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Aspekte der Szenenanalyse

Adamsfall und biblischer Sündenfall

Heinrich von Kleist Der zerbrochne KrugHandlungsverlaufEinzelne SzenenErster Auftritt

 
Fachbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund • Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
Stoffgeschichte Komposition des Dramas Handlungsverlauf Überblick Analytische DramenstrukturSzenenüberblick Einzelne SzenenÜberblick Erster Auftritt Text Didaktische und methodische Aspekte [ Aspekte der Szenenanalyse Überblick Inhaltliche Gliederung der Szene Informationsvergabe im Rahmen der Exposition Adam und Licht: Versicherung gegenseitiger Loyalität Adamsfall und biblischer Südenfall Blankversgestaltung V 1-15 Vergleichende Analyse von Inszenierungen der Szene  ] Bausteine Fragen und Antworten (KI)  2. Auftritt 3. Auftritt 4. Auftritt 5. Auftritt 6. Auftritt 7. Auftritt 8. Auftritt 9. Auftritt 10. Auftritt 11. Auftritt 12. Auftritt 13. Auftritt Variant (12. Auftritt) Bausteine Bausteine Figurenkonstellation Einzelne Figuren Sprachliche Form Weitere Aspekte der Analyse Rezeptionsgeschichte Interpretationsansätze Bausteine Textauswahl Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet Sonstige Texte BausteineLinks ins Internet ...   Schreibformen Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

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In Heinrich von Kleists (1777-1811) • Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ , erklärt Tina-Karen Pusse (2013, S.367), "stolpert und stürzt es allenthalben. Mal mit tragischem, mal mit komischem Ausgang kämpft das Personal gegen die Gesetze der Schwerkraft". Dabei markiere die ständige Präsenz des Motivs des Falls seine Abkehr von der Wissenschaft als alleiniger Lebensorientierung und die Hinwendung zu Kunst- und Moraltheorie. Diese wiederum steht im Zusammenhang mit verschiedenen biografischen Ereignissen und Einflüssen, wie z. B. Kleists Rezeption der französischen und der deutschen Aufklärung, allen voran der Lehren des »Königsberger Philosophen »Immanuel Kant (1724-1804), die zu seiner so genannten • Kant-Krise beigetragen haben und damit zu einem der entscheidenden Wendepunkte in seinem Leben (vgl. Schulz 2007/2011, S.208)

In diesem Zusammenhang spielt auch seine Deutung der »biblischen »Paradieserzählung von Adam und Eva und die Erzählung vom »Sündenfall im 1. Buch Moses (Genesis) eine große Rolle, die den Hintergrund für die Gedanken bilden, die Kleist in seinem philosophischen Essay ›Über das Marionettentheater‹ entwickelt.

Auch Heinrich von Kleists (1777-1811) Komödie "Der zerbrochne Krug" weist zahlreiche biblische Anspielungen auf.

In den Namen der Figuren des Dorfrichters • Adam und • Eve (Eva), der Tochter • Marthe Rulls, nimmt Kleist direkt Bezug auf das dem »biblischen Schöpfungsbericht nach »erste Menschenpaar (Adam und Eva), das von Gott nach dem so genannten »Sündenfall aus dem Paradies vertrieben worden sein soll. Aber auch sonst hat das • Motiv des biblischen Sündenfalls eine große Bedeutung für das Stück.

Auf diesen ersten ›Sündenfall‹ ist, so betont Fülleborn (2004, S.94) ist "die ›Dreiecksgeschichte‹ Adam-Eve-Ruprecht (von Anfang an) zurückbezogen. Und alles, was in dem Drama geschieht, findet gemäß Kleists universalgeschichtlichem Grundmythos diesseits des ›Paradieses‹ statt." In dieser Situation entwickle sich vor allem das Motiv der zwischenmenschlichen Gewalt als eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des ›Bösen‹. Das Böse, um das es im ›Zerbrochnen Krug‹ vor allem gehe, zeige sich in aller Krassheit als ein frevelhaftes Verfügen über den andern, als possessives Verhalten. Denn wenn sich eine kritikbedürftige, der Wirklichkeit mit Besitzanspruch begegnende Einstellung, die man als Besitzdenken kennzeichnen könne, am deutlichsten darin offenbare, dass es Menschen, Dinge und Situationen für subjektive Zwecke manipuliere, so liefere der Dorfrichter mit seiner Erpressung • Eves durch den gefälschten Gestellungsbefehl für • Ruprecht nach Batavia eines der besten Exempel hierfür.

