
anzeigten Zeitraum.

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Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Deutschland ein
Agrarstaat und die
überwiegende Mehrheit der Menschen lebte auf dem Lande. Schätzungen
zufolge waren dies im 18. Jahrhundert bei leicht abnehmender Tendenz ca.
vier Fünftel der Gesamtbevölkerung. (vgl.
Möller 1994,
S.78) Noch 1780 waren
in Deutschland von den 10 Millionen Beschäftigten insgesamt noch mehr
als 3/5 aller Beschäftigten (65%) im Agrarsektor (Primärsektor) tätig.
(vgl. Henning, 1973, S.20)
Die
allgemeine Bevölkerungszunahme in Europa im 18. Jahrhundert fiel auch
auf dem Gebiet des Alten Reichs (»Heiliges Römisches Reich) mit seinen
zahlreichen Territorien und mannigfaltigen Herrschaftsstrukturen
unterschiedlich aus, wobei die Schätzungen noch durch erschwert werden,
dass sich die Grenzen einzelner Territorien immer wieder verschoben
haben. So lassen sich mit aller Vorsicht nur Näherungswerte für
bestimmte Regionen betrachten, ohne dass die Ergebnisse ohne Weiteres
auf das Ganze übertragen werden können.
In Pommern stieg die Bevölkerung
zwischen 1700 und 1800 um 138 Prozent, in Schlesien um 100 Prozent und
in Württemberg um 94 Prozent.
Untersucht man die Entwicklung
in Preußen,
dann fällt die Antwort darauf, wie groß die Bevölkerungszunahme
ausgefallen ist und welche Ursachen sie hatte, kompliziert aus, denn
hier spielten territoriale Erweiterungen und Wanderungsgewinne, die sich
aus der »merkantilistischen Förderung der Einwanderung durch den "Großen
Kurfürsten" »Friedrich
Wilhelm (1620-1688) und »Friedrichs
II. (1712-1786), des Großen, ergaben, eine besonders wichtige Rolle.
Der Große Kurfürst, der sich zum
»calvinistischen Glauben bekannte und eine eine
»tolerante Religionspolitik praktizierte, sorgte mit seiner Aufnahme
von etwa 20.000 in Frankreich nach dem Blutbad der »Bartholomäusnacht
(23./24.8.1572) verfolgter »Hugenotten
für einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung
Brandenburg-Preußens. Dabei steht diese Maßnahme, das gilt es gerade
heute zu betonen, dafür, "wie wenig Bedeutung der volksmäßigen Einheit
eines Staates im 17. und 18. Jahrhundert beigemessen wurde" (Möller 1994,
S.80). Erst die zweite Phase der "nationalstaatlich eingehegten Moderne"
(Schmidt 2009,
S.14, S.395) im 19. Jahrhundert erklärte "den homogenisierenden Nationalstaat
nach preußischem Vorbild" (ebd.,S.395)
zu ihrem Ziel. Jedenfalls wanderten zwischen 1685 und dem
Beginn des 19. Jahrhunderts fast 350.000 Personen aus anderen deutschen
Territorien oder dem Ausland in Preußen ein (vgl.
Möller 1994,
S.80), die auf unterschiedliche Weise als bäuerliche Kolonisten,
Handwerker und Gelehrte zu einer Verbesserung der Ernährungslage und zum
allgemeinen Wohlstand des Landes beigetragen haben.
Dass trotz zahlreicher Kriege und Seuchen, die immer wieder Zehntausende
hinrafften, diese massiven Bevölkerungsverluste immer wieder
ausgeglichen werden konnten, es aber zu keiner regelrechten
Bevölkerungsexplosion kam, hatte verschiedene
strukturelle Gründe. Die
Bevölkerungsexplosion fand in Deutschland erst
im 19. Jahrhundert statt, in
dem sich die deutsche Bevölkerung in den 80 Jahren zwischen 1800 und
1880 verdoppelte, während dies zuvor ca. 300 Jahre von etwa 1500 bis
1800 dauerte. (vgl.
Schilling 1994a,
S.480)
Der
Anteil alter Menschen über 55 Jahre betrug im 16. bis 18.
Jahrhundert Schätzungen zufolge 5-10% der Gesamtbevölkerung (vgl.
Schorn-Schütte
2009, S.263). Noch im 17. Jahrhundert hatte ein
neugeborenes Kind,
vor allem wegen der immens hohen »Kindersterblichkeit, gerade mal die
(statistische) Aussicht auf 30 Lebensjahre, wenn nicht Kriege,
Missernten, Naturkatastrophen und Seuchen seinem Leben schon vorher ein
Ende setzten. (vgl.
Bolte/Kappe/Schmid 1980,
S.45ff.)
Nach zwanzig Jahren, wenn die Kinder erwachsen wurden, waren
jedenfalls im besten Fall noch die Hälfte eines Jahrgangs am Leben.
Immerhin: Wer erwachsen wurde, hatte, wenn er nicht als Mann im Krieg
vorher umkam oder als Frau dem Kindbettfieber erlag, eine
Lebenserwartung von 60 Jahren oder sogar mehr. (vgl.
Demel 2005,
S.82, vgl. Schmidt 2009, S.26)
Ein anderes Bild ergibt
sich, wenn man die
Lebenserwartung
eines Menschen von Geburt an zugrunde legt. Im diesem Fall lag die
Lebenserwartung, Schätzungen zufolge bei Geburt in Europa um die
Mitte des 18. Jahrhunderts herum bei etwa 34,3 Jahren, wobei es aber
erhebliche regionale Unterschiede gab. Der Unterschied der beiden Werte
ergibt sich vor allem durch die außerordentlich hohe Säuglings- und
Kindersterblichkeit in der Frühen Neuzeit.

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