»Teun
A. van Dijk (geb. 1943), dessen mit Walter Kintsch
entwickeltes ▪
kognitionspychologisches Modell des
Textverstehens
(Construction Integration Model) Lesen als einen ▪
sinnkonstruierenden Prozess versteht, der auf den
Interaktionen von Text und Leser beruht, sieht in der Bildung
von ▪
Makropropositionen, die die ▪
Makrostruktur eines Textes ausmachen, einen der notwendigen
Schritte, um die Bedeutung eines Textes als Ganzes zu verstehen.
In seinem
semantischen Makrostrukturkonzept ist das "Thema
eines Textes genau dasselbe", was er sonst die
"Makrostruktur, oder einen Teil von ihr," nennt. (van
Dijk 1980a, S.45)
Sein Ansatz
folgt dabei dem Verstehensprozess des Textrezipienten (aszendentes
textsemantisches Modell) (vgl.
Heinemann/Heinemann 2002, S.78f.), der das Thema mit Hilfe
bestimmter Makroregeln dadurch rekonstruiert, dass er es aus dem
Text ableitet. Im Gegensatz dazu betrachtet Klaus Brinker
im Rahmen seines Modells zur ▪
textthematischen Analyse im Anschluss an »Erhard
Agricola (1921-1995) (1976)
die semantischen Strukturen aus der Sicht des jeweiligen
Textproduzenten (deszendentes
textsemantisches Modell). (vgl.
Heinemann/Heinemann 2002, S.79).
Dabei erfordert
der Prozess des Textverstehens, dass der Text mit bestimmten
Regeln kognitiv verarbeitet, "umgebaut" und auf höheren Ebenen
(den Makrostrukturen) mental repräsentiert wird. In einem
Prozess der
Bottom-up und
Top-Down-Verarbeitungsprozesse gleichermaßen erfordert,
lässt sich dadurch d
as
Thema, das für van Dijk die oberste Makrostruktur eines Textes
darstellt, ableiten.
Allerdings
können die Textrezipienten, abhängig von ihren individuellen
Voraussetzungen wie z. B. ihrem unterschiedliches Weltwissen, zu
durchaus unterschiedlichen Makrostrukturen eines Textes
gelangen. Sie dementsprechend auch zu unterschiedlichen
Zusammenfassungen eines Textes oder bestimmen das Thema eines
Textes auch nicht gleich.
Aus diesem
Grund kann man auch den Primärtext nicht mehr in vollem Umfang
aus Zusammenfassungen rekonstruieren, auch wenn alle das
"das immer aufgrund der allgemeinen und konventionellen Regeln,
der Makroregeln" machen. (van
Dijk 1980a, S.45)
Teun A. van
Dijk gründet sein Konzept auf die semantischen Beziehungen, die
zwischen Propositionen eines Textes bestehen, und entwickelt
daraus sein Konzept der Propositionsstruktur komplexer Texte.
"Dabei geht er
davon aus, dass aus der Integration von zwei Mikro-Propositionen
wie beim Textverstehen eine übergeordnete Makro-Proposition
entsteht, die wiederum die Grundlage für die Verknüpfung mit
anderen Mikro- und Makro-Propositionen bildet, so dass
sukzessive immer größere Texteinheiten zusammengefügt, d.h. zu
größeren Bedeutungseinheiten integriert werden, bis schließlich
die Makrostruktur des Gesamttextes, die Textbedeutung (...)
abgeleitet ist." (Heinemann/Heinemann
2002, S.78f.)
Makrostrukturen
werden als semantische Strukturen einer höheren Ebene aus den
Satzfolgen des Textes (Mikropopositionen) abgeleitet. Sie
"definieren die intuitive Vorstellung der globalen Bedeutung,
des Themas oder Thema eines Textes oder eines Textfragments." (van
Dijk 1979, S.4, übersetzt mit Google Translater)
Die Makroregeln
bestimmen dabei, "was der wichtigste, prominenteste oder
relevanteste Aspekt" (ebd.),eines
Textes darstellt und lassen dazu nicht relevante Informationen
weg (Makroregel: Auslassen),
verdichten sie (Selektieren),
verallgemeinern sie zu einer übergeordneten Aussage (Generalisieren)
und konstruieren globale Aussagen. das in das "direkt
darüber befindliche Superkonzept" integriert werden muss,
damit auf "jeder Ebene die Information auch größerer Textteile
noch ziemlich speziell bleibt, da wir ja auch keinen Text
zusammenfassen mit den Worten: Jemand machte etwas mit
jemandem." (van
Dijk 1980a, S.48) So lässt sich "Peter ist mit dem
Zug gefahren" von "Peter ist zum Bahnhof gefahren,
Peter kaufte eine Fahrkarte, Peter ging zum Bahnsteig,
. . . ) ableiten." (van
Dijk 1979, S.4, übersetzt mit Google Translater) Das
geforderte
Prinzip der "unmittelbaren Implikation der gegebenen
Propositionen" (van
Dijk 1980a, S.48) auf der nächsten Ebene bleibt damit im
Gegensatz zu Peter ist verreist erhalten. Zugleich macht
das ▪
ZUGREISE-Beispiel auch deutlich, dass sich die Makrostruktur
nicht ohne das Heranziehen textexternen
Weltwissens
und/oder bestimmter ▪
kognitiver
Schemata (z. B. ▪
Ereignisschemata) ermitteln lässt.
Im
Deutschunterricht ist das Makrostrukturmodell augrund seiner
vielfältigen fachwissenschaftlichen Voraussetzungen wohl nur in
einer didaktisch auf wesentliche Grundzüge reduzierten
Betrachtung einsetzbar. Der Gedanke freilich, dass die
Makrostrukturbildung von textinternen und textexternen Faktoren
abhängt, ist aber für das Textverstehen und das Verstehen des
Textverstehens auch in der Schule grundlegend.