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Abhängig von der Tatsache, ob der Text
der •
Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ von
Heinrich von Kleist (1777-1811),
wie wohl in der Sekundarstufe II eher üblich,
•
vorab von den Schüler*innen gelesen oder in einem •
sukzessiven, stärker gelenkten Prozess "erlesen" oder in einer Art •
Kombinationsmodell zwischen beiden Varianten rezipiert wird, verändert
sich auch der Zugang für Arbeit mit der ersten Szene in Kleists Stück im •
Literaturunterricht.
Ein Text wie der
• ›Zerbrochne
Krug‹ löst im Allgemeinen selbst bei versierteren und
kompetenteren Schüler*innen aufgrund seiner
• sprachlichen Gestaltung
(seinen
•
stilistischen Besonderheiten
bei
•
Wortwahl,
•
Satzbau und Satzbaustilen sowie
dem • Blankvers) zu denen sich noch
das Problem gesellt, dass der Text vor nahezu 250 Jahren entstanden ist,
unterschiedliche •
Fremdheitserfahrungen
(• alltägliche,
•
strukturelle
und
• radikale Fremdheit; vgl.
Waldenfels 1998,
vgl.
Leskovec 2010.
S.240)
aus. Diese können die
•
motivationale und
volitionale Bereitschaft, den Text überhaupt, wenn schon nicht intensiv,
zu lesen sehr herabsetzen.
Dass der Text zudem auf den ersten Blick nichts mit der Lebenswelt der
jugendlichen Leser*innen zu tun zu haben scheint, eine oberflächliche
Rezeption weder die Mehrdeutigkeit seiner Sprache noch seine vielfältigen
historischen Bezüge wahrnehmen, geschweige denn zu einem vertieften
Textverständnis führen kann, reiht ihn in die allseits bekannte Problemzone
ein, mit der es "Klassiker" in der Schule in den Augen von Schülerinnen und
Schülern eigentlich schon seit langer Zeit zu tun haben: "Langweilig",
"uninteressant", "unlesbar", "unverständlich".
Der ▪
Blankvers im •
"Zerbrochnen Krug" weicht,
auch wenn es eine prosanahe Versform ist, als ästhetisch stilisierte
Sprache von der Normalsprache ab.
Literaturdidaktisch schafft das durchaus Probleme und erschwert
Schülerinnen und Schülern oft einfach den Zugang zu Versdramen.
Und das obwohl der von »Shakespeare,
▪ Lessing,
»Goethe,
▪ Schiller, ▪
Hebbel u. a.
verwendete ▪
Blankvers heutzutage im
»Rap
und HipHop, der sich auf die gleichen
jambischen
Rhythmen stützt, seine Auferstehung
in einer der populären Musikkulturen feiert.
Schülerinnen
und Schüler begegnen derart
sprachlich gebundenen Texten schnell mit
Ablehnung, weil ihnen die Sprache mehr als
seltsam, befremdlich, mitunter sogar unnötig geziert erscheint.
Ehe sie also die ▪ "Ganzschrift"
▪
vorab vollständig lesen, kann die unterrichtliche
Behandlung der Bedeutung dieser artifiziellen Dramensprache helfen,
Widerständen gegen die Lektüre entgegenzuwirken und daraus
resultierende •
Fremdheitserfahrungen (Textrezeption), die die
Lesemotivation senken können, zu bearbeiten.
Um dies
zu erreichen,
aber auch um die Besonderheit dieser gebundenen Sprache herauszuarbeiten,
lohnt es sich, auf verschiedene Formen des ▪
kreativen Schreibens zu setzen und mit Methoden der ▪
produktiven Textarbeit und/oder der gestaltenden
Interpretation der Sprache zu nähern, z. B. durch
• Umwandlung des dramatischen Textes in eine Prosafassung, Modernisierungen
mit Travestiecharakter,
Verfassen von Zeitungsberichten etc. Auch der •
Vergleich mit einer von KI
erstellten Prosafassung der ersten 20 Verse des Stückes kann
hier ein geeigneter Weg sein.
Es gehört zu den besonderen Merkmalen der dramatischen Rede in
Kleists Stück, dass sich die Sprache immer wieder durch ihre Doppel-
und Vieldeutigkeit auszeichnet, die einem bei der ersten Lektüre,
ohne entsprechendes Kontextwissen, nicht so ohne Weiteres auffällt.
Um die Aufmerksamkeit der Schüler*innen auf dieses Phänomen zu
richten, ist es hilfreich, wenn z. B. vor der eigentlichen ▪
Vorab-Lektüre des Textes die erste Szene der Komödie mit einer
Textstelle im Unterricht behandelt wird, die dafür protoypisch ist.
Es handelt sich
dabei um die erste Äußerung • Adams in dem Stück (1.
Auftritt, V 3ff. ), an
Hand derer sich diese Mehrdeutigkeit exemplarisch zeigen lässt. d
deutlich:
ADAM. Ja, seht.
Zum Straucheln braucht's doch nichts, als Füße.
Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier?
Gestrauchelt bin ich hier; denn
jeder trägt
Den leid'gen Stein zum Anstoß in sich selbst.
Diese wenigen Worte seien, so
Michalzik (2011, S.247) weiter: "1.) eine Begründung Adams für
sein demoliertes Gesicht, 2.) eine grundsätzliche Erörterung über
die Frage, worüber man fallen kann, 3.) eine Anspielung auf das, was
in der vergangenen Nacht geschehen ist, 4.) ein Kommentar zum
Sündenfall am Anfang der Menschheitsgeschichte."
Im Mittelpunkt der • Analyse und
Interpretation des
•
Ersten Auftritts
in •
Heinrich von Kleists (1777-1811) •
Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ stehen im Literaturunterricht wohl Fragen, die mit der •
Analyse der
Exposition und der besonderen sprachlichen Gestaltung des Dramas
zusammenhängen.
Im Rahmen von Aufgaben zur •
allgemeinen
Expositionsanalyse, die sich über eine ganze Reihe von
Auftritten hinzieht (erst im • 7. Auftritt
dürfte der Zuschauer über alle Details der Vorgeschichte im Bilde
sein) richtet sich das Interesse auf die Informationsvergabe
des • plurimedial
zu verstehenden dramatischen Textes. Neben bestimmten
Arbeitsanregungen zu diesem Thema können dabei die nachfolgenden
Informationen herangezogen werden.
X-Links •
Strukturen
dramatischer Texte ▪
Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene ▪
Überblick ▪
Strukturbegriffe der Dramenanalyse •
Überblick
•
Alles auf einen Blick:
›Sprungbrett‹•
ABC der schulischen
Dramenanalyse
•
Eine dramatische Szene analysieren und
interpretieren
▪
Überblick
▪
Allgemeiner
Fragenkatalog zur Szenenanalyse ▪
Leitfragen für die
systematische Szenenanalyse
▪
Eine Interpretation schreiben
▪
Gestaltende Szenenanalyse und
-interpretation ▪
Szenenanalyse im schrittweise kooperativen Schreiben
▪
Dramendidaktische Konzepte ▪
Überblick ▪
Sequenzbildung bei der Dramenbehandlung
▪
Formen der Inszenierung »
▪
Gattungsorientierte Konzepte
▪
Theater- und spielorientierte Konzepte
▪
Produktionsorientierte Konzepte
•
Andere Konzepte und Methoden
▪
Methodenrepertoire zur
szenischen Erarbeitung von Dramentexten
•
Arbeitstechniken und Schreibaufgaben (Surfbrett)
•
teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater •
teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
07.08.2026
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