teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

 

Hauptthema eines literarischen Textes erfassen

Literaturwissenschaftliche Themenforschung

Themen in diachroner und synchroner Perspektive

 
ARBEITSTECHNIKEN
Center-Map Glossar Arbeit mit Texten Arbeitsaufträge Operatoren Texte erfassen Überblick LesenAnnotieren ExzerpierenKonspektieren Reduktionstechnik Bearbeitungsstrategien von Texten Inhalt eines Textes erfassen  ●Thema eines Textes erfassen und eingrenzenÜberblick Themenuniversum: Haupt-, Neben- und Randthemen Themenring-Modell: Vom Inhalt zum abstrakteren Thema Hauptthema pragmatischer Texte (Sachtexte) [ Hauptthema eines literarischen Textes erfassen Überblick Literaturwissenschaftliche Themenforschung] Bausteine Gedankengang eine Textes erfassenVisualisierung von Texten in Form von Strukturbildern Texte verstehen Texte verfassen - Schreiben ▪  Zitieren Umgang mit dem Lexikon Lesekompetenz Schreibkompetenz

Das Basislevel in einer Begriffshierarchie

Thema - ein schwieriger Begriff in der Literaturwissenschaft

Mit dem Thema bzw. der Thematik ist das so eine Sache: Egal, ob es sich um Sachtexte ( auch: pragmatische Texte, Gebrauchstexte, nicht-fiktionale Texte) oder literarische Texte (auch: fiktionale Texte) handelt, niemals ist das Thema eine objektive Textgröße. Ebenso wenig besitzt es eine bestimmte Gestalt. (vgl. Brinker 1985/2001, S. 55; vgl. Lahn/Meister 2013, S.206)

Weil das Thema keine objektiv feststellbare Gegebenheit eines Textes darstellt, kann man es im Allgemeinen auch nicht ohne Weiteres "im" Text finden. Was ein Rezipient für das Thema eines Textes hält, ist nämlich sehr subjektiv und hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Dazu zählen u. a. Horizont, Wissen, Bedürfnisse, Wertvorstellungen und  Leseerfahrungen. (vgl. Lahn/Meister 2013, S.206)

Ein Rezipient oder eine Rezipientin kann bei der Lektüre den Text in einen übergreifenden thematischen Zusammenhang stellen oder nicht. Tut er/sie es, "beginnt es zu wirken. Denn Sehen, Wahrnehmen und auch Lesen sind aktive und konstruktive Vorgänge, in denen das aufnehmende Bewusstsein das Aufgenommene (nach vertrauten Mustern, Vorbildern, Schemata) strukturiert" (Lahn/Meister 2013, S.206) und ihnen auf deren Grundlage Bedeutung zuschreibt. Insofern kann also jede/r für sich allein, an bestimmte Textelemente anknüpfen, die gewonnenen Erkenntnisse verallgemeinern und in abstrahierter Form in einen übergreifenden (thematischen) Zusammenhang bringen.

Beispielhaft sind dafür die unterschiedlichen ▪ Themenzuschreibungen, die Schülerinnen und Schüler bei der Analyse und Interpretation der Kurzgeschichte »Nachts schlafen die Ratten doch« von Wolfgang Borchert vorgenommen haben.

▪ Das Thema der Geschichte formulieren (Schülerbeispiel)

Wie immer dies geschieht, es ist ein individueller mentaler Vorgang, dessen Ergebnisse nicht richtig oder falsch, sondern bestenfalls im Sinne intersubjektiver Gültigkeit plausibel sein können. Um ein Thema in Bezug auf einen bestimmten Text anderen plausibel machen zu können (Intersubjektivität), kann man sich dabei dennoch gewisser Hilfsmittel und Verfahren bedienen. Solche Verfahren und Hilfsmittel sind z. B. die (textlinguistisch fundierte) Themenanalyse, die Analyse der thematischen Rahmung oder auch das Themenringe-Modell. Geht man nur nach dem eigenen Gefühl und Gutdünken vor, "besteht die Gefahr, dass Leser lediglich ihre privaten, subjektiven Vorstellungen auf den Text projizieren." (ebd., S. 207)

Daher gibt es auch keinen bis ins Detail gehenden "Königsweg", auf dem man zielgenau auf das einzig richtig formulierte Thema eines Textes zusteuern könnte. Was der Leser / die Leserin einem Text thematisch zuschreibt - meistens sind dies sogar mehrere Themen -, geschieht im Rahmen seines vorwärtsschreitenden Rezeptionsprozesses, der ihn von seinem Vorverständnis zu seinem Gesamtverständnis des Textes führen kann. Dies ist ein konstruktiver und interpretativer Vorgang, der auch Vermutungen darüber beinhaltet, worauf der Text hinaus will (Textintentionen).