In dem alttestamentarischen Mythos spielt das Motiv der Verführung eine besondere Rolle: Eva, die Frau Adams, wird von einer Schlange verführt und verleitet trotz des göttlichen Verbots Adam dazu, eine Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen.

Dabei kehrt die Handlung von Kleists Komödie diesen Mythos vom Sündenfall nicht nur einfach spiegelbildlich um und parodiert ihn. Zwar ist • Eve in dem Stück keine Verführerin wie die biblische Eva, • Adam andererseits aber ein Verführer, wenn man darunter im Wortsinne versteht, • Eve dazu zu bringen, etwas Unkluges, Unrechtes, Unerlaubtes gegen ihre eigentliche Absicht zu tun. Die Wortwahl in ihrer strukturell wertfrei wirkenden Dichotomie von Verführern und Verführten selbst aber scheint verhüllen zu wollen, was • Adam wirklich tut: Er will völlig skrupellos • Evemit sexualisierter Gewalt zu sexuellen Handlungen nötigen, die sie nicht will. Sein "Adamsfall" besteht eben darin, dass er die junge • Eve erpresst, um seine Gelüste gegen ihren Willen zu befriedigen. Die biblische Eva hingegen ist, so sehen es • zahlreiche historische Abbildungen, eine "klassische" Verführerin, die auf ihre sexuellen Reize setzt, um Adam zum Sündenfall zu verleiten.

Es ist der Schreiber • Licht, der schon im ersten Auftritt auf den biblischen Namensvetter des Dorfrichters hinweist, als er die ersten Ausflüchte Adams wegen seines desolaten Zustandes mit der Bemerkung kommentiert: "Ihr stammt von einem lockern Ältervater, / Der so beim Anbeginn der Dinge fiel, / Und wegen seines Falls berühmt geworden“. (V 9ff.)

Wenig später macht sich der Schreiber angesichts der wirren Ausreden des Dorfrichters über seinen angeblichen Sturz aus dem Bett dadurch lustig, dass er diesen als "Adamsfall" bezeichnet: "Der erste Adamsfall, / Den Ihr aus einem Bette hinaus getan". (V 62)


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Zugleich spielt • Licht damit auch darauf an, dass dieser seltsame Fall aus dem Bett wohl Adams Lüsternheit (• Motiv des lüsternen Alten) zuzuschreiben ist. Nur dieser scheint es geschuldet, dass er nicht wie sonst müde in sein Bett, sondern anderer Bedürfnisse wegen aus dem Bett gefallen zu sein scheint. Die Schrammen und Verletzungen, die er sich beim "Adamsfall" zugezogen hat, symbolisieren seinen eigentlichen inneren "Sündenfall", der darin besteht, dass er die junge • Eve ohne jeden Skrupel • zum Sex zwingen will.

Weil sich • Adam und • Eve darüber ausschweigen, ist letztlich nicht wirklich zu klären ist, ob es • in der Kammer Eves tatsächlich zu sexuellen Handlungen zwischen dem Dorfrichter und der jungen Frau gekommen ist. Der "Adamsfall" in Husium endet jedenfalls damit, dass • Eve am Ende des Prozess als unschuldiges Opfer dasteht, weil der Gerichtsrat • Walter, der Schreiber • Licht und die Leute aus dem Dorf keinen Zweifel an ihrer Darstellung hegen, als sie sich selbst für "schuldlos" erklärt.(12. Auftritt Variant, V 1947) Ihre • "Unschuld" muss sie im rechtlichen Sinne nicht beweisen, sondern nur mit ihrer eigenen Schilderung glaubhaft machen. Auch wenn es dafür, über den Horizont des Textes hinausgedacht, • zahlreiche Gründe gibt, so ist der Glaube an die Wahrheit ihrer Version des Tathergangs doch dramaturgisch von großer Bedeutung. Er ist nämlich die Voraussetzung für das ihr von • Walter gemachte Versprechen, seine menschliches Seite zu zeigen (12. Auftritt Variant, V 1957), und damit für sein Geldangebot, mit dem • Eve die Option erhält, ihren Bräutigam • Ruprecht von der Konskriptionsliste freizukaufen (12. Auftritt Variant, V 2350f.) und letztlich auch die Basis, die das • Happy End für Eve und Ruprecht am Ende der Komödie ermöglicht. (12. Auftritt Variant, V 2372 -V 2395)

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

 

 
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