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Surfbrett
Kreatives Schreiben
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Themabereich: Lesen »
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Lese- und Rezeptionsstrategien
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Lesen und Textverstehen
(CI-Modell)
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Hermeneutischer Zirkel
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Grundpositionen
der Texthermeneutik
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Kognitionspsychologie
und hermeneutischer Zirkel
▪ Gestaltend
interpretieren
▪ Überblick
▪ Aspekte der
Schreibaufgabe
▪
Literarische Texte gestaltend
erschließen
▪
Textbegleitendes Interpretieren in der Schule: Mit dem Text
interagieren
Der Begriff der ▪ produktiven Textarbeit
oder auch des produktiven Umgangs mit Literatur ist eine zentrale
Kategorie des ▪
handlungsorientierten Literaturunterrichts, er wird aber hier auch
in einem größeren Zusammenhang benutzt, um damit Verfahren und Konzepte
eines produktionsästhetischen Umgangs mit Literatur in der Schule zu
bezeichnen.
Kompetenztheoretisch zählt der •
produktive
Literaturumgang zur ▪
literarästhetischen
Produktionskompetenz, bei der es allgemein darum geht, Literatur
(interpretierend, sprechgestaltend) vorlesen, vortragen oder
"erzählen" zu können, literarisch zu schreiben oder Literatur
szenisch darzustellen. Gefragt sind dabei ▪
kreative Schreibprozesse, die oft auf der Basis eines ▪
kreativen Lesemodus
vorgegebener literarischer Texte umgesetzt werden.
Dabei kann der Begriff der produktiven Textarbeit stärker im Kontext der
▪
Schreibdidaktik oder im Kontext des
Textverstehens
bzw. der ▪
Texthermeneutik
oder ▪
kognitionspsychologisch erklärten ▪
Sinnkonstruktion
verortet werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die
produktive Textarbeit im •
Handlungsfeld Literatur mit der allgemeinen,
lebendigen kulturellen Praxis, die immer wieder neue
Umgangsformen von Literatur hervorbringt, zu verbinden und von dieser
ausgehend ▪
Inszenierungsmuster von Literatur im Unterricht (in Einzelstunden,
im Stundensequenzen oder im projektorientierten Unterricht) zu
entwickeln. (vgl.
Kepser/Abrahahm 42016, S.226ff.)
Produktive Textarbeit als
schreibdidaktisches Konzept
Der schreibdidaktisch fundierte Begriff der produktiven
Textarbeit steht im Umfeld des allgemeiner
gehaltenen Begriffs des "Kreativen Schreibens".
Dieses hat als weiter reichendes und, zumindest in Teilen, neuartiges
Schreibkonzept im Anschluss an die außerschulische Schreibbewegung in den USA (= creative
writing) auch in den Deutsch- bzw. Literaturunterricht an deutschen Schulen
Eingang gefunden. Allerdings stellt die produktive Textarbeit
in der Schule keine schlichte literaturdidaktische Adaption des
amerikanischen "creative writing" dar.
Kreatives Schreiben in der Schule
ist in diesem Sinne auch kein freies Schreiben, sondern arrangiert die
Zugänge zum Schreiben und lässt die subjektiven Prozesse damit nicht völlig
ungesteuert laufen. (vgl.
Spinner 2001,
S. 108, vgl. Fix
2006/2008, S.116) Der Bezugsrahmen der produktiven Textarbeit ist im
Vergleich
zum kreativen Schreiben also im Rahmen der •
literarischen Schreibdidaktik deutlich enger gezogen.
Paefgen
(2006, S.105) zieht Begriffen, die bei solchen Schreibaufgaben mit
dem begrifflichen Konzept der "Produktion" verbunden sind (produktive
Textarbeit, produktive Verfahren u. ä.) den Begriff des
literarischen Schreibens vor. Ihrer Auffassung nach kennzeichne
dieser Begriff präziser, "dass es in diesen didaktischen Konzeptionen um eine
Anpassung der literaturunterrichtlichen Schreibdidaktik an den
eigentlichen Gegenstand dieses Unterrichts geht: Die literarischen
Schreibversuche der Schüler werden als integraler Bestandteil des
Literaturunterrichts und des literarischen Lernprozesses angesehen." (ebd.,
S.105)
Literarisches Schreiben umfasst dabei im engeren Sinne solche Schreibhandlungen, die im Anschluss an die Lektüre oder die Analyse von
literarischen Texten durchgeführt werden; Begriff der "literarischen
Schreibdidaktik" (vgl.
Paefgen 2006,
S.105ff.) (vgl. poetisches
Schreiben, literarästhetische
Produktionskompetenz,
literarische Schreibdidaktik,
produktive Textarbeit)
Beim literarischen Schreiben geht es um ein ▪
textbezogenes,
produktiv-kreatives gestaltendes Schreiben ausgehend von Texten.
Dabei sollen weder literarische Qualitäten des Produkts (▪
Kreatives
Schreiben als Stilaneignung), jedenfalls nicht allein oder überwiegend,
im Mittelpunkt stehen. Ebenso spielen dabei das ▪
freie
Spiel oder gar
therapeutische Gesichtspunkte, wie sie z. B. auch bei dem Konzept der ▪
szenischen Interpretation von Bedeutung sind, eine Rolle.
Im Konzept des gestaltenden Schreibens
sehen die
▪
KMK-Bildungsstandards für das Deutschabitur (BISTA-AHR-D
2012) im ▪
Kompetenzbereich
▪
Sich mit Texten und
Medien auseinandersetzen neben dem informierenden und
erklärenden und argumentierenden Schreiben eine wichtige Säule.
Das kreative Gestalten
eigener Ideen, Fragestellungen und Ergebnissen von Textanalysen und
-interpretationen wird dabei als eine prozessbezogene Kategorie für den Umgang mit
literarischen und pragmatischen Texten, die in Form einer
Könnensbeschreibung festgehalten. Sie fordert, dass die Schülerinnen und Schüler
-
"nach literarischen oder nicht-literarischen Vorlagen Texte neu, um-
oder weiterschreiben" können, "die Korrespondenz von Vorlage und
eigenem Text beachten und dabei ein ästhetisches Ausdrucksvermögen
entfalten" können
-
"ästhetische, epistemische, reflexive Textformen wie
Essay,
Tagebuch,
Gedicht,
Brief zur
Selbstreflexion, Wissensbildung und Entfaltung des ästhetischen
Ausdrucksvermögens in literarischen oder pragmatischen
Zusammenhängen verwenden" können
-
"Texte für unterschiedliche Medien gestaltend schreiben" können
In diesem Sinne
sind kreatives Schreiben und die produktive Textarbeit auch Teil der
schriftlichen Abiturprüfung im Fach Deutsch geworden und werden rin diesem
Kontext als "Gestaltendes
Erschließen" oder, wenn es das ▪
Erschließungsverfahren auf literarische Texte
bezieht, als ▪"Gestaltende
Interpretation" bezeichnet.
Die positiven Effekte der Handlungsorientierung kann indessen
nicht als alleinige Grundlage für den Einsatz produktiver Techniken
im Literaturunterricht sein. Neben allgemeinen pädagogischen und
psychologischen Überlegungen wie sie z. B. beim szenischen
Interpretieren ins Spiel kommen und didaktisch mitzureflektieren
sind, geht es vor allem darum, den Wert produktiver Verfahren auf
unterschiedlichen Stufen bzw. unterschiedlichen "Phasen" des
Textverstehens (▪
hermeneutische Dimension und ▪
hermeneutischer Zirkel) und der ▪
Sinnkonstruktion
im Zuge eines Leseprozesses herauszuarbeiten und von ihnen aus
didaktisch zu legitimieren.
Waldmann (32000, S.62), eine weitaus umfangreichere
Auflistung ▪ produktiver Verfahren des
Literaturumgangs zusammengestellt hat, orientiert sich in
der seiner Zusammenstellung zugrunde gelegten Systematik an seinem
▪
didaktischen Phasenmodell literarischen Textverstehens, die er
als ▪
produktive Hermeneutik
versteht. Sein Phasenmodell, das wie eigentlich alle anderen ihrer
Art, "Planung und Organisation im Literaturunterricht erleichtern
sollen" (vgl,
Kepser/Abrahahm 42016, S.230), ist im Kern also ein
didaktisches Handlungsmuster, das nicht starr anzuwenden ist.
Die Waldmanns
produktive Hermeneutik will dabei sowohl der spezifischen Qualität
literarischer Texte (Differenzialiät bzw. Verschiedenheit literarischer
Texte von Alltagstexten, Intertextualität, Ambiguität,
Polyfunktionalität) ebenso gerecht werden (vgl.
ebd., S236, vgl.
Waldmann 32000, S.3-7) als auch zu einer größeren
Eigenaktivität von Schülerinnen und Schülern im Umgang mit Literatur
beitragen.
Als
Mikromodelle sind solche
Phasenmodelle, wie sie in vier Phasen aufgebaut auch von
Kreft (21982, S.379) oder
Fritzsche (1994, S.215-.227) gewöhnlich für Einzelstunden
oder Kurz-Sequenzen konzipiert und "(gehen) von Lern- oder
Verstehensprozessen im Umgang mit literarischen Texten aus, um
daraus Rezeptionshandlungen abzuleiten" (Kepser/Abrahahm
42016, S.238).
Ausgehend von
einem Verständnis der "Literaturdidaktik als eingreifende
Kulturwissenschaft" (ebd.,
S.11-19) sollen die Ziele des Literaturunterrichts in der Schule
im ▪
Handlungsfeld Literatur den kulturellen Praktiken
entsprechen,
die in der Gesellschaft im Umgang mit Literatur bestehen. Sie
zielen damit darauf im Rahmen von Enkulturations-,
Individuations- und Sozialisationsprozessen, "allen Schülern und
Schülerinnen in möglichst weitreichendem Maße eine Teilhabe am
Handlungsfeld Literatur zu ermöglichen" (ebd.,
S.26)
Dementsprechend
geht es im Literaturunterricht "letztlich auch immer um die
kulturelle Praxis Literatur [...] nicht um eine - viel engere,
wissenschaftlichere, stärker spezialisierte – philologische
Praxis der Textwahrnehmung, -erklärung und - auslegung." (ebd.,
S.228) Was sich wie ein Schlag ins Kontor texthermeneutisch oder
schreibdidaktisch begründeter Konzepte des handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterrichts und die Aufstellung
von Katalogen dafür geeigneter Verfahren liest, zielt im Kern
freilich auf etwas anderes.
Gefordert ist
nämlich vor allem, der Vielzahl von Mustern, in denen sich der
Umgang mit Literatur im Alltag als kulturelle Praxis
manifestiert, auch im schulischen Literaturunterricht Raum zu
geben, damit dieser seine Hauptziel, die "Teilhabe am
Handlungsfeld Literatur zu ermöglichen", auch verfolgen und
erreichen kann. Zu der sich immer weiter entwickelnden Vielfalt
von Umgangsformen mit Literatur gehören dabei auch alltägliche
Inszenierungsmuster von Literatur wie in einer fesselnden
Lektüre zu schmökern, Texte zu illustrieren, Neuerscheinungen
vorzustellen oder ein Werk in ein anderer Medium (Video, Podcast
etc.) zu transponieren bis hin zum »Poetry
Slam (ebd.).
Diese kulturellen Praktiken stehen dabei dem herkömmlichen
textanalytischen Vorgehen in nichts nach und lassen sich in
unterrichtliche Lehr- und Lernprozesse, als Inszenierungsmuster
für Einzelstunden, Stundensequenzen oder den projektorientierten
Unterricht "übersetzen" und nutzen, ohne sie systematisch in
Katalogen von Verfahrensweisen zum produktiven Umgang von
Literatur zu fassen, von denen oft doch nur schematisch Gebrauch
gemacht wird.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
26.01.2026
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