Damit die Themenzuschreibung insbesondere im Zusammenhang mit Formen der Textwiedergabe den Anspruch einer möglichst "objektiven" Wiedergabe erfüllen kann, sollte das, was man selbst für plausibel hält, zumindest mit auf den Text bezogenen Aussagen, insofern nachweisbaren Textindizien, und/oder dem historischen Kontext begründet werden können. Dabei können einem die nachfolgenden Plausibilitätsstrategien helfen. Was sie ermöglichen sollen, kann dabei nicht mehr als "eine sinnvolle Diskussion über die Thematik mit rationalen Argumenten" (ebd.

Prinzipien und Verfahren der linguistischen Themenanalyse

Das Textthema stellt nach Brinker 1985/2001 "die größtmögliche Kurzfassung des Textinhalts" dar. (ebd., S. 56, Hervorh. d. Verf.). Um zu ermitteln, was ein Leser für das Hauptthema eines Textes hält, kann man drei Verfahren anwenden:

  1. Man kann untersuchen, ob das Thema eines Textes an einer bestimmten Textstelle, in einem bestimmten Textsegment, mehr oder weniger explizit genannt wird. Dies sind häufig Überschriften, es können aber auch Sätze sein, die an irgendeiner anderen Stelle des Textes stehen.

  2. Zudem kann man seine Aufmerksamkeit darauf zu richten, ob bestimmte Textgegenstände häufiger erwähnt werden. Textlinguistisch kann man das mit dem vergleichsweise aufwändigen Verfahren zur Analyse der grammatischen Wiederaufnahmestrukturen machen, die zeigen, wie ein Text einen oder mehrere Ausdrücke in den nachfolgenden Sätzen als Bezugsausdruck bzw. Bezugsausdrücke wieder aufnimmt, um dadurch für den nötigen Textzusammenhang (Kohärenz) in einem Text zu sorgen. Verkürzt und sehr vereinfacht geht es darum, aus der Häufigkeit, mit der von einer bestimmten Sache oder auch einer Person die Rede ist, auf die thematische Orientierung eines Textes zu schließen, was Aufschlüsse über nachvollziehbare Haupt- und Nebenthemen geben kann.

  3. Ist dies nicht der Fall kann man den Text zusammenfassend und zugleich verkürzend paraphrasieren. Was am Ende als "Kern des Textinhalts" (ebd.) "übrig" bleibt, lässt sich dann als Thema auffassen. Dies kann stufenweise erfolgen, wenn die erste Paraphrase erneut paraphrasiert wird usw.

Über die Rahmenanalyse zum Thema

Ähnlich geht man bei der sogenannten thematischen Rahmenanalyse vor. Anknüpfend an Ausführungen des Soziologen »Erving Goffman (1922-1982) (1977, 1981) zur sogenannten »Rahmenanalyse haben Silke Lahn und Christoph Meister (2013, S. 206.ff.) ein Modell zur Bestimmung des thematischen Rahmens von fiktionalen erzählenden Texten entwickelt. In seinen Grundannahmen kann es aber auch auf andere Textsorten angewendet werden.

Goffman sieht in Rahmen Erfahrungen, die jeder bei der Sozialisation gemacht und in entsprechenden ▪ Schemata gespeichert hat. Im Handeln, Denken und Fühlen greifen wir stets unbewusst auf solche Schemata zurück. Die Bedeutung von Schemata für die Wahrnehmung von Welt und die Repräsentation von Wissen ist also außerordentlich groß.

