Textproduktives Arbeiten im Literaturunterricht hat eine •
seine eigene Geschichte und lange Tradition,
die bis in die Antike zurückreicht. Nach einer Phase der Zurückdrängung
im 19. Jahrhundert gewann es im 20. Jahrhundert durch Reformpädagogik,
kommunikative und subjektive Wende sowie rezeptionsästhetische Ansätze
erneut an Bedeutung. Zentrale Idee ist, dass Textverstehen als aktiver,
produktiver Prozess verstanden wird, bei dem Schülerinnen und Schüler
Sinn durch eigenes Schreiben, Spielen oder Gestalten konstruieren.
Prägend für den handlungs- und produktionsorientierten
Literaturunterricht waren u. a. Robert Ulshöfer, Gerhard Haas und Günter
Waldmann, die produktive Verfahren als ganzheitliche, schülerorientierte
Zugänge zur Literatur etablierten und systematisierten.
Der produktionsästhetische Umgang mit Literatur ist ein zentrales •
Rahmenkonzept des Literaturunterrichts und
wird kompetenztheoretisch der literarästhetischen Produktionskompetenz
zugeordnet. Produktive Textarbeit kann schreibdidaktisch,
texthermeneutisch oder kulturwissenschaftlich begründet werden. Als
schreibdidaktisches Konzept grenzt sie sich vom freien kreativen
Schreiben ab und versteht literarisches Schreiben als textbezogene,
angeleitete Gestaltungsform, die fest in den Literaturunterricht und die
Bildungsstandards (bis hin zum Abitur) integriert ist. Texthermeneutisch
dient produktive Textarbeit der aktiven Sinnkonstruktion in
verschiedenen Phasen des Textverstehens, etwa im Modell der produktiven
Hermeneutik nach Waldmann. Kulturwissenschaftlich zielt sie darauf,
schulischen Literaturunterricht an alltäglichen kulturellen Praktiken
des Umgangs mit Literatur auszurichten, um Schülerinnen und Schülern
eine breite Teilhabe am Handlungsfeld Literatur zu ermöglichen.
Produktive Textarbeit ist ein zentrales Element des handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterrichts. Sie fordert Schülerinnen
und Schüler zu kreativem, individuellem Arbeiten •
in literarischen und poetischen Formen auf,
fördert Vorstellungskraft, Textverständnis und die Auseinandersetzung
mit formalen Aspekten literarischer Texte. Zu den produktiven Verfahren
zählen textliche, szenische, akustische, visuelle und multimediale
Gestaltungen. Ihre Systematisierung kann – etwa nach Waldmann – auf
einer produktiven Hermeneutik beruhen, die produktive Aufgaben an den
Phasen des literarischen Textverstehens ausrichtet.