Dreizehnter
Auftritt – in Blankversen
Personen:
Walter, Licht, Marthe, Eve, Ruprecht, Veit Tümpel, später Adam
Walter (dem
Fenster zugewandt)
Seht doch – dort taumelt durch das weiße Feld
der Mann, der einst auf hohem Stuhl gesessen.
Die Perücke schwingt er wie ein Narrenstab.
Ein Richter? Nein – ein Bild von Spott und Fall.
Licht, eilt! Und holt den Flüchtling unverzüglich.
Licht
Zu Diensten, Herr. (ab)
(Stille. Die übrigen blicken
hinaus. Adam wird hereingeführt – erschöpft, zerschlagen, doch
bemüht um Haltung.)
Adam (still, mit
gesenktem Blick)
Ich steh zu Dienst, Herr – was Ihr mir befehlt.
Die Stunde schlägt, ich hör’ sie klar im Ohr.
Nicht alles war so, wie es scheinen mag –
doch fällt, wer fällt, nicht gleich ins ew’ge Loch.
Walter
Ihr seid gestürzt, Herr Adam – tief und schwer.
Ein Richter, der sich selbst das Recht entzieht,
ist mehr als nur ein Mensch mit Fehl und Schwäche.
Was habt Ihr uns zu sagen – jetzt, da’s brennt?
Adam (zögernd)
Wenn Eve schweigt – so mag das Wort auch ruh’n.
Was nicht gesprochen wird, bleibt unbewiesen.
Und was bewiesen nicht, das lässt sich wenden.
Vielleicht war’s Licht, der – heimlich, unbemerkt –
die Feder führte, nachts, in meinem Zimmer.
Der Schreiber kennt das Amt – und meine Schwächen.
Walter (nimmt das
Wort fest auf)
Ihr wollt nun den verklagen, der Euch deckt?
Der Eure Fehler still ertragen hat?
Seid Ihr so blind vor Angst, dass selbst Verrat
Euch wie ein Mittel dünkt zur eignen Rettung?
Adam
Ich sag nur: möglich ist, was nicht bewiesen.
Und wenn das Amt einst wieder leer dasteht –
ein Mann mit Kenntnis wird sich finden müssen.
Walter
Die Kasse wird gezählt, der Boden gefegt.
Wenn nichts verderbt – so mag man Euch vielleicht
zum Zählen von Gemeindekies berufen.
Doch nie mehr wird der Richterstuhl Euch tragen.
(Adam verbeugt sich leicht, will
abtreten, zögert – sein Blick irrt zwischen Trotz und Flehen.)
Eve (halblaut)
Er weicht, doch hat den Sieg noch nicht begriffen.
Ruprecht
Er träumt von Macht, auch wenn der Stuhl zerbricht.
Walter
Lasst ihn. Der Krug ist hin, der Trug entlarvt.
Wo Recht gesiegt, soll Schweigen nun beginnen.
(Adam geht langsam ab. Die Bühne
dunkelt ab. Der Vorhang fällt.)