Dies gilt auch für das Lesen und die Verarbeitung der in einem Text enthaltenen Informationen während der Lektüre. Denn auch dabei organisieren wir die Vielzahl der darin enthaltenen Informationen zu Gesamteinheiten, um ihnen Bedeutung zuordnen zu können. Dingen, denen wir auf diesem Weg keine Bedeutung zuordnen, werden oftmals dabei ausgefiltert. Das erklärt auch zum Teil, warum jede/r sein eigenes Thema aus dem Text "heraus-" und bei seiner weiteren Lektüre wieder mit "hineinliest."

Schemata sind aber nicht in Stein gemeißelt, sie können sich nämlich, wenn man auf ihrer Grundlage agiert, immer wieder verändern, d. h. Schemata können der Umwelt auch angepasst werden. Sie können sich verändern, wenn unser Wissen wächst, können sich immer weiter mit neuen oder verfeinerten Merkmalen ausdifferenzieren, können, was sie umfassen, neu organisieren und Dinge und Strukturen mit anderen Aspekten oder Schemata, z. B. emotionale Schemata, vernetzen, verknüpfen und damit eine noch komplexere Struktur schaffen. Ähnliches ist gemeint, wenn Goffmann (1977, S.376 ,1981) sagt, erst "die Rahmung mache das Handeln für den Menschen sinnvoll." 

Goffman unterscheidet bei seiner Rahmenanalyse zwischen der sogenannten primären Rahmung und ihrer Modulation (von ihm selbst Keying bezeichnet). Keying bezeichnet dabei den Vorgang der Veränderung der primären (Außen-)Rahmung durch andere Momente, ohne dass sich der Kern der primären Rahmung dadurch verändert. Keying "moduliert" also in gewisser Weise die primäre Rahmung.

Zwei Beispiele können verdeutlichen, was damit gemeint ist.

  • Der Streit zwischen einem Paar (primäre Rahmung) kann durch Keying moduliert werden als

    • Streit zwischen einem Ehepaar im privaten Raum der den eigenen vier Wände

    • Streit zwischen einer Frau und einem Mann auf einer Theaterbühne

    • Streit zwischen zwei Kindern im Sandkasten

    • ...
      (vgl. Wikipedia)

    In jedem dieser Beispiele greifen wir auf eine Vorstellung von "Streit" und "Streiten" zurück, die als primäre Rahmung angesehen werden kann, auch wenn dieser nicht wirklich trennscharf genug ist, um Missverständnissen vorzubeugen. Schließlich kann auch in der Realität ein Streit auch nur vorgetäuscht sein. Zudem hat auch schon Goffman (1977, S. 35) eingeräumt, dass wir meistens mehrere Rahmen gleichzeitig verwenden, um Situationen zu deuten.

  • Franz ▪ Kafkas ▪ "Kleine Fabel" kann mit ihrem Titel, der die Gattungsbezeichnung "Fabel" enthält, einem kompetenten Leser, der über das entsprechende ▪ Textsortenwissen zur Fabel verfügt, zunächst einmal nahelegen, den Text als Fabel zu lesen und ihn auf dieser Grundlage primär (thematisch) zu rahmen. Allerdings muss dies keinesfalls so sein.
    Ist dies jedoch der Fall, kann diese primäre Rahmung beim Gewinnen eines vertiefteren Textverständnisses dadurch moduliert werden, dass man das "konkrete Geschehen zugleich explizit als Bild (Allegorie) für menschliche Verhaltensweisen und eine menschliche Situation zu sehen und zu deuten (Modulation)." (Lahn/Meister 2013, S.208) Das, was man gemeinhin mit einer Fabel verbindet, wird dabei so "umgebaut", dass ein zusätzlicher thematischer Rahmen zur Primärrahmung hinzukommt, der einem ermöglicht, das Geschehen abstrahierend auf Grundbedingungen der menschlichen Existenz zu übertragen.
Das Modell der Themenringe
Das Basislevel in einer Begriffshierarchie

Das Modell der Themenringe lehnt sich an das ▪ kognitionspsychologische Modell der ▪ Familienähnlichkeit und die Idee des  sogenannten Basislevels (basic level) in einer Begriffshierarchie ab und zielt auf die Plausiblisierung der Kohärenz der Begriffsbildung bei der Themenbestimmung.

