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Texthandlungstyp Argumentieren

Reformulieren

Textprozeduren - Texthandlungstypen mit ihren Subhandlungsschemata (indem-Relationen)


DIDAKTIK
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Reformulieren stellt neben dem ▪ Positionieren, dem ▪ Begründen und Schließen dem ▪  Konzedieren und dem ▪ Modalisieren eines der wichtigsten Subhandlungsschemata beim ▪ Argumentieren als Texthandlungstyp und einer ▪ argumentativen Themenentfaltung dar.

Der Begriff der Reformulierung wird im Übrigen in der • Schreibdidaktik auch im Kontext der • Überarbeitungskompetenz (Revisionskompetenz) verwendet und steht dann für eine • Revisionsklasse bei der konzeptionellen Textrevision (Überarbeitung) zur Neufassung bzw. Umsetzung von Texten. Die entsprechenden • Revisionshandlungen beziehen sich auf die Textebene und die Neufassung ganzer Abschnitte, die Verfolgung eines neuen Schreibziels, die neue thematische Planung oder können die Erstellung eines vollständig neuen "Schreibhandlungsplans" umfassen.

In der ▪ textprozedurenorientierten Schreibdidaktik  ist das Reformulieren als • Subhandlungsschema des Argumentierens eine • leserbezogene Textprozedur, die ihren kommunikativen Zweck mit bestimmten lexikalischen und/oder syntaktischen Prozedurausdrücken zu erreichen sucht. Im Grunde geht es dabei um das, was ansonsten als • Redewiedergabe oder auch als • Rekapitulation bezeichnet wird.

In der ▪ textprozedurenorientierten Schreibdidaktik wird der Terminus Reformulierung u. a. deshalb anstelle des Begriffs der Redewiedergabe verwendet, um zu unterstreichen, "dass es in pragmatischer Perspektive nicht in erster Linie darum geht, etwas bereits Geäußertes wiederzugeben, sondern für den eigenen Textzusammenhang zu in neuer Weise nutzen [sic!]. Dazu wird der Ausdruck, auf den Bezug genommen wird, durch eigene Formulierungen gerahmt (auch bei direkten Zitaten) und mehr oder weniger stark verändert" (Steinseifer 2014, S.99, Anm. 1)

Die eigentliche Hauptfunktion dieser Reformulierungsrahmen, so sieht es Steinseifer 2014, 208), besteht in Bezug auf die reformulierten Äußerungen nicht in der Markierung als Wiedergabe, sondern darin soll das Wiedergegebene in dialogisch-argumentativen Textzusammenhängen zu qualifizieren.


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Beim Reformulieren als • Textprozedur steht der Reformulierungsrahmen im Mittelpunkt. Der Terminus zielt auf die beim Reformulieren verwendeten sprachlichen Formulierungen, die als Rahmenausdrücke (vgl. Keseling 1987, 1993) bezeichnet werden.

Man gibt, um es mit dem textprozedurentypischen Handlungsschema der indem-Relation auszudrücken, die Rede eines Dritten oder einen Text, dadurch wieder bzw. reformuliert diese, indem man bestimmte Rahmenausdrücke verwendet. Erfahrenere Schreiber*innen besitzen davon ein deutlich größeres Repertoire als ungeübte.  (Gätje/Rezat/Steinhoff 2012)

Die Prozedurausdrücke bzw. Formulierungen, um die es bei der Rede- bzw. Textwiedergabe geht, haben dabei, eine "Scharnierfunktion zwischen fremdem und eigenem Text" (Steinseifer 2014, S.207).

In Frage kommen dabei u. a.

  • Objektsätze, die in den jeweiligen Reformulierungsrahmen integriert sind (z. B. er stellt klar, dass ...; sie weist darauf hin, dass ...; sie fordert, dass ...; er räumt ein, dass ...; sie befürchtet, dass...)

