Die allgemeinen
•
Aufgaben
der Diskursanalyse können im Deutschunterricht unter
den didaktischen Rahmenbedingungen natürlich nicht 1:1 umgesetzt
werden.
Da die
wissenschaftsorientierte Diskursanalyse eben auch nicht den "Normalleser" im Blick hat,
sondern "mit wenigen Ausnahmen allein die dezidiert theoriegeleitete rezipierenden, professionellen Leser, meist aus dem akademischen Umfeld" (Köppe/Winko
(2008, S.104), wird die Sache für die •
(schulische) Literaturdidaktik
auch nicht unbedingt einfacher, wenngleich es auch für den
Literaturunterricht in der Schule brauchbare Modelle
postrukturaler Lektürepraxis gibt, die "quer zum hermeneutischen
Einsammeln von Sinn (stehen)" (Förster
2002, S.241)
Didaktische
Diskursanalysen, die in der Schule durchgeführt werden, können
und müssen, das theoretische Konzept des Diskurses nur in einem
sehr eingegrenzten Umfang reflektiere, und zwar nur soweit dies für die
Durchführung der Operationen an ihrem "Material" •
diskursiver und nichtdiskursiver Praktiken, von Gesagtem und
Ungesagten, im Rahmen eines Diskurses nötig ist.
Begriffliche
Voraussetzung ist die Unterscheidung der Bedeutung des •
Alltagsbegriffs von dem wissenssoziologisch fundierten
Begriff von Diskurs im Rahmen von Diskursanalysen. Für
eine didaktische Diskursanalyse bedarf es, von der
antihermeutisch ausgerichteten Art Analyse einmal abgesehen, die
Schülerinnen und Schüler, die bis dahin stets auf
hermeneutischem Weg zu einem Textverständnis angeleitet worden
sind, fremd erscheinen mag, weder der Beschäftigung mit dem
komplexen Denken Michel Foucaults noch seiner Terminologie.
Arbeitsdefinitionen, die besagen, dass die Diskursanalyse weder
nach der Entstehung und den Ursachen von "Dingen" und
"Ereignissen" fragt und letztlich auch nicht beurteilen will, ob
das, was in einer bestimmten Epoche oder in einem bestimmten
Bereich "gesagt" wird und/oder gesagt werden darf, meistens nur
für eine gewisse Zeit, lang als "wahr" gilt, dürften hier
zunächst einmal ausreichen, um Foucaults Weg der
"archäologischen" Spurensuche, Bestandsaufnahme und -beschreibung
von Elementen in Gang zu bringen, die das Wissen und Verständnis
über ein bestimmtes Thema im sozialen Leben der Menschen gestern
oder heute zunächst einmal in Gang zu setzen. Indem der Blick am
Ende darauf gerichtet wird, wie es kommt, dass sich die
vermeintlichen "Wahrheiten" eines Diskurses letzten Endes
verfestigen und unter Umständen aber auch wieder überwunden
werden können, richtet die Aufmerksamkeit am Ende darauf, dass
Diskurse eben auch eng an • "Machtstrukturen"
gekoppelt sind. Der zugegeben nicht einfache Machtbegriff
Foucaults dürfte die Schülerinnen und Schüler allerdings
überfordern.

Bei der
Beschäftigung mit Sachtexten (Gebrauchstexten, pragmatischen
Texten),
mit literarischen Texten und
mit medialen Texten (z. B. Film, Theateraufführungen etc.)
durchgeführt werden. Ferne können auch spezielle
nicht-diskursive Praktiken wie z. B. Buchmessen, Zensur u. ä.
untersucht werden, wobei die Diskursanalyse dann in die
Analyse von bestimmten
Dispositiven übergeht.
Auch andere Beispiele können hier als
Prototypen für eine didaktisch reduzierte Diskursanalyse oder
für die •
Analyse von Dispositiven herangezogen werden.

Darüber hinaus wird das Vorgehen im didaktischen Umfeld des
Deutschunterrichts, selbst wenn die Diskursanalyse als •
Einzeltextanalyse durchgeführt wird, wohl eher in einem
prozessorientierten,
teilweise kooperativen Verfahren zu organisieren sein als in
einem
produktorientierten Schreiben eines Einzelnen.