Damit ist gemeint, dass es in einer von oben nach unten, vom Thema im weitesten Sinne bis zum engsten Sinne eine Ebene gibt, bei dem die Kohärenz  des Themas "sprunghaft ansteigt." (Jäkel/Meyer 2013, S.312) Das ist die Ebene bzw. im vorliegenden Themenringe-Modell jener Themenring, bei der der Informationsgehalt über das den Inhalt des Textes "am vorteilhaftesten (ist)" (ebd., S.312). Dass die Feststellung dieses Schwellenwerts keine objektive Größe oder Texteigenschaft sein kann, ist dabei klar. Ob das Thema also optimal bestimmt wird, hängt natürlich von einer ganzen Reihe weiterer, vor allem auch kontextueller Faktoren ab.

Das hier vorgestellte Modell der Themenringe dient zur Verdeutlichung, in welcher Beziehung Inhalt und Thematik eines Textes betrachtet werden können, wenn sie für schulische Schreibformen eine Rolle spielen. Es sind pragmatische und vor allem didaktische Gründe, die es im Kontext der obigen (thematischen) Plausibilitätsstrategien legitimieren kann.

Schülerinnnen und Schüler haben nämlich häufig erhebliche Schwierigkeiten dabei, zwischen dem bei Textwiedergaben immer wieder geforderten Angeben und Formulieren des (erkannten und plausiblen) Themas und dem Kurzinhalt des Textes zu unterscheiden.

Auch wenn sich beides sehr überschneiden kann,  gibt es doch Gründe diese Unterscheidung vorzunehmen.

  • Der Kurzinhalt versteht sich in der Opposition beider Begriffe insofern "die größtmögliche Kurzfassung des Textinhalts" (Brinker 1985/2001, S. 56), wenn es gelingt, den inhaltlichen Kern eines Textes auf der Basis dessen, was dargestellt wird, so knapp zusammenzufassen, dass ein anderer, darin noch in Grundzügen erkennen kann, worum es geht. Der Kurzinhalt ist an inhaltlichen Gegebenheiten des Textes orientiert.

  • Das Thema hingegen stellt den dargestellten Inhalt in einen größeren, textübergreifenden Zusammenhang und gibt an, wie der Verfasser bzw. die Verfasserin den Text thematisch gerahmt hat (primäre Rahmung). Was er als Thema erkannt hat, ist seine Interpretation und zugleich eine Aufforderung, sich dieser primären Rahmung bei der Lektüre des Originaltextes anzuschließen und/oder diese ggf. zu modulieren.
    Wenn das formulierte Thema diese Funktion bei der Textwiedergabe erfüllen soll, muss es plausibel sein und darf weder zu allgemein gehalten sein, noch darf es geradezu identisch sein mit dem Kurzinhalt. Genauer gesagt: Das Thema muss also etwas Allgemeineres über den Text aussagen als der formulierte Kurzinhalt. So gesehen, spricht der Kurzinhalt in knapper Form aus, was der Text zum Thema zu sagen hat.

FAQ: "Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Thema und Inhalt?

Das Themenringe-Modell (s. Abb. oben) soll verdeutlichen, dass die Themen, die in einem Text behandelt werden, eine letztlich nie abgeschlossene Menge von Zuschreibungen darstellt, die mehr oder weniger stark am Inhalt des Textes orientiert sind.

Mit der grafischen Darstellung wird dabei visualisiert, dass das, was jemand für das Thema eines Textes hält, sehr unterschiedlich sein. Dies wird durch die verschiedenen Themenringe 1-4 ausgedrückt, die um den eigentlichen Inhalt des Textes gelagert sind.

  • Bei diesem Modell wird der Bezug zwischen dem Inhalt und dem ihm zugeschriebenen Thema von innen nach außen immer abstrakter, das Thema wird, wenn man so will, dadurch immer allgemeiner formuliert.

  • Am Ende kann es soweit vom Inhalt entfernt sein, dass man beim besten Willen kaum noch einen einigermaßen konkreten Zusammenhang zwischen Thema und Inhalt feststellen kann. Dann sind auf dem Weg der Abstraktion also mehr und mehr inhaltliche Aspekte weggefallen. Je mehr dies der Fall ist, desto geringer könnte dabei die Plausibilität einleuchten. Um sie gegenüber einem möglichen Adressaten wiederzugewinnen, sind in einem solchen Fall oft umfangreiche Erklärungen nötig.

