Das
dramatische Genre berücksichtigen
Das
•
Genre eines dramatischen Textes kann wichtige Hinweise zur
Gestaltung eines Szenenbilds zu einem dramatischen Text geben.
Wer über Vorwissen zu •
(historischen) Gattungen und
•
(systematischen) Gattungsbegriffen
bei dramatischen Texten verfügt, kann unter Berücksichtigung der
Tatsache, dass Gattungen letztlich
"soziokulturelle
Verständigungsbegriffe" darstellen, die immer "auch auf ihre
Entstehungsbedingungen im allgemeinen historischen Kontext und
auf den wissenschaftsgeschichtlichen Ort, in dem sie entstanden
sind und gebraucht werden", verweisen
(Voßkamp
1992, S.256), daraus erste Hinweise gewinnen.
Wer also, auch
wenn die nebenstehende Mind Map-Übersicht von • "Hauptformen
des Dramas" (Braak
31969, S.232-252) nur eine erste Übersicht über
die Vielfalt dramatischer Gattungen geben kann, bestimmte
Gattungen mit ihren Merkmalen unterscheiden kann, kann daraus
auch Hinweise entnehmen, ob das Szenenbild z. B. eher eine
realistische oder eher eine symbolisch-abstrakte Gestalt
annehmen soll. Ein Lustspiel oder bäuerlicher Schwank
unterscheiden sich unter vielfältigen Aspekten von einer
Tragödie. Beide machen auf unterschiedliche Art und Weise von
den •
Codes und Kanälen der dramatischen Kommunikation
Gebrauch, was sich auch auf die Gesamtkonzeption des
Szenenbildes auswirkt.
Die
Handlungssituation auswählen
Um ein
Szenenbild zu konzipieren, muss man, sofern die Szene, besser
die Handlungssituation nicht vorgegeben ist, zunächst einmal
eine Szene auswählen, die mit dem Bild illustriert werden soll.
Die
Entscheidung für eine bestimmte Szene kann dabei von ganz
unterschiedlichen Faktoren abhängen, die u. U. auch durch die
Aufgabenstellung präzisiert sein kann.
So kann z. B.
vorgegeben sein, dass das Bild vor allem eine werbende Funktion
für den Text im Rahmen der dramatischen Kommunikation haben
soll. Dies könnte z. B. der Fall sein, wenn das Bild auf dem
Einband einer Buchausgabe des Dramas gedruckt werden soll.
Die
Bedeutung der jeweiligen Szene erfassen
Hat man sich
für eine bestimmte Handlungssituation entschieden, für die ein
Szenenbild konzipiert werden soll, muss man sich eingehend mit
der • Analyse der jeweiligen
Szene befassen.
Im Mittelpunkt
stehen dabei die Fragen:
-
Worum geht es
in der Situation?
-
Was soll
diese Szene bzw. Handlungssituation über die Figuren, ihre
Beziehungen und Konflikte oder über bestimmte Themen
aussagen?
Hierzu kann man
auf
den ▪
Allgemeinen Fragenkatalog zur Szenenanalyse und/oder die ▪
Leitfragen für die systematische Szenenanalyse
zurückgreifen.
Den Textbezug beachten
Durch die
• Analyse der jeweiligen Szene
wird, neben der Erarbeitung des eigenen Textverständnisses, auch
die Grundlage für das Entwerfen eines Szenenbilds gelegt, das in
einem konkreten, nachvollziehbaren Bezug zum dramatischen Text
stehen muss. Das bedeutet, vereinfacht gesagt, dass sich das
Szenenbild stets aus dem Geschehen des Dramas bzw. der
Perspektive ergeben muss, unter der es vom Rezipienten gelesen
wird.
Was auf dem
Bild zu sehen ist, ist daher nicht völlig beliebig und darf
nicht rein willkürlich ausgewählt erscheinen. Weicht man von den
vom dramatischen Text implizit oder explizit gemachten Vorgaben
im ▪
Haupt- und/oder im ▪
Nebentext
ab, z. B. über den ▪
Ort/Raum und die ▪
Zeit der Handlung, muss dies im Rahmen einer
Regiekonzeption, die solche Abweichungen erforderlich macht,
begründet werden.
Die
Raumgestaltung analysieren und konzipieren
Die
Raumgestaltung des Szenenbildes folgt aus der Analyse der ▪
Raumgestaltung des dramatischen Textes, die schon bei der
allgemeinen Szenenanalyse erfolgt ist.
Die dem
dramatischen Text zugrunde liegende Raumgestaltung
kann mit einem Katalog von
▪
Leitfragen zur Analyse von
Raumentwürfen im Drama genauer untersucht werden.
Daraus können Vorstellungen und Hinweise für den Raumentwurf
entnommen werden, der im Szenenbild umgesetzt werden soll.

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So kann z. B.
geklärt werden, ob der Raum als realistischer, symbolischer oder
phantastischer Raum, als Kontrastraum fungiert oder als
existenzielles Symbol sowie als Ort des Unbewussten gestaltet
werden soll. Hinzukommt die Frage, ob es sich bei dem
dramatischen Text, vom •
Formtyp her betrachtet, um ein Drama der •
geschlossenen Form mit
•
Einheit des Ortes
oder um ein Drama der •
offenen Form mit häufigen Schauplatzwechseln handelt.
Zuguterletzt
könnte von Bedeutung sein, ob der dramatische Text selbst
explizite oder implizite Hinweise darauf gibt, ob das Stück mit
einer bestimmten ▪
Bühnenform
bzw. Theaterarchitektur inszeniert werden soll.
