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Texthandlungstyp Argumentieren

Positionieren

Textprozeduren - Texthandlungstypen mit ihren Subhandlungsschemata (indem-Relationen)


DIDAKTIK
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Formulierungen zur Beschreibung von Gedankengängen (Textbausteine)
Überblick
Gedankengänge allgemein beschreiben

eine Begründung geben
eine Bedingung angeben
Absicht und Zweck ausdrücken

eine Folge ausdrücken oder eine Folgerung ziehen
etwas einräumen
eine Meinung abgeben, etwas beurteilen oder bewerten
Gewissheit, Zweifel oder Vermutungen ausdrücken
etwas zustimmen oder mit etwas übereinstimmen
Ablehnung oder Widerspruch zeigen
eine Forderung erheben oder einen Vorschlag machen
auf etwas vor- oder zurückverweisen
etwas besonders hervorheben

Kompetenzerwerb beim Argumentieren
Argumentative Grundkompetenzen und besondere Kompetenzen beim schriftlichen Argumentieren
Textordnungsmuster zur Strukturierung beim schriftlichen Argumentieren

Thematische Entfaltung
Überblick
Deskriptive Themenentfaltung
Narrative Themenentfaltung
Explikative Themenentfaltung
Argumentative Themenentfaltung

Plausible Muster der Alltagsargumentation
Überblick
Ursache-Wirkungs-Muster
Autoritätsmuster

Positionieren stellt neben dem ▪ Begründen und Schließen, dem ▪ Konzedieren, dem ▪ Modalisieren und dem ▪ Reformulieren  eines der wichtigsten Subhandlungsschemata beim ▪ Argumentieren als Texthandlungstyp und einer ▪ argumentativen Themenentfaltung dar.

Das kommunikative Handlungsschema verbindet sich als ▪ Textprozedur dabei mit einer Reihe verschiedener sprachlicher Ausdrucksformen, die auf Wort- (lexikalisch) oder auf Satzebene (syntaktisch) in verschiedenen Textsorten und Textmustern für die verschiedenen Kommunikationsbereiche, stilistisch überformt, verdeutlichen, dass man eine bestimmte Position zu einer Person, einem Ereignis, einem Sachverhalt oder Problem einnimmt. Die Positionierungsprozedur mit ihren Prozedurausdrücken sagt dabei nichts über die Wahrheit, logische Gültigkeit oder die Berechtigung bzw. Legitimation des vertretenen Standpunktes aus. Dafür sind ohnehin andere Subhandlungsschemata wie z. B. das  Begründen und Schließen "zuständig".

Allerdings stellen die Prozedurausdrücke, die bei beiden • Textprozeduren verwendet werden, lediglich "routinehafte funktionale Textbausteine" (Feilke/Rezat 2020) für das Schreiben und das Verstehen argumentierender Texte dar.

Beim Schreiben dienen sie dazu, entsprechende Texte bestimmter Textmuster mit argumentativer Themenentfaltung  zu generieren. Dazu lassen sie mit den Textprozeduren und ihrer sprachlichen Ausdruckstypik eine Art Leerstellen (Slots), die mit mehr oder weniger komplexen Inhalt gefüllt werden müssen, wenn man bestimmte Adressaten eines Kommunikationsbereichs und einer spezifischen Kommunikationssituation in ihren Handlungen oder Einstellungen beeinflussen will.

Typische Prozedurausdrücke für die Positionierungsprozedur sind u. a.

  • Ich finde, dass ...

  • Meiner Meinung nach ...

  • Meines Erachtens ...

Differenziert man die die Texthandlung des Positionierens weiter kann man für Subhandlungsschemata wie "Zustimmen, Bestreiten, Nachfragen, Problematisieren, Zurückweisen, Gegenvorschlag, 'Gegenbehauptung' und vieles andere" (Pohl 2007, S.354) weitere Prozedurausdrücke finden, die im besten Fall aus entsprechenden Texten extrahiert worden sind.

Positionieren und Reformulieren

Mit der • Reformulierungsprozedur kann mit verschiedenen Rahmenausdrücken zum Ausdruck gebracht werden, dass sich ein Autor bzw. eine Autorin zu einem bestimmten Thema, Ereignis, Sachverhalt, Problem oder auch gegenüber einer bestimmten Person positioniert.

Entsprechende Prozedurausdrücke, mit denen die Reformulierung (Textwiedergabe) beginnt und die zugleich die Positionierung eines Autors bzw. einer Autorin markieren, sind u. a.

  • Der/die Verfasser/in findet, dass...

  • Der/die Verfasser/in meint dazu, ...

  • Seiner/ihrer Meinung nach ...

  • Seines/ihres Erachtens ..

Entwicklung von einer evaluativen zur epistemischen Positionierung

Das Repertoire an verfügbaren Positionierungsprozeduren nimmt in der Kindheit und Jugend mit dem Alter zu und hängt allgemein von der Schreiberfahrung ab. In den unteren Jahrgangsstufen, in denen die entsprechenden Kompetenzen erworben werden, werden von den Kindern vor allem Positionierungsprozeduren verwendet, wie sie in der mündlichen Sprache verwendet werden. Beim Positionieren greifen sie auf in der mündlichen Kommunikation erprobte Muster wie z. B. "Ich finde Wandern doof." Man spricht bei diesem Muster (ich finde + NP + Adj.) von einer implizit-verbalen Positionierungsprozedur, weil "syntaktisch keine Trennung von Sprechereinstellung und Proposition" (Gätje/Rezat/Steinhoff 2012, S.139) vorgenommen wird.

In höheren Alters- bzw. Jahrgangsstufen und mit zunehmender Schreiberfahrung verwenden die Schülerinnen und Schüler dagegen Positionierungsprozeduren, die an der Schriftlichkeit orientiert sind. Es sind dann explizit-verbale oder explizit-nominale Prozeduren wie z. B. Ich bin der Ansicht, dass, ich meine, dass ... etc.) (vgl. ebd., S.138ff.)

Später, in der Sekundarstufe II und im Studium erweitert sich gewöhnlich das Repertoire nominaler Prozeduren weiter und wird dabei auch weiter ausdifferenziert. (vgl. ebd., S.140) Dabei kommt es bei der "Ausdifferenzierung auf verbaler und nominaler Ebene" zu einer "funktionale(n) Erweiterung von einer evaluativen zu einer epistemischen Positionierung". (ebd., S.140). Was also zunächst vor allem zur Bewertung dient, wird mit dem eigenen Wissen verbunden.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 04.05.2025

 
 

 
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