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Württemberg zur Zeit Herzog Carl Eugens (1728-1793)
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Die Karlsschule
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Überblick
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Kurzer Abriss der Geschichte
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Die
Schüler der Karlsschule
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Erziehung und militärischer Drill
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Lehr- und Unterrichtspraxis
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Privatleben - Fehlanzeige
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Ständische Ungleichheit
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Umzug nach Stuttgart 1775
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Textauswahl
"Als Abschluss des vorbereitenden und
gemeinsamen Unterrichts mögen hier noch die
Leibesübungen eingefügt werden.
Diese waren an der Karlsschule, zumal bei der großen Zahl von Lehr- und
Arbeitsstunden, die sitzend zugebracht wurden, ein auch von der Leitung der
Anstalt lebhaft anerkanntes Bedürfnis. Zunächst konnte dafür, was von den
Stunden von 11-2 und abends von 6-9 Uhr nicht durch Anzug, 'Rangieren' und
die Mahlzeiten ausgefüllt war, in freier Weise benützt werden, und die
Anstalt besaß gute Einrichtungen: die großen Höfe des Gebäudes und der
Rangiersaal boten reichlich Raum zum Spielen, Springen und Ringen; es wurden
englische, französische und deutsche Spiele, besonders
Ballspiele, teilweise unter Leitung und Mitwirkung des
Aufsichtspersonals gespielt, auch zum Voltigieren
waren Einrichtungen vorhanden, ferner im Garten die drei Seen zum Baden und
Schwimmen - wozu im Sommer wöchentlich 2-3mal Doppelstunden bewilligt, auch
Schwimmunterricht erteilt wurde - und zum
Rudern auf dazu vorhandenen Booten. Zeitweise wurde auch (nachmittags 1-2
Uhr) unter dem Befehl der Aufseher exerziert, was für die künftigen
Militärs, aber auch für die übrigen Zöglinge werden der
in
der Anstalt herrschenden militärischen Formen notwendig war. Sonntag
nachmittags und häufig auch werktags nach Tisch wurden
in militärischer Ordnung
Spaziergänge gemacht.
Aber auch im Unterrichtsplan waren besondere Stunden für Leibesübungen
ausgesetzt, und zwar für Tanzen, Fechten und Reiten. Eigentlich bilden diese
Übungen hier nur einen verkümmerten Ausläufer der in der älteren
Ritterakademien in weit größerem Umfang betriebenen ritterlichen Übungen;
doch werden sie in den Lehrplänen nie unter diesem Gesichtspunkt, sondern
lediglich unter dem der Körperbewegung aufgeführt und bilden also einen
Ersatz für das damals noch ganz unbekannte heutige Turnen.
Das Tanzen wurde von 1771 an in den untersten
Abteilungen mit 4, 3 und 2, vom 4. oder 5. Jahr an durch alle weiteren
Studienjahre hindurch in 1 Wochenstunde als Pflichtfach betrieben,
großenteils wechselweise mit Fechten, Reiten und Zeichnen; seit 1783 scheint
es von den philosophischen Abteilungen an freiwilliges Fach gewesen zu sein.
Die Lehrer ('Danzmeister') waren
Malter, Sohn (geb. 1731 zu Ludwigsburg), 1771-86,
Kösel (geb, 1756 zu Ludwigsburg) 1775-94, beide Tänzer am Theater;
[...] Der Tanz, von dem Theatraltanz, von dem
hier abgesehen wird, auch als 'Nobeltanzen'
unterschieden, war wesentlich Menuetttanz, den die
Zöglinge unter sich lernten. Im Jahr 1772 wurden auch Preise im
Menuetttanzen erteilt, weiterhin aber nicht mehr. In demselben Jahr wurden
auch an einem Abend der Prüfungstage von 60 Eleven zwei Balletts getanzt.
Später scheinen nur die für den Tänzerberuf bestimmten Zöglinge an solchen
Aufführungen teilgenommen haben.
Das Fechten wurde im Jahr 1771 mit den älteren
Zöglingen, seit 1774 an einer der drei obersten vorbereitenden Abteilungen
begonnen und bis 1783 durch die übrigen Abteilungen hindurch in 1, bei den
militärischen in 2 Wochenstunden als Pflichtfach betrieben. Seit 1783 war es
nur für die militärischen Abteilungen Pflichtfach mit je 2 Wochenstunden;
die übrigen Zöglinge erhielten den Unterricht in 1 Wochenstunde, und zwar
wahrscheinlich nur die philosophischen Abteilungen als Pflicht-, die übrigen
als freiwilliges Fach. Die Lehrer waren anfangs die in Stuttgart wohnenden
Fechtmeister Labarte und Vorfechter
Andler, seit 1773 Fechtmeister
Malté (geb. 1732 zu Narbonne); es wurde
Florettfechten 'nach französischer Methode' geübt.
Duelle waren aber streng verboten und sind nicht vorgekommen.
Das Reiten wurde im Jahre 1771 mit den ältesten
Zöglingen begonnen und 1774-78 an den 5-7 obersten Abteilungen, 1781 und 82
erst in den Bestimmungsabteilungen gelehrt, und zwar in allen diesen
Abteilungen mit je 1, in den militärischen mit 2 Wochenstunden als
Pflichtfach, gewöhnlich im Reithaus der Anstalt; zuweilen wurden auch
Spazierritte gestattet. Seit 1783 war es bei den militärischen Abteilungen
Pflichtfach; wie weit es bei den andern Abteilungen Pflichtfach oder
freiwillig war, ist nicht sicher zu ersehen. - Als Reithaus des Instituts
diente in Stuttgart das frühere 'Futterhaus', das 1775 für diese Bestimmung
umgebaut wurde (später als 'Redoutensaal' eingerichtet, auf dem Platz des
heutigen Königsbaus). Die Lehrer waren - mit Unterstützung durch herzogliche
Bereiter - Hof- und Akademiestallmeister Vischer
(Joh. Eberhard Ludwig, geb. 1730 zu Ludwigsburg, früher Stallmeister in
verschiedenen Stellungen, 1781 Rang eines Rittmeisters) von 1771 bis zu
seinem Tod 1788; dann dessen Nachfolger Bühler
bis 1794. Von letzterem findet sich 1789-92 auch eine Vorlesung angekündigt
'Über die Reitkunst in ihrem ganzen Umfange mit Erklärung der
Naturgeschichte des Pferdes', von 1792 an als 'Theoretischer Unterricht in
der Pferdewissenschaft bezeichnet."
(aus:
Hauber 1907/1909, S.77-78, gekürzt)
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
10.09.2023