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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
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Fragenkatalog
zur sprachlichen Analyse von Versdramen
Heinrich von Kleist (1777-1811) hat seine • Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ mit verschiedenen sprachlichen und stilistischen
Besonderheiten im Unterschied zur Normalsprache und den
literarischen Konventionen seiner Zeit gestaltet.
Man hat Kleists herausragende Fähigkeit, in seinen literarischen
Werken Dialoge zu gestalten, auch auf seine Erfahrungen
zurückgeführt, die er •
in den Wintermonaten 1800/01 mit der feinen großbürgerlichen
Gesellschaft in Berlin machte, nachdem er sich mehr und mehr vom
adeligen Lebensstil distanziert hatte. Dabei habe er die
Erfahrung gemacht, dass die Menschen, mit denen er sich hier
umgab, "von ihren so andersgearteten Befindlichkeiten und
Lebensauffassungen her seinen Zustand [...] nicht nachvollziehen
können oder auch nur wollen. Zum anderen wird er bemerkt haben,
dass er selbst [...] seine immer komplizierte werdende innere
Verfassung nicht angemessen in Worte zu kleiden mag." (Loch
2003, S.94) Diese habe am Ende zu einer "Sprachnot"
(ebd.)
geführt.
Im direkten Umgang mit den gesellschaftlich Erfolgreichen der
170.000 Einwohner Stadt, hat Kleist "in Rede und Widerrede
Winkelzüge, Scheingefechte, Witz und Floskeln abgebrühter
Hauptstädter" (ebd.,
S.93) kennen gelernt und sich an den geselligen Abenden, an
denen er teilnahm, genötigt gesehen, eben so zu sprechen. Daher
lasse sich, so (Loch
2003, S.93) weiter, vermuten, dass diese Spracherfahrung
"Katalysatoren für die Entwicklung von Kleists späterer
Dialogkunst" seien. "Seine Rede wird er, in Verbindung mit Mimik
und Gestik, nicht selten virtuos, als Kunst der Verstellung
handhaben. Zugleich wird er ihr entlarvende Qualitäten
verleihen. Der Zuschauer braucht die Wort-Befangenheit von
Kleists Figuren nicht zu teilen, er kann ihre Worte und Taten
hinterfragen und ihrer Wahrhaftigkeit durch Vergleichen mit der
eigenen Lebenserfahrung nachspüren."
Hintergrund von Kleists Verhältnis und seinen Umgang mit Sprache
im Allgemeinen ist seine •
skeptische Grundhaltung, die ihn seit der so genannten ▪
Kant-Krise im ▪
Jahre 1801
prägt. Sie führt auch dazu, dass er der menschlichen Sprache und
"dem Wort, das zwischen den Menschen unterwegs ist" (Willems
2013, S.148), misstraut. Im Dialog seiner Dramen tritt diese
Sprachskepsis deutlich hervor. Der
dramatische Dialog seiner Figuren wird nämlich immer wieder "zu
einer
Quelle von Missverständnis und Täuschung [...] Ausgangspunkt des
Scheiterns und [...] Keimzelle der Katastrophe." (ebd.)
So machen sicher auch die Leser*innen der Kleist'schen • Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ die Erfahrung, dass "das
Wort (...) die Menschen mehr voneinander (trennt), als es sie
verbindet." (ebd.)
Auch hier ist der Dialog mit den Worten von »Gottffried
Willems (1947-2020) gesprochen, "ein
Ort der bewussten Täuschung, von Hinterlist und Verrat, [...]
des unfreiwilligen Missverstehens, der Täuschung über die
Absichten der anderen [...] und über die eigenen Absichten."
(ebd.)
Indem Kleist sein Stück • Blankversen
verfasst und damit die sprachliche Form eines •
Versdramas
wählt, betont er den ▪
artifiziellen Charakter der ▪
Dramensprache und die Abweichung der ▪ dramatischen Rede von der
"natürlichen" Sprache.
Die metrische Struktur des
•
Blankverses besteht, kurz zusammengefasst, aus
reimlosen Verszeilen mit alternierendem
jambischen (v-)
Metrum von zehn Silben bei
stumpfer
Kadenz (der
Vers schließt mit einer
Hebung) oder elf bei
klingender
Kadenz (der
Vers
schließt mit Hebung und
Senkung bzw.
einer unbetonten Silbe).

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Wie und auch was Figuren in einem ▪
dramatischen Text sprechen, verweist stets auch auf den
jeweiligen Sprecher selbst zurück. Das hat,
kommunikationstheoretisch betrachtet, seinen Ursprung in der
•
Polyfunktionalität der dramatischen Rede, die stets
mehrere kommunikative Funktionen, allerdings meistens mit einer
•
dominierenden Funktion, erfüllt. (vgl.
Pfister
1977, S.151)

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Soll bei der
prosanahen Versform des •
Blankverses die
Sprache von Figuren im • ›Zerbrochnen
Krug‹ zur •
Figurencharakterisierung
herangezogen, muss man zunächst einmal die
• homogenisierende Dominanz
dieser
▪
artifiziellen ▪
Dramensprache im Auge behalten und die ▪
poetische Funktion dieser Sprache reflektieren. Dass die
Figuren von der Normalsprache abweichen und deren Normen
durchbrechen, hat in der Regel nichts mit dem Charakter der Figuren
zu tun.
Insgesamt hat
"Kleists Sprach- und Bilddichte", wie
Loch (2003,
S.241) feststellt, "geradezu lyrische Dimensionen. [...] Alles ist
aufeinander bezogen und aufeinander abgestimmt, eine Äußerung setzt
die andere voraus: ein Spiel nicht über einen Prozess,
sondern auch begreifbar als Prozess."
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
30.05.2026
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