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Positionieren stellt
neben dem ▪ Begründen und Schließen, dem
▪
Konzedieren, dem ▪
Modalisieren und dem ▪
Reformulieren eines der wichtigsten Subhandlungsschemata beim
▪ Argumentieren als Texthandlungstyp und
einer ▪
argumentativen Themenentfaltung dar.
Das kommunikative
Handlungsschema verbindet sich als ▪
Textprozedur dabei mit einer Reihe
verschiedener sprachlicher Ausdrucksformen, die auf Wort- (lexikalisch)
oder auf Satzebene (syntaktisch) in verschiedenen Textsorten und
Textmustern für die verschiedenen Kommunikationsbereiche, stilistisch
überformt, verdeutlichen, dass man eine bestimmte Position zu einer Person, einem Ereignis, einem Sachverhalt oder Problem einnimmt. Die
Positionierungsprozedur mit ihren Prozedurausdrücken sagt dabei nichts
über die Wahrheit, logische Gültigkeit oder die Berechtigung bzw.
Legitimation des vertretenen Standpunktes aus. Dafür sind ohnehin andere
Subhandlungsschemata wie z. B. das
• Begründen und
Schließen
"zuständig".
Allerdings stellen die
Prozedurausdrücke, die bei beiden •
Textprozeduren verwendet werden, lediglich "routinehafte
funktionale Textbausteine" (Feilke/Rezat
2020) für das Schreiben und das Verstehen argumentierender Texte dar.
Beim Schreiben dienen sie dazu, entsprechende Texte bestimmter
Textmuster mit
•
argumentativer Themenentfaltung
zu generieren. Dazu lassen sie mit den Textprozeduren und ihrer
sprachlichen Ausdruckstypik eine Art Leerstellen (Slots), die mit mehr
oder weniger komplexen Inhalt gefüllt werden müssen, wenn man bestimmte
Adressaten eines
Kommunikationsbereichs und einer spezifischen
Kommunikationssituation in ihren Handlungen oder Einstellungen
beeinflussen will.
Typische Prozedurausdrücke für die Positionierungsprozedur sind u. a.
-
Ich finde, dass ...
-
Meiner Meinung nach ...
-
Meines Erachtens ...
Differenziert man die die
Texthandlung des Positionierens weiter kann man für Subhandlungsschemata
wie "Zustimmen, Bestreiten, Nachfragen, Problematisieren, Zurückweisen,
Gegenvorschlag, 'Gegenbehauptung' und vieles andere" (Pohl
2007, S.354) weitere Prozedurausdrücke finden, die im besten Fall
aus entsprechenden Texten extrahiert worden sind.
Mit
der
• Reformulierungsprozedur kann mit verschiedenen
Rahmenausdrücken
zum Ausdruck gebracht werden, dass sich ein Autor bzw. eine Autorin zu
einem bestimmten Thema, Ereignis, Sachverhalt, Problem oder auch
gegenüber einer bestimmten Person positioniert.
Entsprechende Prozedurausdrücke, mit denen die
Reformulierung (Textwiedergabe) beginnt und die zugleich die Positionierung eines
Autors bzw. einer Autorin markieren, sind u. a.
-
Der/die Verfasser/in findet, dass...
-
Der/die Verfasser/in meint dazu, ...
-
Seiner/ihrer Meinung nach ...
-
Seines/ihres Erachtens ..
Das Repertoire an
verfügbaren Positionierungsprozeduren nimmt in der Kindheit und Jugend
mit dem Alter zu und hängt allgemein von der Schreiberfahrung ab. In den
unteren Jahrgangsstufen, in denen die entsprechenden Kompetenzen
erworben werden, werden von den Kindern vor allem
Positionierungsprozeduren verwendet, wie sie in der mündlichen Sprache
verwendet werden. Beim Positionieren greifen sie auf in der mündlichen
Kommunikation erprobte Muster wie z. B. "Ich finde Wandern doof."
Man spricht bei diesem Muster (ich finde + NP + Adj.) von einer
implizit-verbalen
Positionierungsprozedur, weil "syntaktisch keine Trennung von
Sprechereinstellung und
Proposition"
(Gätje/Rezat/Steinhoff
2012, S.139) vorgenommen wird.
In höheren Alters- bzw.
Jahrgangsstufen und mit zunehmender Schreiberfahrung verwenden die
Schülerinnen und Schüler dagegen Positionierungsprozeduren, die an der
Schriftlichkeit orientiert sind. Es sind dann explizit-verbale oder
explizit-nominale Prozeduren wie z. B. Ich bin der Ansicht, dass, ich
meine, dass ... etc.) (vgl.
ebd., S.138ff.)
Später, in der
Sekundarstufe II und im Studium erweitert sich gewöhnlich das Repertoire
nominaler Prozeduren weiter und wird dabei auch weiter ausdifferenziert.
(vgl.
ebd., S.140) Dabei kommt es bei der "Ausdifferenzierung auf verbaler
und nominaler Ebene" zu einer "funktionale(n) Erweiterung von einer
evaluativen zu einer epistemischen Positionierung". (ebd.,
S.140). Was also zunächst vor allem zur Bewertung dient, wird mit dem
eigenen Wissen verbunden.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
04.05.2025
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