Mitten hinein in die Zeit
der
•
Literaturepoche
der • Aufklärung
(1720-1785) fallen die militärischen
Auseinandersetzungen während des »Siebenjährigen.
Krieg (1756-1763), der mit seinen Folgen zu den wichtigen gesellschaftlichen, politischen und
kulturellen Rahmenbedingungen der Epoche gehört.
Dieser quälend lange Krieg hat wie
alle Kriege viele Gesichter. Sieht man darauf, wofür die Mächtigen der
Zeit hunderttausende von Soldaten auf die Schlachtfelder überall in der
Welt schickten, dann war es ihnen einzig und allein um die Macht
gegangen.
Das »hohenzollerische
»Preußen
hatte mit dem »habsburgischen Österreich, Russland, Schweden und den Reichsfürsten
um
»Schlesien
gekämpft. Die Engländer und Franzosen hatten ihre Soldaten, unterstützt
von von Söldnerheeren, die meistens aus zwangsgepressten und von den
deutschen Fürsten an beide Kriegsparteien verkauften Soldaten bestanden,
im Kampf um die Kolonien weltweit und auf allen Meeren aufeinander
gehetzt. Mit den Friedensverträgen von »Paris
und von
Hubertusburg im Februar 1763 war u. a. die Annexion Schlesiens durch
Preußen und damit dessen angestrebte Stellung als Großmacht bestätigt
worden.
Der Siebenjährige Krieg, das war selbst jenen bewusst, die von den
Schauplätzen dieses Krieges bestenfalls vom Hörensagen wussten, war
ein
Weltkrieg.
Das war auch den einfachsten Zeitgenossen klar, wenn sie
erlebten, wie Werbeoffiziere der Kriegsparteien überall durch die Lande
zogen, um die Söldner mit allen Tricks und Versprechungen auf Abenteuer
für ihren Einsatz in der Welt, vor allem in Nordamerika,
zusammenzubekommen. Und so mancher Zeitgenosse konnte auch aus der
Nähe beobachten, wie die von den Fürsten zwangsgepressten und verkauften
Truppen in langen Fußmärschen und dazu oft schlecht ausgerüstet und
versorgt, bis an die Küste durchmarschierten, wo sie dann mit einem,
ihnen jedenfalls gänzlich unbekannten Ziel eingeschifft wurden. Und wer
von dort wieder zurückkam, war häufig gezeichnet und ein Invalide. Er
hatte seinen Leib und sein Leben für eine Sache eingesetzt, in der es "um viel mehr als um eine deutsche Provinz" und das
"Mächtegleichgewicht in Europa" gegangen war. In engster
machtpolitischer Verflechtung mit diesen Problemen war auch mit seiner
freiwilligen oder unfreiwilligen Hilfe, "in der Neuen Welt zwischen
Englang und Frankreich um Kolonialbesitz in Amerika und in der Karibik,
um die Beherrschung der transatlantischen Seewege, um Stützpunkte in
Afrika sowie um lukrative Handelsvorteile in Asien, vornehmlich in
Indien, gewürfelt" worden. (Schilling
1994a, S.452)

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Die Folgen dieses Gemetzels, in dem allein Preußen auf den
Schlachtfeldern dieses ersten Weltkrieges 180.000 Mann verloren
hat, waren katastrophal.
Blühende deutsche Städte wie das für seine
"urban-barocke Heiterkeit" (ebd.,S.465)
weithin bekannte Dresden, das von den Preußen mit ihren Kanonen acht
Tage lang beschossen und zerstört wurde, oder Berlin, das von der
Gegenseite geplündert und zerstört wurde, sind nur zwei prominente
Beispiele für das, was die Kriegsparteien auf deutschem Boden, vor allem
die Preußen und die österreichischen Habsburger, angerichtet haben.
Wie immer
in solchen Fällen war es die Zivilbevölkerung, die unter den Kriegsereignissen
und ihren Folgen
am meisten zu leiden hatte. Allein in Brandenburg-Preußen haben unter »Friedrich
II., dem Großen (1712-1786) in der machtpolitischen
Auseinandersetzung zwischen den preußischen Hohenzollern und den
österreichischen Habsburgern, die am Ende nur den Status quo ante in
Deutschland bestätigte, eine halbe Million Menschen ihr Leben gelassen.
Aber auch die Jahre danach waren für die Bevölkerung keine glücklichen
Jahre. Wer in Brandenburg-Preußen lebte, "das am schwersten unter dem
Krieg gelitten hatte", lernte Elend, Not und Verzweiflung kennen. (ebd.,S.476)
Die Preise für alles explodierten, Ernten fielen immer schlechter aus
und verschärften die Versorgungslage und die "Alte Welt wurde zum
letzten Mal von einer Krise alten Typs erschüttert: allenthalben in
Europa kam es zu Hungerrevolten – Vorboten der zwei Jahrzehnte später in
Frankreich ausbrechenden Revolution." (ebd.,
S.476f.)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
11.08.2025