  • Nominalphrasen, die zur Argumentationsstruktur der jeweiligen Rahmenverben gehören (z. B. er führt ... an; Die Autorin legt auf ... besonderes Gewicht)

  • Wiedergaben, die von Nominalphrasen abhängen (z. B. die Behauptung, dass ...; die Schlussfolgerung, dass...; der Hinweis darauf, dass...; mit dem Argument, dass ...) (vgl. Steinseifer 2014, S.206)

Referieren, Qualifizieren und Diskutieren: Subhandlungen beim Referieren

Steinseifer (2014, S.208) unterscheidet, bewusst vereinfacht, wie er betont, drei verschiedene "Grundfälle" des Reformulierens: Referieren, Qualifizieren und Diskutieren.

Referieren

Wenn eine Äußerung bzw. Textstelle referiert wird, ist dies eine quasi neutrale Einbettung des Wiedergegebenen in den eigenen Text, ohne dass mit den dafür verwendeten Rahmenausdrücken eine Bewertung bzw. Qualifizierung des Wiedergegebenen vorgenommen wird. Mit den Verben sagen oder schreiben wird diese Art Wiedergegebenes zu referieren ebenso vorgenommen wie mit laut dem Autor X/der Autorin Y, nach dem Autor X/der Autorin Y oder so der Autor X/die Autorin Y.

Bewerten bzw. Qualifizieren

Eine wiedergegebene Äußerung oder Textstelle kann aber auch durch entsprechende Rahmenausdrücke bewertet bzw. qualifiziert werden. Dafür gibt es eine Vielzahl von Verben, aber auch andere sprachlich-stilistische Formen. Solche Bewertungen können sich auf unterschiedliche Aspekte beziehen.

So kann man mit Verben wie z. B. fordern, fragen, argumentieren, bezweifeln oder befürchten, dem Autor bzw. der Autorin eine bestimmte Sprachhandlung (Sprechakt) unterstellen bzw. zuschreiben, die der Autor bzw. die Autorin so nicht explizit markiert hat. So kann man z. B. qualifizierend referieren: "Die Autorin befürchtet, dass ...; Der Autor warnt davor, dass ...; Die Autoren bezweifeln, dass ... etc.)

Wenn man Verben wie behaupten, glauben oder meinen im Reformulierungsrahmen verwendet, kann man die eigene Distanz zu dem Wiedergegebenen signalisieren und zugleich die Geltung des Wiedergegebenen bis zu einem gewissen Grade, ohne weitere sprachlich-stilistische Mittel, vor dem Hintergrund des eigenen Wissens in Zweifel ziehen.

Verben wie z. B. anmerken, betonen, insistieren, hervorheben, resümieren oder anmerken "kann der Status des Wiedergegebenen im Zusammenhang des Bezugstextes näher bestimmt werden." (Steinseifer 2014, S.209)

Unter dem Blickwinkel der ▪ pragmatisch-textlinguistischen Stilistik (Sandig 1986, 22006)können • Bewertungen als ▪(text-)stilistische Handlungsmuster betrachtet werden, mit denen der Schreiber bzw. die Schreiberin beim Reformulieren seine ▪ thematische Einstellung, wie Brinker (92018) dies nennt, auf verschiedene Art und Weise zum Ausdruck bringen. Sie reichern damit ▪ die Textfunktion mit stilistischem Sinn so an, dass die vollzogene Sprachhandlung Handlung dadurch insgesamt komplexer und im Hinblick auf das jeweilige kommunikative Argumentationsziel optimiert wird. (vgl. Sandig 22006, S.149)

So kann man z. B. neben Formulierungen, die eine Bewertung über die Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit des Wiedergegebenen abgeben (z. B. der Autor glaubt zu wissen)

  • Angaben zum Sicherheitsgrad seines Wissens machen mit Adverbien wie (tatsächlich, bestimmt, gewiss, offensichtlich, vielleicht, keinesfalls), z. B. Für den Autor ist es vollkommen offensichtlich, dass ...

