Im ▪
kompetenzorientierten Unterricht hat das ▪
eigenverantwortliche bzw. selbstregulierte Lernen der
Schülerinnen und Schüler ein besonders großes Gewicht.
Sie sollen als
Lernende in die Lage versetzt werden,
-
ihre eigenen
Lernprozesse aktiv und konstruktiv zu gestalten
-
die eigenen
Lernprozesse zu kontrollieren
-
ihr Lernen an
bestimmten, möglichst klar umrissenen Zielen auszurichten
-
zu verstehen,
dass die Art und Weise wie sie ihr Lernen selbst steuern,
einen ganz wesentlichen Anteil am Lernerfolg hat. (vgl.
Pintrich 2000,
Bastian/Merziger
200, S.7f.)
Kompetenzraster
sind eines der Mittel, die Schülerinnen und Schülern, aber auch
Lehrkräften und Eltern, verdeutlichen sollen,
was auf
welchem Niveau wie gut gelernt werden sollte.
Klingt zunächst
ganz einfach, ist aber in der Praxis eine komplexe Sache, zumal
es über das, was im Raster erfasst wird und auf welchen Stufen
und vor allem auf wie vielen Stufen nur in einem gewissen Umfang
mehr oder weniger verbindliche Aussagen gemacht werden können.
Allgemein
gesagt, sind Kompetenzraster nichts anderes als Tabellen, deren
Inhalte wie bei einer Matrix ausgewertet werden können.
Matritzen (der Plural von Matrix) stellen lineare Abhängigkeiten
von verschiedenen Variablen aus, die im Falle einer
Kompetenzmatrix einen systematischen Überblick darüber geben
können, was erreicht werden soll (Soll-Zustand) und dem was
schon erreicht ist (Ist-Zustand).
Matrizen
drücken lineare Abhängigkeiten von mehreren Variablen aus und
können als lineare Abbildungen interpretiert werden (und
beispielsweise Spiegelungen, Projektionen und Drehungen
beschreiben). Weiters können mit ihrer Hilfe lineare
Gleichungssysteme sehr kompakt angeschrieben und diskutiert
werden.
Die
Kompetenzraster sind also matrixartige Tabellen, bei denen in der Vertikalen aufgeführt
wird, welche Inhalte, Fertigkeiten und/oder Fähigkeiten in
unterrichtlichen Lehr- und Lernprozessen vermittelt werden sollen
("Was?") und in der Horizontalen die sog. Niveau- oder Kompetenzstufen
stufen (Entwicklung des Lernstandes) („Wie gut?”).dargestellt werden. In
der Vertikalen werden dabei fachliche Kriterien, aber auch Kriterien für
das Lern- und Arbeitsverhalten oder für bestimmte komplexe Fähigkeiten
wie sie z. B. bei Präsentationen verlangt werden. Auf der horizontalen
Ebene wird die Entwicklung mit den erwarteten Fähigkeiten auf
verschiedenen Niveaus dargestellt, die beim Kompetenzerwerb
unterschieden werden können. Übergeordnetes Ziel: Selbsteinschätzung,
Selbstkontrolle und zunehmende Selbststeuerung des Lernprozesses durch
die Schülerinnen und Schüler; Darstellung der zu erwerbenden Kompetenzen
aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler; die erwarteten Kompetenzen
sollen den Schülerinnen und Schülern (aber auch den Lehrkräften und
Eltern sichtbar machen, dass
-
der Lernweg und der Lernaufwand dahin dem jeweils angestrebten
Kompetenzniveau entsprechend gestaltet werden kann,
-
ihr Lernfortschritt und Lernerfolg mit bestimmten Kriterien
beschrieben und beurteilt werden kann,
-
ihre Vorstellungen bei der Festlegung der Bewertungskriterien
miteinbezogen werden können
-
sie zunehmend besser lernen, sich, ihre Lernverhalten und ihre
Leistungen mit den entsprechenden Formulierungen selbst
einzuschätzen und zu beurteilen
-
auf diese Weise mehr und mehr Eigenverantwortung beim Lernen
übernehmen
-
das angestrebte Lernziel über individuell unterschiedliche Wege
erreicht werden kann.
Es gibt unterschiedliche Formen von Kompetenzrastern mit einer
unterschiedlichen Anzahl von gewöhnlich 3 bis 6 Kompetenzniveaus.
Kompetenzraster
können dabei zur
▪
Selbsteinschätzung, aber
natürlich auch beim ▪
Geben und Nehmen von
Feedback bei der ▪
Analyse kontinuierlicher Sachtexte
hilfreich sein.
Werden sie zur
Selbsteinschätzung verwendet, empfiehlt es sich, die Felder der
Tabelle mit "Ich-kann“-Formulierungen zu gestalten, um den
persönlichen und selbstreflexiven Bezug zu verstärken und damit
u. U. auch die Motivation zur Selbstbeurteilung zu erhöhen. Noch
wichtiger hingegen ist natürlich, dass die Kategorien und
Kriterien, die das Kompetenzraster enthält, verständlich, klar
und in den graduell abgestuften Niveauschritten erreichbar sind.
Kompetenzraster
stellen kein Bewertungsinstrument für die ▪
prüfend-bewertenden Beurteilung
dar. Diese beruht nämlich gewöhnlich auf weiteren Kriterien im
Rahmen einer ▪ "Gesamtwürdigung
der erbrachten Leistung" (vgl. »BISTA-AHR-D
2012, S.23/26), verlangt aber im Kontext der jeweiligen
Schreibaufgabe auch, dass jede der traditionellen sechs
Notenstufen weiter differenziert wird, damit die
Leistungsbewertung in der Skala von 15 Notenpunkten abgebildet
werden kann.
Die
▪ kompetenzorientierten
Notenpunktzuordnungen (BISTA-AHR 2012) für die ▪
Analyse eines
argumentierenden Sachtextes die für ▪
"gute" (11
Punkte) und ▪
"ausreichende" (5 Punkte) vorgegeben werden, müssen dabei
auf den anderen Notenstufen noch graduell ab- bzw. in der
Struktur "ein"gestuft werden. Trotz dieser prinzipiellen
Einschränkung können sie neben den
▪ allgemeinen Kriterien von besonderer Bedeutung bei
schriftlichen Leistungen Anhaltspunkte und Orientierung bei
der Formulierung eines Kompetenzrasters für die allgemeine
Sachtextanalyse geben.

▪ Feedback nehmen und geben als Schlüssel zum Erfolg
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
30.12.2023