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Visuelle Wahrnehmung

Überblick


PSYCHOLOGIE

Glossar Entwicklungspsychologie Persönlichkeitspsychologie Kognitionspsychologie Emotionspsychologie Motivationspsychologie Kommunikationspsychologie Wahrnehmungspsychologie Überblick
Neurobiologische Grundlagen der Wahrnehmung Modelle der Wahrnehmung Überblick Drei-Stufen-Modell (Zimbardo/Gerrig 2004) [ Visuelle Wahrnehmung Überblick Descartes Theorie der visuellen Wahrnehmung Das visuelle System Der Vorgang des Sehens Die Verarbeitung neuronaler Informationen Auge und Kamera Drei-Stufen-Modell Optische Täuschungen Drudel ] Empfindung und Wahrnehmung Aufmerksamkeit Identifikations- und Wiedererkennungsprozesse
 

Visuelle Kommunikation
Blick und Blickkontakt
Überblick
Der Blick beim Sprechen
Kognitionspsychologie
Top-down- und Bottom-up-Verarbeitung bei der visuellen Wahrnehmung von Texten

Die ▪ visuelle Wahrnehmung des Menschen nimmt im Wahrnehmungssystem des Menschen eine herausragende Rolle ein, die auch durch die neurobiologische bzw. sinnesphysiologische Bedeutung des Sehens und des optischen Apparates des ▪ Auges unterstrichen wird. In der neueren Hirnforschung hat man festgestellt, dass neben der primären Sehrinde, die ungefähr 15% des gesamten Cortex (Großhirnrinde) umfasst, es noch mehr als 30 weitere verschiedene Areale des Gehirns gibt, die mit der visuellen Wahrnehmung zu tun haben. Man nimmt heute an, dass etwa 60% des Cortex an Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion auf visuelle Reize beteiligt sind. (vgl. Gegenfurtner 2005, S. 39)

Vom distalen zum proximalen Reiz

Visuelle Reize, die wir aufnehmen, das wissen wir aus der Physik, entstammen einem dreidimensionalen Raum, werden aber im Auge auf der ▪ Netzhaut (Retina) nur zweidimensional abgebildet. Unser Gehirn ist es, das über ▪ perzeptuelle Strukturierung und Identifikation und Wiedererkennung das im Bewusstsein repräsentierte Objekt wieder dreidimensional macht.

Dabei wird im Zuge der Wahrnehmung ein distaler Reiz (= physikalische Objekt) in einen proximalen Reiz (= Abbild auf der Netzhaut) verwandelt, von dem am Ende wiederum der proximale Reiz abgeleitet wird.

Alltagsvorstellungen über das Sehen

Wenn wir im Alltag erklären wollen, wie das Sehen funktioniert, vergleichen wir es das Auge häufig mit einer Kamera. Aber: Auge und Kamera weisen zwar gewisse Ähnlichkeiten auf, aber sind letzten Endes doch völlig verschiedene Systeme. Zwar können beide mit optischen Vorrichtungen das Licht brechen und auf analoge Weise ein Abbild der Umwelt erzeugen, aber die Weiterverarbeitung der Bildinformationen erfolgt auf eine ganz unterschiedliche Art und Weise. Im Auge nämlich existiert dieses Abbild nur, auf dem Kopf stehend, auf der Netzhaut (Retina). Danach wird es bei der Transduktion des Reizes in ein Feuerwerk neuronaler Nervenimpulse zerlegt, die vom Gehirn weiterverarbeitet und interpretiert werden.

Was wir über die Funktionsweise unserer visuellen Wahrnehmung, die wir ja nicht selbst beobachten können, annehmen, ist, wissenschaftlich betrachtet, von Irrtümern und Missverständnissen geprägt.

  • Unsere visuelle Wahrnehmung, wie das gesamte Wahrnehmungssystem des Menschen überhaupt, liefert uns kein Abbild der äußeren physikalischen Realität. Was wir sehen, das macht ein ▪ Vergleich mit anderen Arten von Lebewesen schnell klar, ist nur ein Ausschnitt der uns umgebenden Realität.

    Was wir sehen, ist das, was im Zuge der Stammesentwicklung des Menschen als Ergebnis eines langen Anpassungsprozesses an unsere Umwelt entstanden ist und uns damit biologisch zum Sehen zur Verfügung steht.
     
    Anders ausgedrückt: "Was wir als Kategorien der Außenwelt erleben, sind die uns biologisch vorgegebenen Kategorien des Wahrnehmungssystems." (Mausfeld 2005, S.4) Mögen wir es beklagen, dass wir nachts nicht so gut sehen wie eine Katze, dass wir das Ergebnis ultravioletter Strahlung auf unserer Haut zwar als Sonnenbrand spüren, ultraviolettes Licht aber nicht sehen können, dennoch: das visuelle System des Menschen ist prinzipiell für das System Mensch gemacht und der (normalen) Umwelt des Menschen optimal angepasst.

  • Was wir sehen, sehen wir nicht nur deshalb, weil wir aus Erfahrung gelernt haben, bestimmte von Objekten unserer Umwelt reflektierte Lichtstrahlen für etwas Bestimmtes zu halten, d. h. zu interpretieren.
    Die Grundstrukturen bzw. Grundkonzepte unserer visuellen Wahrnehmung sind nämlich biologisch fest vorgegeben und werden eben nicht erlernt.

    Jüngere Ergebnisse der vergleichenden Wahrnehmungsforschung (Ethologie) und der Säuglingsforschung lassen sogar den Schluss zu, dass die Sinne "als Stichwortgeber für die Selektion einer bereits im Gehirn vorhandenen und durch die Evolutionsgeschichte festgelegten »Außenwelt-Geschichte«" dienen. (Mausfeld 2005, S.25)

    Dies führt zu einer von unseren Alltagsvorstellungen der Wahrnehmung radikal anderen Betrachtungsweise: "Wir nehmen also nicht Kategorien der Welt wahr, sondern wir können gar nicht anders, als die Außenwelt durch die Brille der uns verfügbaren Grundkonzepte wahrzunehmen. Diese Kategorien stellen eine universelle Form der Welterfahrung dar. In diesem Sinne ist unsere wahrgenommene Welt eine - biologisch zweckmäßige - Konstruktion unseres Geistes." (ebd.)

Top-down- und Bottom-up-Prozesse bei der visuellen Wahrnehmung von Text

Die neuronale und kognitive Verarbeitung von distalen Reizen wird mit zwei Prozessen beschrieben: ▪ Top-Down- und Bottom-up-Prozessen. Mit Hilfe dieses Modells lassen sich auch Verarbeitungsprozesse beschreiben, die beim Lesen bzw. der visuellen Wahrnehmung von Texten ablaufen.

Auch wenn es einen Grundkonsens bei der Konzipierung von Lese- und Verstehensprozessen im Zusammenhang mit Texten gibt, ist man sich in der Wissenschaft bis heute nicht so recht einig geworden, wie die grundsätzlich unbestrittene Interaktion des Textes mit dem Leser funktioniert.

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Top-down- und Bottom-up-Verarbeitung bei der visuellen Wahrnehmung von Texten

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 13.02.2021

 
 

 
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