  • positive oder negative Wertungen vornehmen (z. B. Die Autoren lehnen sich mit ihrer Behauptung weit zum Fenster hinaus, wenn sie sagen, dass ...)

  • seine psychische Haltung zum Wiedergegebenen signalisieren (bedauern, erfreut sein); (z. B. Erfreulicherweise betont der Autor ...)

Diskutieren

Wenn eine wiedergegebene Äußerung oder Textstelle diskutiert wird, dann bezieht sich die Reformulierungsprozedur in besonders ausgeprägter, meistens expliziter Weise auf den argumentativen Zusammenhang, in dem das Wiedergegebene steht.

Verben wie z. B. zustimmen, einräumen, widersprechen oder kritisieren können das Diskutieren im Reformulierungsrahmen realisieren. Zumindest ebenso üblich sind aber auch nominale Rahmenkonstruktionen, wenn z. B. Beziehungen zwischen mehreren Bezugstextaussagen hergestellt und bewertet werden. ( z. B. Im Gegensatz zur Auffassung von X sieht Y in der Tatsache, dass,,,; Die Autorin spricht sich gegen die These aus, wonach ...; Während X betont, dass..., hält Y daran fest, dass ,,,)

Varianten des Reformulierens beim Texthandlungstyp Argumentieren

Wenn Reformulierungen im Rahmen des Argumentierens in einem eigenen Text zum Einsatz kommen, lassen sich nach Steinseifer (2014, S.214) drei Varianten unterscheiden: Integrieren, Systematisieren und Positionieren.

(Bestätigendes)
 Integrieren

(Vergleichendes)
Systematisieren

(Kritisches)
Positionieren

die Wiedergabe steht anstelle einer vom Autor bzw. der Autorin selbst formulierten Konsequenz bzw. Schlussfolgerung

Hauptanliegen ist Stützung der eigenen Argumentation

Aussagen und Positionen anderer Texte werden über die Wiedergabe hinaus in eine argumentative Ordnung gebracht

Autor/-in geht es vor allem darum, seine eigene Position und ihren Geltungsanspruch zu entwickeln

z. B. • Argumente aus der Autorität (Autoritätsbeweise)

typisch: bewertende/ qualifizierende und diskutierende Reformulierungen werden mit z. B. mit Prozeduren des intertextuellen Vergleichens oder des • Konzedierens verknüpft

z. B. Die Position von X erinnert daran, was auch Y vertritt. - Im Gegensatz zu ... / Während X behauptet, ... sieht Y ...

oft kritische Bemerkungen zu dem Inhalt des Wiedergegebenen, denen die eigene Argumentation gegenübergestellt wird;

z. B. Die These der Autorin erscheint nicht differenziert genug.

Hauptanliegen ist Stützung der eigenen Argumentation

Was das Reformulieren als Textprozedur im Zusammenhang mit dem • Argumentieren angeht, das hier in diesem Arbeitsbereich im Vordergrund steht, so ist zu beobachten, dass die Reformulierung, wenngleich man beim • Argumentieren sehr häufig die Äußerungen Dritter wiedergibt, in der entsprechenden Argumentationsdidaktik eine sehr rudimentäre Rolle spielt. Diese orientiert sich nämlich in der Regel an Einzelargumentationen, die sie mit unterschiedlichen Argumentationsmodellen (z. B. Argumentationsmodell von Stephen Toulmin,einfache / erweiterte Argumentation, formal-logische Ansätze). Fünfsatz betrachtet.

Dagegen stellt Steinseifer (2014, S.216) sein curricular ausgerichtetes didaktisches Modell, das Wiedergeben, Reformulieren und Argumentieren von der Sekundarstufe I angefangen bis hin zum Studium aufeinander beziehen soll. Dabei setzt es "bei exemplarischen Textformen an, die sich als Ausgangspunkte für die Reflexion einzelner Aspekte und Teilfunktionen argumentationsbezogenen Reformulierens eignen."

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.05.2025

 
 

 
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