Man kann solche Einzeltextanalysen aber durchführen, wenn danach gefragt
wird,
Bei der Analyse einzelner Texte können dabei, wenn man diese
Fragen genauer betrachtet, nach
Köppe/Winko
(2008) drei Perspektiven gewählt werden:
-
Die
Untersuchung des Einzeltextes richtet sich auf die Frage,
auf das Was und Wie von Diskursen, die sich in einem Text
nachweisen lassen, wobei analysiert und beschrieben wird, ob
der Text diese Diskurse reproduziert, ihnen etwas Neues
hinzufügt oder sie auf andere Art und Weise modifiziert oder
sie auf irgendeine Art und Weise subversiv unterläuft. Wenn
ein literarischer Text etablierte diskursive Praktiken so
aufgreift, dass diese in Frage gestellt werden können, der
literarische Text im Grunde einen Gegendiskurs aufzeigt und
sich an dessen Etablierung beteiligt, wird darin meistens
ein Argument für die besondere Qualität des Textes gesehen.
-
Der
Einzeltext wird unter dem Blickwinkel seiner materialen und
diskursiven Bedingungen analysiert.
-
Der einzelne
Text wird in seinen
intertextuellen Bezügen untersucht und dabei seine
Beziehungen zu Texten untersucht und beschrieben, die
irgendeine Ähnlichkeit mit ihm haben. (vgl.
Köppe/Winko 2008,
Kap. 7.2.4 Methode des wissenschaftlichen Umgangs mit
Literatur, Kindle Edition)
Das Muster,
nach dem die diskursanalytische Analyse von Einzeltexten
verlaufen, besteht gewöhnlich aus den Schritten.
-
Suche nach
Daten unterschiedlicher Art, die die Materialität und die
Medialität des Textes betreffen
-
Identifizierung und Beschreibung von Mustern, Bildern oder
Themen in dem Einzeltext sowie nach Texten mit ähnlichen
Mustern, Bildern oder Themen
-
Die
Ergebnisse dieser Suche werden in Beziehung zueinander
gesetzt, um einen Schluss auf begründende oder
legitimierende Diskurse zu ermöglichen.
-
Im Anschluss
daran können Vergleiche zwischen rekonstruiertem Diskurs und
Einzeltext vorgenommen werden, z.B. unter der Frage, ob der
Text einen Diskurs reproduziert, modifiziert oder ihm in
irgendeiner Weise subversiv entgegegenarbeitet. (vgl.
ebd.)
In keinem Fall
solles bei der Diskursanalyse darum gehen, quasi über die Hintertüre "durch Einbettung in einen geeigneten
Kontext »die Bedeutung« eines Textes interpretativ zu erschließen." (Köppe/Winko
2008, S.104) Stattdessen ordnet die literaturwissenschaftliche
Diskursanalyse "die Inhalte literarischer Texte in thematisch verbundene
Kontexte ein und bestimmt so ihre Abhängigkeit oder ihre Abgrenzung von
vorhandenen Diskursen". (Baasner
2005, S.146)
Indem Texte bzw. "Textpassagen durch die Identifikation relevanter Diskurse
in einen erhellenden historischen Bezug gestellt werden und Verbindungen
aufgezeigt, die zwischen Figuren, Bildern oder Handlungselementen in einem
oder mehreren literarischen Texten und zeitgenössischen diskursiven
Einheiten bestehen" (Köppe/Winko
2008, S.104),
lässt sich "z. B. die Abhängigkeit der literarischen Texte von bestimmten
zeitgenössischen Diskursen belegen." (ebd.)
Pädagogisch legitimiert erscheint der diskursanalytische Umgang mit
Literatur dabei allemal, wenn man einem Literarunterricht, der sich daran
orientiert, die Potenz zuschreibt, auf diesem Weg Schülerinnen und Schüler
dazu zu befähigen, "die prinzipielle Relativität eigener oder fremder
Sinnzuweisungen auf ihre Grundlagen hin zu durchschauen." (Förster
2002, S.245)
Dass die Diskursanalyse naturgemäß, wie bei den
• hermeneutischen Verfahren eben auch, nicht den "Normalleser" im Blick hat,
sondern "mit wenigen Ausnahmen allein die dezidiert theoriegeleitete rezipierenden, professionellen Leser, meist aus dem akademischen Umfeld" (Köppe/Winko
(2008, S.104), macht die Sache für die •
(schulische) Literaturdidaktik
auch nicht unbedingt einfacher, wenngleich es auch für den
Literaturunterricht in der Schule brauchbare Modelle postrukturaler
Lektürepraxis gibt, die "quer zum hermeneutischen Einsammeln von Sinn
(stehen)" (Förster
2002, S.241)
Darüber hinaus
wird das Vorgehen im didaktischen Umfeld der Schule, selbst wenn
die Diskursanalyse als •
Einzeltextanalyse durchgeführt wird, wohl eher in einem
prozessorientierten,
teilweise kooperativen Verfahren zu organisieren sein als in
einem
produktorientierten Schreiben eines Einzelnen.

In keinem Fall
soll es, auch im Fall einer •
literaturwissenschaftlich ausgerichteten Diskursanalyse darum gehen, quasi über die Hintertüre "durch Einbettung in einen geeigneten
Kontext »die Bedeutung« eines Textes interpretativ zu erschließen." (Köppe/Winko
2008, S.104) Stattdessen ordnet die literaturwissenschaftliche
Diskursanalyse "die Inhalte literarischer Texte in thematisch verbundene
Kontexte ein und bestimmt so ihre Abhängigkeit oder ihre Abgrenzung von
vorhandenen Diskursen". (Baasner
2005, S.146)
Beispiele:
-
Gille, Annette S. (2012): Von der Diskurs- zur
Dispositivanalyse: Die Konstruktion von sex, gender und
desire in Angeboten des Reality-TV. In: Dreesen/Kumiega/Spieß (Hg.) (2012), S.169-188
-
Hoffarth, Britta (2012): Dispositiv 2.0. Wie Subjekte
sich im Web 2.0 selbst und gegenseitig regieren. In:
Dreesen/Kumiega/Spieß (Hg.) (2012), S.207-228
-
Fischer, Lena Sophia (2007): Konstruktion und
Kontextualisierung von ‚Schlepperei‘ im Mittelmeer. Eine
kritische Diskursanalyse aktueller Bundestagsdebatten.
Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades
Bachelor of Arts an der FU Berlin Fachbereich Politik- und
Sozialwissenschaften Institut für Sozial- und
Kulturanthropologie, online verfügbar unter:
https://wusgermany.de/sites/default/files/content/files/fischer.pdf,
abgerufen am: 04.02.2025
-
Flakus, Maximilian Ferdinand (2014): Doping im Fußball –
ein Tabuthema? Eine Diskursanalyse deutscher Medien unter
Berücksichtigung der Studie „Doping in Deutschland von 1950
bis heute“. Bachelorarbeit an der Hochschule Mittweida,
University of Applied Sciences, Fakultät Medien,
Bachelorarbeit, 2014, online verfügbar unter:
https://monami.hs-mittweida.de/frontdoor/deliver/index/docId/3721/file/BA.pdf,
abgerufen am: 04.02.2025
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.03.2025
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