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Lustspiel

Lustige Personen

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Das • deutsche Lustspiel entwickelte sich vor dem Hintergrund des schon aus der • antiken griechischen und • römischen Komödie (z. B. • Aristophanes 455-386 v. Chr., »Plautus (250-184 v. Chr., »Terenz 185? -160 v. Chr.) bekannten Arsenals lustiger Figuren und dem Einfluss der • englischen Komödianten, die mit ihren Wanderbühnen Ende des 16. Jahrhunderts in den deutschen Sprachraum kamen und ihre Narrenfigur Pickelhäring mitbrachten.

»Lustige Personen gehören seit der Antike in verschiedenen historischen und lokalen Varianten zu den komischen Bühnenfiguren. (vgl. Poloni 2007, S.601)

Im Theater erfüllte die lustige Figur im Allgemeinen zwei Funktionen. Auf der einen Seite sollte sie mit ihrem Aussehen, ihrer Gestik und ihrem Wortwitz zur Belustigung des Publikums dienen. Auf der anderen Seite stellte sie eine "antithetische Parallelfigur zum Helden" und damit "ein Element der Relativierung des Geschehens auf der Bühne" (ebd.) dar, das die Wirklichkeitsillusion auch durch seine direkte Kommunikation mit den Zuschauern (z. B. durch das Beiseite-Sprechen) durchbrechen sollte.

Nicht nur aufgrund ihrer über die Bühne hinausgehenden Kommunikationsfähigkeiten avancierten lustige Personen schnell zu den Lieblingsfiguren des Publikums. Ihre typischen Charakterzüge, die oft auch "typische" Eigenschaften des entsprechenden Landes widerspiegelten, waren Gefräßigkeit, zügellose sexuelle Bedürfnisse, Tölpelhaftigkeit, Angeberei, Possenreißerei und eine Freude am Spott, die oft mit einem lächerlich wirkenden Bedürfnis, über Gott und die Welt zu räsonieren, verbunden war. Diese Charaktereigenschaften, zu dem oftmals ein besonders einprägsames Kostüm gehörte, zeigten sich auch im non-verbalen Spiel, in Mimik, Gestik und anderen Körperbewegungen.

Lustige Personen gab es auch im mittelalterlichen • Passionsspiel (z. B. Salbenkrämer-Gehilfe Rubin), im geistlichen Spiel (z. B. der geprellte Teufel) und natürlich auch in den verschiedenen • Fastnachtsspielen der frühen Neuzeit, die z. B. den "Typ des grobianischen, zugleich lustigen und • tölpelhaften Bauern, etwa bei »Hans Folz (1479-um 1510), »Hans Rosenplüt (um 1400-1470) und »Hans Sachs (1494-1576) fortsetzt." (ebd., S.602)


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Die aufkommenden Wandertruppen führten dazu, dass die lustigen Personen, die in ihren Stücken auftraten, unterschiedlich ausgeprägt worden sind.

In Italien entwickeln sie sich im Stegreifspiel der »Commedia dell'Arte-Gruppen zu regional bzw. landschaftlich gebundenen Figuren wie z. B. der »Arlecchino, der »Dottore oder der »Pantalone.

In Spanien gab es die Figur des »Gracioso, der unter verschiedenen Namen wie Bobo ("Narr"), Simple ("Einfaltspinsel"), Picaro ("Gauner") usw. auftrat. Mal zeigt er sich als verschlagen, bald possierlich einfältig, mal ist er ein lustiger Bediente, mal ein Begleiter seines Herrn, den er auf seine Weise parodiert.

In Frankreich wird die lustige Person zu »Jean Potage, der entweder als lustiger Begleiter (und Bauernfänger) eines Jahrmarktsquacksalbers auftrat.

Im »Elisabethanischen Theater übernimmt der Narr in den Stücken »William Shakespeares (1564-1616) oftmals die Rolle des antiken Chores und wirkt in den »Haupt- und Staatsaktionen der Folgezeit als anti-tragisches Elemente. Die Narrenfigur Pickelhäring, den die • englischen Komödianten, die mit ihren Wanderbühnen Ende des 16. Jahrhunderts in den deutschen Sprachraum kamen, mitbrachten, stieß hier auf große Begeisterung des Publikums und führte um 1700 herum zur Neubelebung der »Hanswurst-Figur durch »Joseph Anton Stranitzky (1676-1726)

Die lustigen Figuren fielen in »Johann Christoph Gottscheds (1700-1766)aufklärerischem Konzept der Literaturreform und • Literarisierung des Theaters als Ausdruck des • "Pöbeltheaters" gänzlich in Ungnade und sollten von der Bühne verschwinden.

Gottscheds Kampf gegen "›lauter schwülstige und mit Harlekins=Lustbarkeiten untermengte Haupt= und Staats = Actionen‹, lauter unnatürliche Romanstreiche und Liebesverwirrungen, lauter pöbelhafte Fratzen und Zoten" (zit. n. Stephan 1992, S.133) hatte im Zusammenwirken mit »Caroline Neuber (1697-1760), der Prinzipalin einer der bedeutendsten Wandertruppen, auf nord- und mitteldeutschen Bühnen durchaus Erfolg. Im Süden hingegen hielten sich die lustigen Figuren weiter. Und auch sonstwo tauchten Stücke mit lustigen Figuren, eben weil sie beim Publikum besonders gut ankamen, immer wieder im Spielplan auf. Von einer Geschmacksveränderung des Publikums, wie sie Gottsched und Neuber anstrebten, konnte jedenfalls noch viele Jahre nicht die Rede sein. (vgl. Fischer-Lichte 1993, S.101).

Selbst »Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), der in seiner »Hamburgischen Dramaturgie (1767-1769) komischen Figuren im Drama wieder Bedeutung verlieh, konnte die von Gottsched bewirkte Verbannung der lustigen Figur von der Bühne eines literarischen Theaters nicht mehr umkehren. Heute lebt sie, abgesehen von Dialektstücken als Clownfigur im Zirkus weiter, und hat auch in der Figur des Schwejk eine funktional umgewandelte Fortsetzung gefunden. (vgl. Poloni 2007, S.601ff.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 21.08.2025

 
 

 
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