In der deutschen Literaturwissenschaft hat der Begriff Thema einen schweren Stand. Wenn es um Literatur geht, dann werden in seinem Bedeutungsumfeld eher Begriffe wie Stoff oder Motiv, gelegentlich auch Sujet bevorzugt oder, wie im Fall von Motiv auch oft synonym verwendet.

Und: Die Abgrenzung Abgrenzung von weiteren Begriffen wie z. B. "Konzept, Problem, Haupt-. Leit- und Grundgedanke, Idee, Handlung, (Roh-)Stoff, Inhalt, Plot, Fabel, Sujet" (Müller-Kampel 2006, S.403) ist ohnehin schwierig und für den schulischen Literaturunterricht kaum nachzuvollziehen.

Zudem unterscheidet sich der Themabegriff der literaturwissenschaftlichen Themenforschung (Thematologie), die den Blick auf die Bildung von Gruppen von Texten zu bestimmten Themen richtet, erheblich von der didaktisch motivierten Verwendung des Begriffs Thema im Deutschunterricht (Schreib- und Literaturunterricht). Bei dieser geht es es in der Regel um einen Text, dessen Inhalt einem über den Text hinausweisenden, abstrakteren Thema zugeordnet werden soll.

In diesem Kontext entspricht der Begriff eher dem im englischsprachigen Raum üblichen ▪ Hauptthema (main idea)

Thema als gleichartiges Inhaltselement literarischer Texte

Wird der Begriff in der deutschen Literaturwissenschaft verwendet, dann wird er z. B. als "gleichartiges Inhaltselement verschiedenartiger Dichtungen" bezeichnet, das in der behandelten Problematik gleich bleibt und "variabel in der Ausgestaltung von Situationen und Handlungsabläufen wie in der örtlichen, zeitlichen und figuralen Konkretisierung" ist. (Fricke/Zymner 1993, S.148)

In der englischsprachigen Fachdisziplin ist der Themabegriff indessen weiter verbreitet und wird als Hauptthema (main idea) verwendet. Damit wird so etwas wie der Grund- bzw. Leitgedanke eines fiktionalen Textes bezeichnet. Er steht dabei Seite an Seite neben Begriffen wie Handlung, Charakter, Schauplatz oder Stil und zählt zu den Grundelementen der literarischen Fiktion.

Das Thema als Gegenstand der (literaturwissenschaftlichen) Forschung

Die Frage, worum es in einem fiktionalen literarischen Text geht, kann entweder auf den Inhalt oder das Thema des Textes zielen.

Dabei ist das, was die beiden Begriffe bedeuten, gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint.

Oftmals wird der Begriff Thema nämlich auch synonym für Motiv benutzt und die Abgrenzung von anderen Begriffen wie z. B. "Konzept, Problem, Haupt-. Leit- und Grundgedanke, Idee, Handlung, (Roh-)Stoff, Inhalt, Plot, Fabel, Sujet" (Müller-Kampel 2006, S.403) ist ohnehin schwierig und für den schulischen Literaturunterricht kaum nachzuvollziehen.

Und selbst Fachleute, die es wissen sollten, können hier keine eindeutige Auskunft geben. So hat denn auch die Thematologie, die sich "mit der vergleichenden Analyse einer themenbezogenen Textreihe" beschäftigt, deren Textcorpus in einem "(konventionellen) Überlieferungszusammenhang" steht, auf einem "verdichteten intertextuellen Bezugssystem" beruht oder "ein anthroplogisches Grundmuster" bildet (Lubkoll, 2009, S.747 f.) keine verbindlichen Antworten parat, zumal sie sich selbst zwischen zwei Polen bewegt.

  • Als "literaturwissenschaftliche Inhaltsforschung" (Müller-Kampel 2001, S.1) ist ihr Rahmen sehr weit gezogen.