(vgl. dazu auch:
Schößler 2017, S.169)
Dabei können z.
B. Raum-/Bühnenbildkonzepte wie eine leere Bühne Isolation und
Sinnverlust, ein enger Raum (soziale) Zwänge bis hin zu
Unterdrückung und Höhenunterschiede im Raum Machtverhältnisse
ausdrücken.
Im einzelnen
könnte im Zusammenhang mit der Szenenbildgestaltung z. B.
überlegt werden, ob der Raum eher offen oder geschlossen wirken
(mit verschiedenen Ebenen, Podesten, Treppen etc.), ob er eher
Nähe oder Distanz zwischen den Figuren ausdrücken soll und/oder
Raum für (raumgreifende) Bewegungen lassen soll oder nicht.
Bestimmte Raumentwürfe können auch auf ihre symbolische
Bedeutung hin reflektiert werden. So wird eine leere Bühne oft
mit Isolation und Sinnverlust verbunden, ein sehr enger Raum mit
(sozialen) Zwänge bis hin zu Unterdrückung wie in einer
Gefängniszelle.
Die
Lichtgestaltung analysieren und konzipieren
Der
Lichtgestaltung wird im dramatischen Text meistens nicht
sonderlich viel Bedeutung in ▪
Haupt-
und ▪
Nebentext
beigemessen. Sieht man von Tageszeiten und Räumen ab, denen eine
bestimmte Hellig- bzw. Dunkelheit zugeschrieben wird, um eine
bestimmte Atmosphäre zu erzeugen, ist die Lichtregie etwas, das
vor allem bei der
•
Dramaturgie und Inszenierung des Textes auf einer
Theaterbühne von Bedeutung ist. Hier lenken z. B. die
Scheinwerfer die Aufmerksamkeit des Publikums und dienen dem
Stimmungsaufbau. Nicht selten hat das Licht auch eine
symbolische Bedeutung, wirkt bedrohlich oder gnadenlos grell bis
in die kleinsten Winkel.
Für die
Szenenbildkonzeption spielt die Lichtgestaltung vor allem eine
atmosphärische Rolle.
Requisiten und Bühnenobjekte analysieren und konzipieren
Requisiten und
Bühnenobjekte spielen, wenn sie im dramatischen Text selbst
explizit oder implizit im ▪
Haupt-
und/oder ▪
Nebentext
erwähnt werden, für die Handlungssituation einer Szene eine
wichtige Rolle. Oftmals haben sie auch eine symbolische
Bedeutung, nicht nur für die konkrete Handlungssituation,
sondern auch für das gesamte Stück. Ob und wie sie in das
Szenenbild eingehen sollen, hängt davon ab, ob sie für die
dargestellte Situation bedeutsam sind.
Aber auch
andere Requisiten, die im Dramentext keine Erwähnung finden,
können, wenn sie zur Deutung der im Szenenbild dargestellten
Situation beitragen, in die Konzipierung des Szenenbildes
eingehen. In der Regel wird man allerdings davon auszugehen
haben, dass wenige, wirkungsvolle Requisiten mehr sind als eine
Vielzahl von Gegenständen und Objekten.
Charakterisierung der Figuren und ihre Konstellation analysieren
und konzipieren
Ein Szenenbild,
auf denen Figuren des Stückes miteinander interagieren, muss die ▪
Figurengestaltung
des dramatischen Texts berücksichtigen. Dazu muss
sie ▪
Figurenkonstellation, ▪
Kontrast-
und Korrespondenzbeziehungen der Figuren, die ▪
Konfiguration und die ▪
Figurencharakterisierung der Figuren im gesamten Stück sowie
in der zur Gestaltung kommenden Handlungssituation reflektieren.
Im Rahmen der •
Figurenkonstellation sollten z. B. die soziale Stellung und
die Machtverhältnisse, die zwischen den Figuren herrschen
abgebildet werden.
Dabei sollte
das Szenenbild versuchen, eventuell vorhandene ▪
Kontrast-
und Korrespondenzbeziehungen der Figuren in •
Körperhaltung, •
Gestik und •
Mimik,
in Kostüme, Masken und andere
Aspekte • der äußeren Erscheinung (•
Kleidung/Kostüme, •
Abzeichen und Schmuck
(Accessoires), •
Haar und Haargestaltung
etc.) der Figuren zu übersetzen und dabei eventuell
vorhandene Angaben im ▪
Haupt-
und/oder ▪
Nebentext
des Stückes aufgreifen.
Bei der
Darstellung der Figuren sollten Körperbau und Statur, •
Körperhaltung, •
Gestik und •
Mimik,Kostüme,
Masken und andere
Aspekte • der äußeren Erscheinung (•
Kleidung/Kostüme, •
Abzeichen und Schmuck
(Accessoires), •
Haar und Haargestaltung
etc.) die Figur •
charakterisieren
und/oder ihre aktuelle psycho-physische Situation darstellen.
Eine Rolle kann
dabei auch die Positionierung einer Figur im Raum spielen.
Agiert sie von einem erhöhten Standort aus, könnte dies auf eine
Dominanz der Figur in der betreffenden Handlungssituation
hinweisen, wohingegen eine Figur am Rand des Geschehens eher
eine untergeordnete Rolle spielt.
Hier stellt,
insbesondere im Rahmen eines prozessorientierten Vorgehens, das
die handlungsorientierte
•
szenischen Erarbeitung
der Szene eine Reihe von Möglichkeiten vor, mit denen die
erforderliche Charakterisierung der Figuren und ihrer
Konstellation analysieren werden kann. In Frage kommen dazu z.
B.