In der textprozedurenorientierten Schreibdidaktik von Helmuth Feilke (u.
a. 2014)
versteht man unter Textprozeduren neben den
Schreibprozeduren, die
sich auf die routinisierten Vorgehensweisen bzw. ▪
Schreibstrategien beim Schreiben an sich beziehen (z. B. ▪
Versionen schreiben, ▪ Schritt
für Schritt schreiben usw.), eine der beiden
literalen Prozeduren,
die beim Schreiben angewendet werden.
Sie vermitteln zwischen
Schreibprozess und
Schreibprodukt; Textprozeduren "beziehen sich auf den Text und dessen
Komposition " und "betreffen die kommunikativ-sprachlichen
Handlungskomponenten des zu schreibenden Textes (z. B. Einleitung,
Gliederung, Argumentation etc.)" (Feilke
2014, S. 20). Die textlichen Handlungsschema erwachsen daraus, wie
in Texten von der Sprache Gebrauch gemacht wird und "verbinden sich
mit typischen grammatischen Konstruktionen, lexikalischen Wendungen
und satzübergreifenden Mustern der Textorganisation zu
Textprozeduren als den Werkzeugen der Textbildung und des
Schreibens." (Feilke/Bachmann
2014, S.8) Oder noch pointierter formuliert: "Im Kern sie sie
die Organisationseinheiten, in denen kommunikatives Handeln und die
Mittel des sprachlichen Ausdrucks miteinander verknüpft sind." (Bachmann
2014, S.50)
Textprozeduren
besitzen, vereinfacht gesagt, dabei also immer zwei Dimensionen, die mit
den einfachen W-Fragen "Was muss ich tun?
und "Wie mache ich das?"
Handlungsschemata und sprachliche Ausdrücke (Prozedurausdrücke)
aufeinander in einer indem-Relation aufeinander beziehen lassen (vgl.
ebd., S.52,
Hervorh. d. Verf.), wie sie dem nachfolgenden Beispiel eines ▪
Reklamationsbriefs
mit seinem für die Textsorte typischen konventionelle
Zusammenstellungsmuster von Texthandlungen zugrunde liegt, das zugleich
den vierstufigen Aufbau
solcher Indem-Relationen in bestimmten Textsorten verdeutlicht.
verdeutlicht:
Ich schreibe
einen Reklamationsbrief, indem ich den Mangel einer Sache
beanstanden (textsortentypische Texthandlung), indem ich
mich auf die Lieferung der Ware beziehe
(Handlungs-/Gebrauchsschema), indem ich die noch immer
ausstehende Lieferung baldmöglichst verlange (Prozedurausdruck).
Als "mit
Textgestaltungspotentialen 'geladene' Ausdrucksmuster" (ebd.) besitzen
Textprozeduren "generatives Potential" (Feilke
2014,
S. 14) und stellen vergleichsweise stabile, "routinehafte
funktionale Textbausteine" (Feilke/Rezat
2020)
dar, die für die Textproduktion, aber auch Textrezeption eingesetzt
werden und sich auf der sprachlichen Textoberfläche in
Prozedurausdrücken für bestimmte
Textmuster
bzw. in bestimmten
Textsorten zeigen.
Die
Prozedurausdrücke, auch
Routineausdrücke genannt, sind in der textprozedurenorientierten Schreibdidaktik
Bezeichnungen für bestimmte sprachliche Ausdrücke auf der Textoberfläche, die
bestimmte • Texthandlungstypen auszeichnen.
Solche
Texthandlungstypen stellen mit ihren
▪
Subhandlungsschemata (indem-Relationen)
die Grundlage für bestimmte ▪
globale Textmuster
und/oder
▪
Textsorten dar, die ein/e Rezipient*in bei der Rezeption
eines Textes nutzt und als Schreiber*in für die eigene
Textproduktion verwendet.
Prozedurausdrücke (Routineausdrücke)
fungieren somit als eine Art
Textbildungsmittel, das Leerstellen
enthält, die bei komplexen Äußerungen gefüllt werden. Sie können
lexikalisch, syntaktisch oder grammatisch gebildet werden und sind
gekoppelt an die Funktionen, Kontexte und Schemata für den Gebrauch
der jeweiligen Textprozedur.
So entsprechen die Prozedurausdrücke einerseits -
andererseits
und das spricht dafür - das spricht dagegen
der Textprozedur des •
Abwägens,
zwar - aber markiert die Texthandlung •
Konzedieren,
die wiederum als • Subhandlungschema (indem-Relation: Ich
argumentiere, indem ich etwas einräume) auf den •
Texthandlungstyp Argumentieren
verweist.
Die
Prozedurausdrücke sind dabei als Textbausteine auch stilistisch
geprägt und beruhen auf der Wahl bestimmter sprachlicher
Formulierungen aus einem ▪
Stilregister, so z. B. in
einem ▪
privaten Geschäftsbrief das ▪
Anrederegister
mit der Wahl zwischen einem ▪
förmlichen,
▪
freundlichen oder ▪
familiären Stil
(vgl.
Hoffmann 2017 , S.230)
Auch wenn der Begriff
der literalen Prozedur
seit 2012 im Rahmen
der Entwicklung des prozedurenorientierten Ansatzes in der
Schreibdidaktik ähnlich wie bei den Begriffen der Textroutine,
Formulierungsroutine durch den Begriff der ▪
Textprozedur weitgehend ersetzt worden ist, (vgl.
Feilke
2014, S. 11) ändert sich an der Tatsache nichts, dass es dabei darum
geht, Schreibprozesse beim Verfassen von Texten einer spezifischen •
Textsorte
mit "vorgeformten Strukturen" (Gülich/Krafft
1998, 14ff.) zu routinisieren.