  • Als systematisch vergleichende und problemorientierte "Untersuchung literarischer Stoffe, Motive und Themen im diachronen und synchronen Vergleich" bezieht sie neben Texten der Weltliteratur auch andere mediale Bearbeitungen in ihre Untersuchungen mit ein. (Lubkoll 2009, S.747 f.)

Themen als inhaltliche Muster

Der Themabegriff der Thematologie geht dabei von dem Grundgedanken aus, "dass in der Literatur ebenso wie in den benachbarten Künsten immer wieder bestimmte inhaltliche Muster tradiert werden, 'die als gemeinsame Bestandteile und Anordnungen vieler ähnlicher Ereigniszusammenhänge mental gespeichert bleiben'" (ebd., Anz, 2007, S.130)

Was diese inhaltlichen Muster interessant macht, ist vor allem die Tatsache, dass ihr gemeinsames Thema auch über die Geschichte und Kulturen hinweg bestehen bleibt.

Zugleich geben die jeweiligen Gestaltungen des Themas (in Figuren, Konstellationen, Ereignissen und Handlungsmustern) "Aufschluss über kulturgeschichtliche Rahmenbedingungen, mentalitätshistorische Kontexte, soziologische Zusammenhänge, psychologische Motivationen oder auch ästhetische Ausrichtungen, die einen literarischen Text bzw. andere künstlerische Produktionen in ihren jeweiligen Kontexten kennzeichnen und wirksam werden lassen." (Lubkoll 2009, S.749)

Auf einen einzelnen Text bezogen gibt es kein "richtiges" Thema

Fragt man nach dem Thema eines literarischen Textes dann ist die Antwort gewöhnlich eine einigermaßen abstrakt formulierte Aussage über die allgemeine Bedeutung des ganzen Textes oder einzelner Teile, eventuell auch so etwas wie seine "Sinnmitte" oder seine Grundidee oder auch seinen Gehalt.

Die Antworten auf solche Fragen können bei ein und demselben Text sehr unterschiedlich ausfallen. Das ist in der Alltagskommunikation kaum anders als im Kreis von Fachleuten. Dies gilt insbesondere für literarische Texte.

Wer dazu einmal die unterschiedlichen Interpretationsansätze für die ▪ Parabeln von Franz Kafka in Betracht zieht, kann leicht ermessen, in welcher Bandbreite sich das von Literaturwissenschaftlern jeweils zugeschriebene Thema des Textes einordnen lässt. (vgl. z. B. Allegorische Interpretationsansätze in der Analyse von Ulrich Gaier (1969)

Und: So wie es keine "richtige" Interpretation gibt, gibt es auch kein "richtiges" Thema. Wo es einen prinzipiellen "Pluralismus toleranter Interpretationen" gibt (Gaier (1969), ist auch die "Sinnmitte", die ein Rezipient in einem literarischen Text sieht, "eine Entscheidung, die der Interpret fällt." (Horst Steinmetz 1995, S.475).

Was als Thema eines literarischen Textes angesehen wird, liegt dementsprechend vor allem im Auge des Betrachters. Das bedeutet, dass es von etlichen textinternen und textexternen Faktoren abhängt, was man für das Thema eines solchen Textes hält.

Richtig oder unrichtig, wahr oder falsch gibt es also dabei nicht. Allenfalls kann man von einem plausiblen Thema sprechen und zwar dann, wenn das, was von einem dazu gesagt wird, von anderen nachvollzogen und ggf. sogar geteilt werden kann.

Personale Themen und Situationsthemen

Das können - und hier zeigt sich wiederum die Nähe zu den oben genannten verwandten Begriffen - wie Müller-Kampel (2006, S.405) aufzeigt, neben personalen vor allem "Situationsthemen" bzw. -stoffe sein wie:

Das Basislevel in einer Begriffshierarchie

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 10.03.2021

               
 

 
SCHREIBFORMEN and mehr
Center-Map [ Schulische Schreibformen Brief (Privater Geschäftsbrief) Erzählung Bericht Beschreibung Textzusammenfassung Freie Problem- und Sacherörterung Weitere Typen der freien Problem- und Sacherörterung Essay Textanalyse Textinterpretation Kreatives Schreiben Sonstige schulische Schreibformen ] Journalistische Schreibformen Sonstige Schreibformen
 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz