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Wenn der •
Video-Trailer zu
Theateraufführungen • filmanalytisch dekonstruiert ist,
geht es darum, die komplexen
intertextuellen Bezüge
zwischen der Inszenierung, ihrer Darstellung als Trailer und dem
•
dramatischen Text herauszuarbeiten.
Dabei werden die Ergebnisse der Filmanalyse mit der Analyse des Dramentexts verbunden, um damit
zu verdeutlichen, welche Intentionen
hinter der Auswahl bestimmter Einstellungen zu bestimmten
Auftritten, Szenen oder Szenenausschnitten stehen und welche
Funktion diese Auswahl besitzt. Zugleich soll dabei geklärt
werden, welche
Funktion die konkrete Montage bestimmter •
Einstellungen
besitzt und wie sich auf Gesamtdramaturgie des Trailers
auswirkt.
Wie die Analyse der Dramaturgie und Funktion des Trailers im
Einzelnen ausfällt, hängt von der didaktischen Funktion ab, die
die Analyse eines Video-Trailers zu einer Theateraufführung im
Rahmen des •
Literaturunterrichts spielt.
So kann die Arbeit mit Trailern erst nach der Lektüre des
Gesamttexts erfolgen, aber genau so gut während einer
sukzessiven Lektüre schon bei der Behandlung einzelner Akte,
Szenen oder Szenensequenzen. Selbst eine der Lektüre insgesamt
vorgeschaltete Arbeit mit Trailern ist denkbar, die
Erwartungshaltungen beeinflusst und die Rezeption auch bei der
nachfolgenden Lektüre auf den
•
Partiturcharakter eines dramatischen Textes hinlenkt.
Grundsätzlich ist im Unterricht anzustreben, dass die Schülerinnen und
Schüler eigenständig einen Katalog von Fragen entwickeln, mit denen der
jeweilige Video-Trailer auf seinen Bezug zum Dramentext hin analysiert
werden kann. Die Erarbeitung eines solchen Fragenkatalogs kann dabei im
Plenum oder aber auch im Team erfolgen.
So könnte sich z. B. ein Fragenkatalog wie der folgende ergeben:
-
Welche
spontanen Eindrücke haben Sie nach der erstmaligen Rezeption
des Trailers gewonnen? Was ist Ihnen besonders aufgefallen?
-
Was stimmt mit
den Vorstellungen über das Drama überein, die Sie beim Lesen
gewonnen haben, was eher nicht?
-
Lässt sich aus
den Einstellungen des Trailers eine mehr oder weniger
zusammenhängende Geschichte konstruieren, die Aufschluss
über die Dramenhandlung gibt? Besteht der Trailer eher aus
einer vergleichsweise willkürlich erscheinenden Montage von
Einstellungen?
-
Können Sie
bestimmte Einstellungen oder Sequenzen des Trailers Akten,
Auftritten/Szenen oder Szenenausschnitten aus dem Dramentext
zuordnen?
-
Welche
Intention steht vermutlich dahinter, dass gerade diese
Textstellen als Einstellungen für den Trailer ausgewählt
worden sind? Was zeichnet sie im Rahmen der Trailersequenz
aus, um zur informierenden und werbenden Funktion des
Videoclips beizutragen?
-
Welche
Informationen gibt der Trailer über die Konzeption bzw. das
Regiekonzept der Inszenierung? (z. B. Bühnenbild, Kostüme,
Requisiten, Musik, zeitliche Situierung der Dramenhandlung).
Welchen Codes lassen sich diese Informationen zuordnen?
Welche Codes
werden z. B. zur Charakterisierung der Figuren eingesetzt (z. B.
Aussehen, Kostüm, Gestalt, Maske (z. B. Schminke), Alter,
Sprache)?
-
Welche
Veränderungen gegenüber dem Dramentext feststellen? Was
unterscheidet sich von hren eigenen Vorstellungen, die
sie sich über eine mögliche Inszenierung gemacht haben?
-
An welches
Zielpublikum richtet sich Ihrer Ansicht nach der Trailer?
Wie könnte ein Trailer aussehen, der an ein anderes,
spezielles Zielpublikum gerichtet ist?
-
Erfüllt der
Trailer Ihrer Ansicht nach seine Funktion auf allen Ebenen?
-
...
Eine besondere
Aufgabe, die sich sowohl im
produktorientierten Schreiben (Jeder schreibt für sich allein)
oder auch im (teilweise) kooperativen,
prozessorientierten Schreiben bewältigt werden kann, besteht
im Vergleich von Video-Trailern zu unterschiedlichen
Aufführungen eines Dramas auf verschiedenen Theaterbühnen. Hier
kann man auf der Videoplattform YouTube oft über eine
vergleichsweise große Auswahl verfügen. Für den •
Literaturunterricht
können Sie »zu Playlists zusammengestellt werden.
Die vergleichende
Analyse kann, je nach didaktischen Zielen die damit verfolgt
werden, methodisch unterschiedlich durchgeführt werden.
So kann z. B. auf
der Grundlage einer bestimmten Playlist oder Zusammenstellung
von Trailern ein einfaches Bewertungssystem zugrunde legen, bei
dem die Schülerinnen und Schüler in einer Rangliste zum Ausdruck
bringen können, welche der Videoclips zu einer Inszenierung
ihnen am besten gefallen haben. In der
Anschlusskommunikation darüber können Sie sich dann über
ihrer Entscheidungen miteinander austauschen.
Für eine
vergleichende Analyse von Video-Trailern sollte, soweit möglich,
die Vergleichsgruppenbildung von den Schülerinnen und Schülern
eigenverantwortlich durchgeführt werden. Dazu können sie, wenn
eine größere Anzahl von Videoclips zur Auswahl stehen, diese
zunächst einmal sichten und dann ihre eigene Auswahl treffen. Zu
empfehlen ist, dass sich der eigentliche Vergleichskorpus auf
nicht mehr als drei verschiedene Trailer beschränkt.
Ausgangspunkt
eines solchen Vergleichs sollte die detaillierte Analyse eines
der ausgewählten Video-Trailers auf seine •
filmästhetische Gestaltung,
Funktion und Wirkung sein, um einen kriterienorientierten
Vergleich zwischen den Vergleichsvideos zu ermöglichen.
Fragen, die bei
einem Vergleich berücksichtigt werden könnten, sind z. B. in
allgemeiner Form
-
Wodurch
unterscheiden sich die Trailer und was ist ihnen gemeinsam? Welchen Bezug
haben sie jeweils zum Dramentext?
-
Welcher der Video-Trailer kann ihrer Ansicht nach Informationen
über das Stück besser vermitteln?
-
Welcher der
Video-Trailer erfüllt seine appellative und
dokumentarische Funktion besser?
-
...
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
06.06.2025
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