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Die Karlsschule - Textauswahl

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Gustav Hauber (1907)


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Württemberg zur Zeit Herzog Carl Eugens (1728-1793)
Die Karlsschule
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Die Schüler der Karlsschule
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Ständische Ungleichheit
Umzug nach Stuttgart 1775
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"Als Abschluss des vorbereitenden und gemeinsamen Unterrichts mögen hier noch die Leibesübungen eingefügt werden.

Diese waren an der Karlsschule, zumal bei der großen Zahl von Lehr- und Arbeitsstunden, die sitzend zugebracht wurden, ein auch von der Leitung der Anstalt lebhaft anerkanntes Bedürfnis. Zunächst konnte dafür, was von den Stunden von 11-2 und abends von 6-9 Uhr nicht durch Anzug, 'Rangieren' und die Mahlzeiten ausgefüllt war, in freier Weise benützt werden, und die Anstalt besaß gute Einrichtungen: die großen Höfe des Gebäudes und der Rangiersaal boten reichlich Raum zum Spielen, Springen und Ringen; es wurden englische, französische und deutsche Spiele, besonders Ballspiele, teilweise unter Leitung und Mitwirkung des Aufsichtspersonals gespielt, auch zum Voltigieren waren Einrichtungen vorhanden, ferner im Garten die drei Seen zum Baden und Schwimmen - wozu im Sommer wöchentlich 2-3mal Doppelstunden bewilligt, auch Schwimmunterricht erteilt wurde - und zum Rudern auf dazu vorhandenen Booten. Zeitweise wurde auch (nachmittags 1-2 Uhr) unter dem Befehl der Aufseher exerziert, was für die künftigen Militärs, aber auch für die übrigen Zöglinge werden der in der Anstalt herrschenden militärischen Formen notwendig war. Sonntag nachmittags und häufig auch werktags nach Tisch wurden in militärischer Ordnung Spaziergänge gemacht.

Aber auch im Unterrichtsplan waren besondere Stunden für Leibesübungen ausgesetzt, und zwar für Tanzen, Fechten und Reiten. Eigentlich bilden diese Übungen hier nur einen verkümmerten Ausläufer der in der älteren Ritterakademien in weit größerem Umfang betriebenen ritterlichen Übungen; doch werden sie in den Lehrplänen nie unter diesem Gesichtspunkt, sondern lediglich unter dem der Körperbewegung aufgeführt und bilden also einen Ersatz für das damals noch ganz unbekannte heutige Turnen.

Das Tanzen wurde von 1771 an in den untersten Abteilungen mit 4, 3 und 2, vom 4. oder 5. Jahr an durch alle weiteren Studienjahre hindurch in 1 Wochenstunde als Pflichtfach betrieben, großenteils wechselweise mit Fechten, Reiten und Zeichnen; seit 1783 scheint es von den philosophischen Abteilungen an freiwilliges Fach gewesen zu sein. Die Lehrer ('Danzmeister') waren Malter, Sohn (geb. 1731 zu Ludwigsburg), 1771-86, Kösel (geb, 1756 zu Ludwigsburg) 1775-94, beide Tänzer am Theater; [...] Der Tanz, von dem Theatraltanz, von dem hier abgesehen wird, auch als 'Nobeltanzen' unterschieden, war wesentlich Menuetttanz, den die Zöglinge unter sich lernten. Im Jahr 1772 wurden auch Preise im Menuetttanzen erteilt, weiterhin aber nicht mehr. In demselben Jahr wurden auch an einem Abend der Prüfungstage von 60 Eleven zwei Balletts getanzt. Später scheinen nur die für den Tänzerberuf bestimmten Zöglinge an solchen Aufführungen teilgenommen haben.
Das Fechten wurde im Jahr 1771 mit den älteren Zöglingen, seit 1774 an einer der drei obersten vorbereitenden Abteilungen begonnen und bis 1783 durch die übrigen Abteilungen hindurch in 1, bei den militärischen in 2 Wochenstunden als Pflichtfach betrieben. Seit 1783 war es nur für die militärischen Abteilungen Pflichtfach mit je 2 Wochenstunden; die übrigen Zöglinge erhielten den Unterricht in 1 Wochenstunde, und zwar wahrscheinlich nur die philosophischen Abteilungen als Pflicht-, die übrigen als freiwilliges Fach. Die Lehrer waren anfangs die in Stuttgart wohnenden Fechtmeister Labarte und Vorfechter Andler, seit 1773 Fechtmeister Malté (geb. 1732 zu Narbonne); es wurde Florettfechten 'nach französischer Methode' geübt. Duelle waren aber streng verboten und sind nicht vorgekommen.

Das Reiten wurde im Jahre 1771 mit den ältesten Zöglingen begonnen und 1774-78 an den 5-7 obersten Abteilungen, 1781 und 82 erst in den Bestimmungsabteilungen gelehrt, und zwar in allen diesen Abteilungen mit je 1, in den militärischen mit 2 Wochenstunden als Pflichtfach, gewöhnlich im Reithaus der Anstalt; zuweilen wurden auch Spazierritte gestattet. Seit 1783 war es bei den militärischen Abteilungen Pflichtfach; wie weit es bei den andern Abteilungen Pflichtfach oder freiwillig war, ist nicht sicher zu ersehen. - Als Reithaus des Instituts diente in Stuttgart das frühere 'Futterhaus', das 1775 für diese Bestimmung umgebaut wurde (später als 'Redoutensaal' eingerichtet, auf dem Platz des heutigen Königsbaus). Die Lehrer waren - mit Unterstützung durch herzogliche Bereiter - Hof- und Akademiestallmeister Vischer (Joh. Eberhard Ludwig, geb. 1730 zu Ludwigsburg, früher Stallmeister in verschiedenen Stellungen, 1781 Rang eines Rittmeisters) von 1771 bis zu seinem Tod 1788; dann dessen Nachfolger Bühler bis 1794. Von letzterem findet sich 1789-92 auch eine Vorlesung angekündigt 'Über die Reitkunst in ihrem ganzen Umfange mit Erklärung der Naturgeschichte des Pferdes', von 1792 an als 'Theoretischer Unterricht in der Pferdewissenschaft bezeichnet."

(aus: Hauber 1907/1909, S.77-78, gekürzt)

(im Fettdruck hervorgehobene Wörter und Textpassagen im Original gesperrt)

Württemberg zur Zeit Herzog Carl Eugens (1728-1793)
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Die Schüler der Karlsschule
Erziehung und militärischer Drill
Lehr- und Unterrichtspraxis
Privatleben - Fehlanzeige
Ständische Ungleichheit
Umzug nach Stuttgart 1775
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.09.2021

   
   Arbeitsanregungen
  1. Arbeiten Sie heraus, unter welchen Voraussetzungen und Bedingungen der Sportunterricht an der Karlsschule stattgefunden hat.

  2. Welche Ziele verfolgt der Sportunterricht in Württemberg? - Wie beurteilen Sie diese?

  3. Vergleichen Sie die Ziele und Unterrichtspraxis mit heute.

   
 

 
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